My Name is Severus

 

 

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Kapitel 11: Die Suche nach Severus

Albus Dumbledore rannte in die Kerker hinunter und platzte mit voller Geschwindigkeit in den Gemeinschaftsraum der Slytherins. Er war leer. Kein Severus, und auch sonst niemand.

„Sie müssen schon zum Frühstück gegangen sein“, dachte Albus als er einen Blick auf die Uhr warf.

Er sollte auch da sein, um ein Auge auf sie zu halten, aber zuerst musste er Severus beruhigen. Minerva McGonagall würde sowieso auf die Slytherins achten.

Ich brauche schnell einen neuen Hauslehrer für Slytherin. Und einen neuen Tränkelehrer auch.

Albus rannte die Treppen hinauf und sah im Schlafsaal der Junge nach. Er warf einen weiteren schnellen Blick in die Badezimmer. Dort fand er nur Greenie den Igel, der ihn durch die Stäbe seines Käfigs anblinzelte. Normalerweise hätte er innegehalten um dem kleinen Tier ein paar freundliche Wort zu sagen, aber dazu hatte er jetzt keine Zeit. Er musste Greenies Besitzer finden.

Er beschloß, es auch in den Schlafsälen und Badezimmern der Mädchen zu versuchen. Abgesehen von genug Parfüm in der Luft um das Atmen zu verhindern fand er nichts.

Er kehrte in den Gemeinschaftsraum zurück und atmete einige Male tief durch, wie schafften es die Mädchen, dort drinnen nicht zu ersticken? Und wo war Severus hingekommen? Die Kerker waren das einzige Heim, das der Junge hatte, also war Albus sicher gewesen, daß er ihn irgendwo im Haus Slytherin finden würde.

Aber das Haus Slytherin umfasste nicht alle Kerker. Das Tränkeklassenzimmer! Warum hatte er vorher nicht daran gedacht?

Albus rannte wieder durch die Geheimtür und ließ sie in seiner Eile offen stehen. Er rannte durch die Gänge und erreichte bald das ihm jetzt vertraute Klassenzimmer. Er hatte diesen Ort nie gemocht und war überzeugt, daß er das nie tun würde. Er war zu düster für seinen Geschmack, aber er passte perfekt zu Severus. In der Tat hatte sich Severus sein Klassenzimmer selbst ausgesucht. Sie hätten eines der größeren Klassenzimmer der Schule für ihn anpassen können, obwohl es eine alte Tradition der Schule war, daß Zaubertränke im Kerker unterrichtet wurden. Er erinnerte sich tatsächlich daran, daß es Lehrer gegeben hatten, die Zaubertränke in den Türmen oder in einem der großen Räume bei der Bibliothek unterrichtet hatten. Aber Severus mochte das dunkle und kalte Klassenzimmer im Kerker. Es passte zu seiner Persönlichkeit. Aber wieder war Severus nicht da, und er war auch nicht in seinem Büro nebenan.

Als Albus sich im Büro umsah, wurden seine Augen auf eines der hohen Regale gezogen, das immer frei von Zutaten war. Albus hatte das getan, weil es furchtbar hoch war, und Severus weil es der Lieblingsplatz seines Raben war.

Der Rabe! Vielleicht war Severus gegangen um sich in die weichen Federn seines Raben auszuweinen! Albus machte auf der Stelle kehrt und rannte in Filchs Büro. Der Hausmeister war natürlich nicht da. Er war mit allen anderen beim Frühstück, und die Tür war abgesperrt. Albus dachte nicht einmal daran, in die Große Halle zu gehen und Filch um die Schlüssel zu bitten. Er öffnete das Büro mit einem schnellen „Alohomora“-Spruch.

Der Rabe schrie erschrocken auf, als er herein platzte und sprang von einem Papierstapel weg, mit dem er gespielt hatte. Albus grinste als ihm klar wurde, daß es ein Teil der Akte des Hausmeisters über die Weasleyzwillinge war. Filch würde wahrscheinlich nie merken, daß sie verschwunden waren, wenn der Rabe sie erledigte bevor der Hausmeister zurückkam.

Er wurde aber schnell wieder ernst. Severus war nicht hier, und er wusste keine Orte mehr an denen er nachsehen konnte.

Er würde in die Große Halle gehen und den Lehrern bescheid sagen müssen. Vielleicht hatten sie Vorschläge. Er seufzte schwer als ihm einfiel, daß er ihnen noch nicht einmal gesagt hatte, daß Severus ein Kind bleiben musste. Es würde für die meisten von ihnen einen ziemlichen Schrecken bedeuten.

Er musste an Hagrid denken, der nicht weiter krank machen konnte bis Severus seinen Abschluß machte, und an Minerva. Die sich so sehr über seine Inkompetenz in ihrem Unterricht beschwerte.

Andererseits wusste er, daß die Lehrer Severus alle mochten und daß er ihnen leid tat. Sie würden sicher bei der Suche helfen.

Und vielleicht war Severus schon mit den anderen oben in der Großen Halle. Vielleicht hatte er sich von selbst beruhigt und war mit seinen Mitschülern gegangen.

Der Direktor betrat die Große Halle und sah sofort hinüber an den Tisch der Slytherins.

Sein Herz sank beim Anblick des leeren Stuhles neben Draco. Wieder war Severus offensichtlich nicht anwesend.

Draco sah erwartungsvoll hinter dem Direktor zur Tür. Das letzte Mal, daß er Severus gesehen hatte war gewesen, als Dumbledore ihn in sein Büro gerufen hatte. Das war vor einer ganzen Weile gewesen. Die beiden mussten sich sehr lange unterhalten haben.

Er hoffte, daß Severus nicht aufgrund eines seiner kleinen Streiche in Schwierigkeiten war. Vielleicht hatten sie einen Weg gefunden ihn zurückzuverwandeln? Vielleicht war er deswegen nicht da? Irgendwie hatte Draco das Gefühl, daß er Severus vermissen würde, obwohl er froh sein würde, Snape wieder zu haben. Er fühlte sich einfach sicherer, wenn ihn der sarkastische Tränkelehrer beschützen konnte.

Draco sah zu wie Dumbledore zu McGonagall hinüber ging und ihr etwas ins Ohr flüsterte. Sie folgte ihm zum Lehrertisch an der Vorderseite des Raumes und setzte sich an ihren üblichen Platz. Das hatte sie eine ganze Zeit nicht gemacht, wie Draco plötzlich klar wurde. Sie war immer in der Nähe des Slytherintisches geblieben um zu versuchen, daß sie sich nicht prügelten seit Snape „weg“ war. Dumbledore musste McGonagall befohlen haben, mit ihm zum Tisch zu kommen, das bedeutete, daß er den Lehrern etwas wichtiges zu sagen hatte. Draco sah genau hin.

Der Lehrertisch verstummte auf einmal, und Dumbledore sagte etwas. Hagrid wurde bleich, Filch starrte auf seinen Teller hinunter, McGonagall presste die Lippen eng aufeinander... Dumbledore verstummte, aber er aß nicht. Er schien in seine Gedanken versunken zu sein. Die anderen Lehrer aßen auch nicht weiter. Professor Sprout legte wortlos ihren Löffel weg, stand auf und ging hinaus. Einige der Lehrer wandten die Köpfe, um ihr nachzusehen, aber sie sagten nichts und versuchten nicht sie aufzuhalten. Der ganze Tisch war völlig stumm.

Nachdem sie einige Minuten lang auf Snapes leeren Stuhl am Lehrertisch gestarrt hatte, stand McGonagall auf und kehrte an ihren Platz am Slytherintisch zurück.

Draco sah zu ihr auf und blickte in ihre Augen. Zum ersten Mal drehte er sich nicht weg um den Blickkontakt zu brechen.

Er wollte wissen wo Severus war. Was war los?

McGonagall seufzte und deutete ihm an, er solle weiteressen.

Aber Draco war nicht mehr hungrig. Vielleicht war Severus im Gemeinschaftsraum. Er stand auf und verließ die Große Halle ohne ein Wort. Gregory, Vincent und Blaise sahen überrascht auf.

Gregory und Vincent hatten die kurze Szene am Lehrertisch nicht einmal bemerkt, und sie waren sowieso viel zu hungrig um sich darum zu kümmern.

Blaise aber beschloß, daß er Draco besser folgen sollte. Er würde nicht zulassen, daß er anfing, sich Sorgen um Severus zu machen. Er könnte vielleicht anfangen, die kleine Ratte zu mögen, und das konnte er nicht zulassen.

"Hey Draco!", rief er ihm nach. “Warum läufst du auf einmal davon? Warte auf mich!“

Draco hielt an um Blaise aufholen zu lassen, aber er antwortete nicht.

„Was ist los mit dir?“, fragte Blaise ihn. “Sag nicht, daß du dir Sorgen um Severus machst. Manchmal könnte man fast glauben, daß du den kleinen Dieb magst.“

„Nun, ich mag ich nicht direkt, aber ich denke doch, daß wir versuchen sollten herauszufinden was im Augenblick mit ihm ist“, erklärte Draco. „Hast du gesehen wie die Lehrer reagiert haben als Dumbledore mit ihnen geredet hat? Und warum war Severus nicht beim Frühstück? Er kann nicht mehr bei Dumbledore sein, weil Dumbledore da war. Wo ist er dann?“

„Wahrscheinlich gräbt er in deinem Koffer herum und sucht Geld das er klauen kann“, bemerkte Blaise trocken.

„Vielleicht, aber ich glaub es nicht“, antwortete Draco. „Das ist aber ein Grund mehr um zu sehen wo er ist.“

Aber sie fangen niemanden im Gemeinschaftsraum oder in ihrem Schlafsaal. Severus’ Tasche lag offen auf seinem Bett, so wie er sie hinterlassen hatte als er ins Büro des Direktors gerufen worden war.

„Sieht nicht aus, als wäre er überhaupt hier gewesen“, bemerkte Draco enttäuscht. ”Hey, das ist eine tolle Chance sich zu rächen!”, schlug Blaise vor. „Schauen wir, ob wir ihm was aus der Tasche klauen können.“

Draco betrachtete die Tasche misstrauisch.

“Nein danke, ich stecke meine Finger nicht so gerne in Mäusefallen wie du.”

Die Bemerkung brachte Blaise sofort zum Schweigen. Er warf einen letzten wehmütigen aber vorsichtigen Blick auf Severus’ Tasche und ging dann zu seinem eigenen Bett hinüber.

„Dann hole ich vielleicht einfach meine Bücher für den Unterricht“, beschloß er. Draco sah auf die Uhr um zu sehen wie viel Zeit sie noch vor der ersten Stunde hatten. Die meisten Schüler waren noch beim Frühstück, also hatten sie keinen Grund aus dem Blaise sich auf einmal so beeilen sollte. Aber seine Uhr war nicht da.

„Ich muß sie im Badezimmer vergessen haben“, beschloß er und lief los um sie zu holen. Tatsächlich, da war sie. Auf dem Regal über dem Waschbecken, wo er sie gelassen hatte. Er nahm sie mit und wollte gerade wieder gehen, als er den Käfig in der Ecke des Zimmers sah. Also war Severus doch hier gewesen! Draco war sicher, daß er den Igel mitgenommen hatte, als er zu Dumbledore gegangen war. Nun war der Käfig wieder da, wo er die Nacht verbrachte.

Aber wo war Severus hingegangen wenn er sein Haustier zurückgelassen hatte? Die einzige Gelegenheit wo er ihn nicht mitnahm war, wenn er zu McGonagall musste. Aber sie war beim Frühstück in der Großen Halle gewesen. Hatte er Severus nur um Sekunden verpasst?

Er ging hinüber und kniete sich einen Augenblick lang vor den Käfig.

"Hi, Greenie." "Sniff!", begrüßte ihn der Igel.

Draco lächelte. “Wo ist dein Besitzer, Greenie? Es sieht ihm gar nicht ähnlich, dich zurückzulassen, weißt du nicht wo er hin ist?“

"Sniff?", sagte Greenie verwirrt.

Er war gelangweilt und hungrig. Noch niemand hatte ihn heute gefüttert, und etwas sagte ihm, daß es Cornflakezeit war. Vielleicht würde der Blonde ihm wieder seinen eigenen Teller geben?

Aber Draco dachte gar nicht daran, Igel zu füttern. Er beschloß, daß Greenie ihm nicht sagen konnte wo Severus war, und daß er Blaise sagen sollte was er gefunden hatte. Vielleicht hatte der andere Junge eine Ahnung davon was das bedeuten konnte.

Draco rannte wieder in den Schlafsaal, und sah wie Blaise über Severus’ Tasche stand. Er zog gerade etwas aus seiner eigenen Tasche und wollte es in die von Severus stopfen, als Draco auf einmal hinter ihm auftauchte.

Blaise erschrak und ließ das Stück Pergament fallen. Draco bückte sich um es aufzuheben.

“Nein, nicht!”, sagte Blaise etwas zu schnell.

Aber Draco hatte es schon aufgehoben.

„Hast beschlossen die Mausfalle zu riskieren, Blaise?“, fragte er grinsend.

Aber warum sollte Blaise etwas in Severus’ Tasche stecken anstatt etwas herauszunehmen? Und warum hatte er nicht gewollt, daß Draco es nahm? Blaise sprang nach dem Pergament. Draco trat schnell zurück und hielt es außer Blaises Reichweite.

Was war auf dem Pergament von dem Blaise nicht wollte, daß Draco es sah? Draco warf einen Blick darauf, dann starrte er Blaise an. Alle Erheiterung war aus seinem Gesicht gewichen.

„Das ist mein Verwandlungsaufsatz!“, bemerkte er überrascht. „Was hast du mit meinen Hausaufgaben gemacht, Blaise?“

„Deiner? Ehrlich?”, sagte Blaise schnell. „Das hab ich nicht gewusst.“

“Oh wirklich?”, fragte Draco sarkastisch. „Warum wolltest du dann nicht, daß ich es sehe? Wo hast du meine Hausaufgaben her, Blaise?“

„Na, ich hab sie natürlich in Severus’ Tasche gefunden“, antwortete Blaise ruhiger. „Ist das nicht klar?“

„Lüg mich nicht an, Blaise!“, sagte Draco scharf. „Ich hab gesehen wie du es aus deiner eigenen Tasche genommen hast. Du wolltest es in die von Severus stecken und ihn beschuldigen, sie gestohlen zu haben, richtig?“

„Okay, es war also ein kleiner Scherz“, gab Blaise zu, während er sich unter Draocs wütendem Blick wand.

„Das ist nicht nur ein kleiner Scherz“, zischte Draco. „Du wolltest, daß ich mich an Severus für etwas räche, das er nicht einmal getan hatte. Wie viele seiner anderen Streiche hast du aufgebaut? Warum? Was bekommst du dafür?“ ”In Ordnung, ich habe deine Hausaufgaben gestohlen, ich gebe es zu. Aber du bist zu freundlich zu der kleinen Ratte. Ich habe nur versucht dir zu helfen zu sehen wie er wirklich ist“, schrie Blaise Draco an. „Du kannst dich nicht mit dem anfreunden, Draco. Er ist keiner von uns. Er gehört hier nicht her, und wir brauchen deine Hilfe um ihn los zu werden.“

Draco sagte nichts. Er würde seine Seite wählen müssen, aber er wusste noch immer nicht wo er stand. Severus war es wahrscheinlich völlig egal wie er sich entschied. Aber andererseits hatte er dem Direktor versprochen, sich mit ihm anzufreunden. Andererseits konnte man Severus nicht trauen, und wenn Draco seine Seite wählte, würde er all seine anderen Verbündeten verlieren.

Und was würde passieren wenn Severus wieder erwachsen wurde? Draco wäre ganz alleine, in der Situation in der Severus jetzt war. Andererseits war er wirklich wütend auf Blaise. Wie konnte er es wagen, die Hausaufgaben seines Freundes zu stehlen, nur um jemand anders zu beschuldigen? Welcher von ihnen war hier der Verräter? Draco war sich nicht mehr sicher.

„Du bist der Experte“, fuhr Blaise fort als Draco nicht reagierte. „Du könntest Severus leicht verscheuchen wenn du dich wirklich anstrengen würdest. Aber du hältst dich zurück. Was ist los? Hast du Angst davor was er tun würde, wenn er wieder unser Lehrer ist? Ich denke nicht, daß er was macht. Er bittet um Schwierigkeiten. Er hat vom ersten Augenblick an Streit mit uns gesucht, weißt du noch wie er Gregory angegriffen hat, als wir ihn zum ersten Mal getroffen haben?“

„Gregory hat ihn provoziert. Er hat die Herausforderung angenommen“, bemerkte Draco ruhig. „Ich mag Severus auch nicht, Blaise, aber ich mag Snape irgendwie. Ich will ihm nicht weh tun. Das hat nichts mit Angst zu tun. Die habe ich nicht. Aber ich bin dankbar für all die kleinen Gefallen, die er uns im Laufe der Jahre getan hat. Wir können ihn nicht auf einmal als Feind behandeln. Das ist nicht fair von uns.“

„Er will es so!“, bestand Blaise.

„Nein, tut er nicht!“, schrie Draco zurück.

Er nahm seine Tasche und die Bücher die er für den Vormittagsunterricht brauchen würde und lief Blaise davon, wobei er die Tür hinter sich zuknallte.

Draco hielt im Gemeinschaftsraum an um tief Luft zu holen, um sich zu beruhigen. Er hatte sich einen Feind gemacht, und einen gefährlichen noch dazu. Blaise war in seinem Schlafsaal, und er war der, der sich am wahrscheinlichsten gegen ihn wenden würde. Er würde seine Mitschüler überzeugen müssen, daß er wütend auf Blaise war, weil er seine Hausaufgaben gestohlen hatte, und daß es nichts mit Severus zu tun hatte.

Schnell packte er seine Tasche ordentlich und nahm seine beiden Verwandlungshausaufgaben heraus. Welchen sollte er abgeben? Die alte war detaillierter und besser geschrieben. Da hatte er Zeit gehabt, die notwendigen Dinge nachzuschlagen. Die neue war schnell hingeschmiert und hatte Milicents Aufsatz als Vorlage genommen. (Er hatte ihn dem Mädchen anschließend zurückgegeben und behauptet, er hätte ihn im Gemeinschaftsraum auf dem Boden gefunden. Sie musste ihn verloren haben.)

Der alte war ganz sicher besser, aber er hatte ihn bei seiner Begegnung mit Blaise so fest gehalten, daß er verknittert war. Er glättet ihn so gut wie möglich.

Er würde beide Aufsätze einreichen und McGonagall die Sache erklären. Und er würde es vor der ganzen Klasse tun! Das würde natürlich bedeuten, Blaise vor einer Lehrerin anzuklagen, aber es würde seinen Mitschülern beweisen, wie wütend er über seine gestohlene Hausaufgabe war, und es würde es für Blaise schwerer machen, die anderen Slytherins gegen ihn zu wenden. Sollten die Gryffindors denken was sie wollten. Sie hatten sowieso keine hohe Meinung von der Loyalität unter den Slytherins.

Professor Binns war wahrscheinlich, abgesehen von Trelawney, der einzige Lehrer, der nicht beim Frühstück war und daher nichts von Severus’ Verschwinden wusste.

Er war froh zu sehen, daß die Tür zu seinem Klassenzimmer einmal offen gelassen worden war, und fing seine Stunde in guter Stimmung an.

Als er die Klassenliste verlas bemerkte er, dass Severus fehlte, aber er nahm an, dass er einfach zu spät kam.

Als Severus nach 10 Minuten immer noch nicht angekommen war, fragte er die Klasse wo er war, aber sie schienen es nicht zu wissen, also wandte er sich wieder seinem Unterricht zu.

Die Schüler waren heute still. Es gab kein Geschrei und keine Prügeleien, die seine Stunde störten. Die Kinder flüsterten sogar weniger als sonst.

Binns bemerkte nicht, daß die Augen der Schüler oft zu dem leeren Stuhl am hinteren Ende wanderten, auf dem Severus sonst saß. Er war nur froh, daß sie so ruhig waren.

Flitwick reagierte ganz anders. Er las nicht einmal die Klassenliste aus.

„Hat einer von euch eine Ahnung wo Severus ist?", fragte er anstelle seiner üblichen Begrüßung.

Auf einmal machte sich Draco Sorgen. Wenn Flitwick bemerkte, daß Severus fehlte ohne auch nur in die Klassenliste zu sehen, bedeutete das, daß er es erwartet hatte. Die Lehrer machten sich offensichtlich Sorgen um Severus. Aber wenn selbst die Lehrer nicht wussten wo er war...

Als niemand antwortete, fuhr Flitwick damit fort, jeden Slytherin einzeln zu fragen.

Sie alle bestanden darauf, daß sie keine Ahnung hatten wo Severus ein könnte, und Blaise, Gregory, Pansy und einige andere machten klar, daß es sie nicht weniger interessieren könnte.

Draco bemerkte, daß Flitwick von ihren Bemerkungen fast verletzt zu sein schien. Es war ein neuer Punkt, den er zu bedenken hatte, er hatte immer angenommen, daß Snape und die anderen Lehrer nicht besser miteinander auskamen, als die Slytherins mit den anderen Häusern, aber im Augenblick sah es aus, als würde dieser Lehrer sich wirklich Sorgen darum machen, Severus könnte keine Freunde haben. Dumbledore hatte deutlich gemacht, daß er Severus mochte, und McGonagall hatte ihm ebenfalls mehrmals überraschende Freundlichkeit gezeigt. Und dann gab es Filch, der ihn in der Tat manchmal vor den anderen Slytherins beschützt hatte.

Konnte es sein, daß Snape nicht so schlimm war wie er schien, wenn man ihn einmal kennenlernte? Die Lehrer von Hogwarts kannten ihn seit vielen Jahren.

Aber wenn Snape nicht so schlecht war, wie er auf den ersten Blick schien, würde das dann nicht höchstwahrscheinlich auch auf Severus zutreffen? Sie waren schließlich derselbe Mensch.

Flitwick fragte sogar ein paar Ravenclaws, aber sie hatten nicht mehr Ahnung davon wo Severus sein konnte als die Slytherins.

Mit einem Seufzer wandte er sich dem Zauberkunstunterricht zu, aber sie konnten sehen, daß er heute nicht mit ganzem Herzen dabei war. Die Stunde schien sich für alle Beteiligten unglaublich lang hinzuziehen.

Sie waren schon halbwegs durch eine ziemlich langweilige Verwandlungsstunde mit einer sehr nervös scheinenden Professor McGonagall. Blaise hatte seinen Blumentopf in ein Kaninchen verwandelt und versuchte nun Vincents Aufmerksamkeit zu bekommen, ohne auch die von McGonagall auf sich zu ziehen.

Er hatte die letzten beiden Stunden vor der Verwandlungsstunde damit verbracht, Gregory davon zu überzeugen, daß Draco ein Verräter war und bestraft weden musste. Wer hätte gedacht, daß der dumme Gregory so stur loyal sein konnte? Nun, Blaise hatte ihn schließlich überzeugt, und jetzt war Vincent dran.

McGonagall hörte endlich auf, durch das Klassenzimmer zu laufen und alles und nichts anzustarren, und wandte ihre Aufmerksamkeit ihren Hausaufgaben zu.

Blaise stieß Vincent vorsichtig seinen Zauberstab an die Schulter - keine Reaktion.

Blaise stieß härter zu - Vincent schien es noch immer nicht zu fühlen.

Blaise schlug ihm auf den Kopf. Hart. - Vincent drehte sich um.

„Was ist los?“, fragte er. “Ich bin’n bißchen beschäftigt. Mein Kaninchen springt ständig weg.“

„Vergiß den blöden Hasen!“, fauchte Blaise. “Wir haben ein größeres Problem.”

„Problem? Was für ein Problem?”

“Draco und Severus", flüsterte Blaise. ”Haben sie sich wieder geprügelt?”, fragte Vincent verwirrt. “Ich hab die kleine Ratte heute noch gar nicht gesehen. Schlagen wir ihn einfach zusammen, wenn er wieder auftaucht, ja?“

“Sie haben sich nicht geprügelt, Vince. Es ist viel ernster. Draco ist...“ "Mr. Malfoy!", schnitt McGonagalls Stimme ihm auf einmal das Wort ab. “Wo sind Ihre Hausaufgaben?”

“Nun, sehen Sie, das muß ich erst erklären”, sagte Draco als er aufstand und mit zwei Pergamentrollen in der Hand zum Lehrertisch ging.

“Was erklären?”, sagte McGonagall scharf. “Ich höre.”

Das tat die ganze Klasse. Einige Hasen sprangen unbemerkt davon. Die Gryffindors lächelten vor Freude, in der Annahme, daß Draco Schwierigkeiten hatte. Die Slytherins fragten sich was los war und machten sich leichte Sorgen, nur Blaise war völlig durcheinander. Er wusste. daß Draco einen neuen Aufsatz geschrieben hatte, und daß er sein Original zurück hatte. Warum hatte er nicht einfach einen davon abgegeben?

Draco lächelte McGonagall unschuldig zu. Er konnte ebenso niedlich aussehen wie Severus wenn er wollte. Er hatte nur gedacht, daß es seinem Ruf schaden würde, bis er gesehen hatte wie es bei dem anderen Jungen funktionierte.

„Nun, sehen Sie, ich musste ihn zweimal schreiben, weil Blaise mir den ersten gestohlen hat, und ich ihn erst heute morgen zurückbekommen habe, und nun weiß ich nicht welchen ich abgeben soll. Der Erste war ganz verknittert und hässlich, als ich ihn endlich zurückbekommen habe, aber ich musste mich beim Zweiten beeilen, weil ich nicht genug Zeit hatte um ordentlich nachzuschlagen, und deswegen denke ich, daß der erste besser ist.“ Die Slytherins drehten sich um, um Blaise anzustarren. “DU hast seine Hausaufgaben gestohlen?“, fragte Vincent ungläubig. „Ich dachte, das war Severus. Was wolltest du denn damit?“

Blaise starrte Draco an. Was machte er da? Warum sagte er das einem Lehrer? Er musste wissen, daß er jetzt als Verräter gezeichnet sein würde. ”Zeig sie mir”, forderte ihn McGonagall auf. Draco gab ihr die beiden Pergamente. McGonagall betrachtete zweifelnd das verknitterte.

“Es ist alles Blaises Schuld!”, beschuldigte Draco ihn, wobei er Severus niedlichen kleinen Schmollmund ausprobierte. Es schien zu wirken, da McGonagall ihre Aufmerksamkeit Blaise zuwandte.

"Mr. Zabini? Haben Sie Ihrem Freund die Hausaufgaben gestohlen?”

„Wir sind keine Freunde!“, erklärte Draco. „Jetzt nicht mehr!“ Blaise starrte zu Boden. Er war kein sehr guter Lügner. Zumindest nicht wenn er sich schnell eine Lüge einfallen lassen musste. Er nickte ergeben. Vielleicht würde es helfen wenn er genug Bedauern zeigte... ”Und warum haben Sie das getan? Was haben Sie sich davon versprochen?“ McGonagall verstand offensichtlich nicht, was man mit den Hausaufgaben eines anderen tun konnte.

„Ich...ich...“, stotterte Blaise. Wenn er die Wahrheit sagte, wäre er wirklich in Schwierigkeiten. Es war sehr offensichtlich, daß McGonagall Severus mochte, und im Augenblick machte sie sich Sorgen um ihn.

"Ich habe ihn erwischt wie er versucht hat, sie in Severus’ Tasche zu schmuggeln“, erklärte Draco, als wäre es ihm ziemlich egal, warum er es getan hatte. „Er wollte es Severus in die Schuhe schieben, damit wir uns wieder streiten. Nur so zum Spaß. Und ich musste den ganzen Aufsatz noch mal schreiben!“

"Stimmt das, Mr. Zabini?", fragte McGonagall qualmend vor Wut. “Haben Sie Mr. Malfoy's Aufsatz gestohlen, nur um Severus die Schuld dafür zuzuschieben?!“

„N…nein”, behauptete Blaise, obwohl er wusste wie offensichtlich die Lüge war.

„Warum haben Sie ihn dann gestohlen?“

Blaise starrte zu Boden. Er brauchte schnell eine plausible Erklärung, aber ihm fiel gar nichts ein.

McGonagall wartete fast eine Minute lang auf die Antwort, aber es kam keine. Die ganze Klasse starrte Blaise in ungläubiger Stille an.

„Kommen Sie nach der Stunde zu mir um Ihre Strafarbeit zu besprechen, Mr. Zabini", beschloß McGonagall, während sie eines der weggelaufenen Kaninchen aufhob. „Wessen Hase ist das? Seine Füße sind noch aus Ton!”

“Dann denke ich, es muß meiner sein”, erklärte Neville mit einem dämlichen Grinsen. “Ich war noch nicht ganz fertig als es weggelaufen ist.“

McGonagall gab Neville das zappelnde Kaninchen mit einem leisen Lächeln.

„Ihr habt noch 5 Minuten um die Verwandlung abzuschließen“, erinnerte sie ihn.

Überall im Zimmer fingen die Schüler verzweifelt mit der Suche nach verlorengegangenen Kaninchen an. Blaise schien vergessen zu sein, aber er wusste, daß das nicht stimmte. Er konnte hören wie sich Gregory und Vincent darüber stritten, ob Draco das Recht gehabt hatte, Blaise nach dem was er getan hatte zu verraten. Die Slytherins waren offensichtlich geteilter Meinung über diese Angelegenheit, aber sie alle stimmten darin überein, daß Blaise Draco geschadet hatte.

Mit einem tiefen Seufzer ließ er sich wieder auf seinen Stuhl sinken und starrte den Rest der Stunde mit leerem Blick vor sich hin. Sein Hase war auch davongelaufen, aber das war ihm egal. Die anderen Slyhterins würden ihm nun nie wieder folgen. Aber wer sollte sie führen, wenn Draco sich jetzt von ihnen abwandte?

Endlich war es Zeit zum Mittagessen, und Draco huschte in die Große Halle. Die erste Stunde nach dem Essen würde im Fliegen sein, und er musste nicht daran teilnehmen, weil er in der Quidditchmannschaft war. Er beschloß sich mit dem Mittagessen zu beeilen und dann die Zeit bis zum VgddK-Unterricht mit der Suche nach Severus zu verbringen, vielleicht war er in der Bibliothek. Da ging er üblicherweise hin wenn er etwas Zeit übrig hatte.

Draco hatte seine hastige Mahlzeit fast beendet, als der Direktor unerwartet am Slytherintisch auftauchte. Albus Dumbledore blieb hinter Severus’ leerem Stuhl stehen und sah die Jungen neugierig an.

“Ich brauche eure Hilfe”, sagte er plötzlich.

Sie sahen sich an, unsicher darüber wer für ihre Gruppe sprechen sollte. Gregory kam nicht in Frage, Vincent wusste, daß er von Draco oder Blaise nicht akzeptiert wurde, Blaise wusste, daß seine Autorität nach der Szene im Verwandlungsunterricht zweifellos angefochten werden würde, und Draco wollte sich nicht in irgendetwas hineinziehen lassen, das seinem Plan, nach Severus zu suchen, im Weg sein konnte.

„Hilfe wobei?“, fragte Draco schließlich als niemand sonst etwas sagte.

„Dabei, Severus zu finden”, begann Dumbledore. Jetzt war Draco interessiert, aber die drei anderen stöhnten.

„Wir wollen ihn nicht finden. Wir sind froh, daß er nicht da ist“, erklärte Blaise.

„Selbst wenn er in Gefahr sein könnte?“, fragte ihn Dumbledore, wobei er ihm einen ungewöhnlich ernsten Blick schenkte. “In Gefahr?“, fragte Draco. „Warum sollte er in Gefahr sein? Wo ist er?“ “Ich weiß nicht wo er ist. Deswegen brauche ich eure Hilfe“, seufzte Dumbledore, und Draco konnte die Sorge in seinen Augen sehen. “Ich musste ihm heute früh schlechte Nachrichten überbringen, er hat sie nicht gut aufgenommen und ist weggelaufen. Niemand, den ich bisher gefragt habe, hat ihn seitdem gesehen, und ich fürchte er ist weggelaufen.

„Er ist innerlich erwachsen, Sir“, sagte Draco freundlich. “Er kann auf sich selbst aufpassen.”

„Er hat sich in letzter Zeit nicht erwachsen benommen“, widersprach Dumbledore. „Wir können nicht wissen wie der Trank seine Geist beeinflusst hat, aber beeinflusst hat er ihn ganz sicher. Nach seinem augenblicklichen Verhalten zu urteilen fragte ich mich, ob ich sein Alter nicht überschätzt habe, als ich ihn in die 5. Klasse gesteckt habe. Er ist nicht reif genug, um dort draußen alleine zu überleben. Vor allem nicht, wenn ihm Voldemort nachstellt, was ich durchaus vermute.”

"Voldemort?", fragte Draco überrascht. “Warum sollte Sie-wissen-schon-wer hinter Severus her sein? Er ist nur ein Junge.“

„Ja, aber Voldemort würde gerne den Erwachsenen in die Finger bekommen, und er wird sich wohl kaum von einer Kleinigkeit wie einem Verjüngungstrank aufhalten lassen.“ Albus wagte es nicht, den Kindern von seiner Furcht zu erzählen, daß Voldemort daran interessiert sein konnte, die Wirkung des Trankes zu studieren. Sie kamen schließlich alle aus Todesserfamilien. „Ich muß wissen ob ihr ihn gesehen habt, und wo er sonst hingeht wenn er alleine sein will. Habt ihr eine Ahnung wo er sein könnte?“

„Er verbringt viel Zeit in der Bibliothek“, sagte Draco.

“Ich habe schon in der Bibliothek, dem Tränkeklassenzimmer und Büro, Mr. Filchs Büro, allen Slytherinschlafsälen und allen Kerkern nachgesehen“, erklärte ihm Dumbledore sofort. „Sonst noch Ideen? Bitte?“ ”Nicht wirklich”, sagte Draco, der sehr enttäuscht war. Er hatte selbst bis eben nicht gewusst, wie sicher er gewesen war, Severus in der Bibliothek zu finden „Aber wir versprechen, Ihnen sofort Bescheid zu sagen wenn er auftaucht.“ “Danke, sagte Dumbledore nur, aber das Lächeln, das die Worte begleitete, sagte Draco mehr als Worte es sagen konnten, wie sehr Dumbledore es auch so meinte.

Und Draco ertappte sich dabei, zurück zu lächeln. Was machte er da? Versuchte er den Feind zu beruhigen? Warum bedeutete es ihm auf einmal so viel, was Dumbledore dachte und wie es ihm ging? Dumbledore war nur ein alter Idiot. Wie konnte Draco den seltsamen Drang empfinden, ihn stolz machen zu wollen?

Draco versuchte das Gefühl abzuschütteln, aber es kehrte jedes Mal zurück.

Dumbledore ging zum vorderen Ende der Halle und verkündete den überraschten Schülern, daß Severus verschwunden war, und es keinen Nachmittagsunterricht geben würde, so daß die Lehrer Zeit hatten, um das Schloß zu durchsuchen.

Die Vertrauensschüler boten sofort ihre Unterstützung an, und die meisten anderen Schüler halfen ebenfalls.

Draco war überrascht zu sehen wie viele Gryffindors freiwillig ihre Hilfe anboten. Er selbst und seine Gruppe halfen, abgesehen von Blaise ebenfalls, und bald hatten sie das ganze Schloß von den Turmdächern bis hinunter in die tiefsten Kerker durchsucht.

Mr. Filch, Harry Potter und die Weasleyzwillinge versicherten Dumbledore, daß sie auch jeden Geheimgang durchsucht hatten, aber Severus war noch immer nicht gefunden worden. Dann suchten sie weiter auf dem Außengelände, und Hagrid wurde nach Hogsmeade geschickt, um die Dorfbewohner davon zu informieren, daß ein Schüler aus Hogwarts verschwunden war, und um ihnen Severus’ Beschreibung zu geben.

Noch immer war Severus nicht zu finden. Sie hatten das ganze Gelände durchsucht und waren mit leeren Händen zurückgekommen, und als die Sonne anfing unterzugehen, kehrte Hagrid zurück und berichtete, daß er persönlich mit jedem einzelnen Einwohner von Hogsmeade gesprochen hatte, und daß niemand irgendwo einen einzelnen Jungen gesehen hatte. Dumbledore schickte die Kinder schließlich wieder in die Schule zurück zum Abendessen, während er belegte Brote für die Lehrer herbeizauberte und sie anführte, während sie den Verbotenen Wald durchsuchten.

Draco starrte unglücklich auf den Teller mit seinem Abendessen. Er war sich sicher gewesen, daß sie Severus irgendwo im Schloß finden würden. Warum sollte er weglaufen? Er hatte keinen Ort an den er gehen konnte. Hogwarts war das einzige Heim das er hatte. Severus sollte jetzt hier sitzen und uns alle nerven, dachte er während er lustlos eine Kartoffel herumschob. Greenie würde sie lieben. Wenn Severus hier wäre, würde der Igel jetzt auf seinem Teller sitzen und schnuppern und schmatzen und die Kartoffeln genießen. Hatte jemand überhaupt daran gedacht, Greenie zu füttern? Nein, er dachte nicht. Das arme Tier hatte den ganzen Tag nichts zu essen gehabt. Draco rollte schnell einige seiner Kartoffeln in eine Serviette, sprang auf und ging zur Tür. “Hey Draco, wo gehst du hin?“, rief ihm Gregory nach, aber Draco reagierte nicht.

Vincent und Blaise sahen von ihren Tellern auf, als sie Gregorys Ruf hörten, und sahen, wie Draco ohne einen Blick zurück die Große Halle verließ.

„Gehst du ihm nicht nach?”, fragte Vincent Blaise überrascht, als er sich ohne Kommentar wieder seinem Essen zuwandte.,

„Nein.“

“Warum nicht?”, fragte Gregory. "Das machst du doch sonst." “Weil Draco beschlossen hat, daß er nicht mehr mein Freund sein will. Er hängt lieber mit Severus rum", knurrte Blaise. “Weil er sauer auf dich ist weil du seine Hausaufgaben gestohlen hast“, übersetzte Vincent. "Er hasst Severus ebenso wie wir alle.”

“Wenn du dir da so sicher bist, warum gehst du ihm dann nicht nach?”, schlug Blaise mit einem fiesen Grinsen vor.

Vincent sah auf seinen halbvollen Teller hinunter, zu Tür hinüber und dann wieder zurück auf seinen Teller. „Weil ich zu viel Hunger habe“, beschloß er, bevor er sich wieder seinem Essen widmete.

„Was ist mit dir, Gregory?", grinste Blaise “Willst du unserem kleinen Verräter nach? Willst du sehen was er anstellt?“

"Mmhmmph?", antwortete Gregory durch seinen vollen Mund, während er sich immer noch Essen hinein stopfte.

„Ich schätze, das heißt nein“, nahm Blaise glücklich über seinen kleinen Sieg an. Draco hatte sie vielleicht für den Augenblick von seiner Loyalität überzeugt, aber sie würden ihn doch aus reiner Faulheit verlassen, und wenn er seine Karten geschickt ausspielte, wäre er doch noch in der Lage, sie gegen ihn zu wenden.

Draco kam etwas außer Atem im Badezimmer an. Er war den ganzen Weg von der Großen Halle in den Gemeinschaftsraum der Slytherins gerannt so schnell er konnte, als könnte er die beiden vergessenen Mahlzeiten des Igels wieder gutmachen, indem er das Abendessen besonders schnell ablieferte. Er ließ sich neben dem Käfig auf die Knie fallen und breitete die Serviette vor Greenie aus.

„Hier, mein kleiner Freund, ich habe dir was zu essen gebracht“, erklärte er unnötigerweise, da Greenie schon damit beschäftigt war, reinzuhauen. „Tut mir so leid, daß ich bisher vergessen habe dich zu füttern.“

Draco setzte sich hin und versuchte wieder zu Atem zu kommen und sah zu wie der Igel fraß. Er sollte in die Große Halle zurückkehren und sein eigenes Abendessen aufessen, aber irgendwie war er nicht mehr hungrig, da er nicht wusste wo Severus war und was ihm vielleicht zugestoßen war. Und vielleicht war Greenie auch einsam?

Er beschloß noch etwas zu bleiben und dem Igel Gesellschaft zu leisten. Wenn er das Abendessen verpasste, konnte er nachher noch immer den Rest seiner Süßigkeiten essen. Greenie knurrte und schnupperte vor Freude während er aß. Draco lächelte. Was für ein lauter kleiner Kerl.

Aber Augenblick mal! War das letzte Schniefen nicht von irgendwo hinter ihm gekommen? Nein, er musste sich irren. Greenie saß schließlich vor ihm.

Aber dann kam es wieder. Ein schniefendes Geräusch irgendwo hinter ihm.

Draco drehte sich um und sah nichts als die Duschkabinen.

Dann hörte er das Geräusch wieder, es klang nicht einmal wie Greenies neugieriges, leises Schniefen. Es klang mehr nach einem Schluchzen.

Draco stand langsam auf. Dieses Mal war er sicher. Das Geräusch war aus der letzten Kabine gekommen. Der die nicht mehr benutzt wurde, weil schon länger kein Wasser mehr herauskam, als Draco in Hogwarts war. Warum war der Vorhang nun zugezogen? Er wurde sonst offen gelassen und ignoriert.

"Severus?", fragte Draco leise.

Er bekam keine Antwort. Draco zog vorsichtig den Vorhang ein Stück zurück und blickte hinein.

"Hey, Severus. Bist du in Ordnung?”

Severus antwortete noch immer nicht, aber das war nicht wirklich nötig, da er offensichtlich nicht in Ordnung war. Er hatte sich in der hinteren Ecke der Kabine zusammengerollt und weinte.

Draco stand einen Augenblick lang da und wusste nicht was er tun sollte. Er hatte noch nie versucht jemanden zu trösten. Vielleicht sollte er schnell einen Lehrer holen? Aber sie waren alle im Verbotenen Wald. Nun, abgesehen von Hagrid, der zu müde von seinem Ausflug nach Hogsmeade gewesen war und der ins Schloß zurückgekehrt war um auf die Kinder aufzupassen. Aber konnte er erwarten, daß Hagrid mit dieser Sache klar kam? Niemals.

Er konnte natürlich gehen und den Schulsprecher holen, aber der Schulsprecher war ein Gryffindor. Er konnte keinen Gryffindor in den Gemeinschaftsraum von Slytherin lassen, und wenn er jemanden holen ging, würde er Severus alleine lassen müssen. Das schien ihm im Augenblick irgendwie keine gute Idee zu sein.

Er versuchte sich daran zu erinnern was seine Eltern getan hatten wenn er weinte. Das war nicht leicht, weil er nicht mehr vor jemandem geweint hatte seit er sehr klein gewesen war, und selbst da hatte er es nicht oft getan. Was hatte also sein Vater getan. ... oh richtig, er hatte ihn geschlagen... das schien ihm aber auch keine gute Idee zu sein. Dann fiel ihm ein wie ihn seine Mutter einmal weinend in seinem Zimmer gefunden hatte, nachdem sein Vater ihn geschlagen hatte. Er musste damals sehr, sehr klein gewesen sein, da er sich kaum daran erinnern konnte, aber seine Mutter hatte ihn umarmt und ihm gesagt, daß alles gut werden würde und er hatte seinen Teddy fest in den Arm genommen. Das hatte sich gut angefühlt. Aber Severus schien etwas zu alt zu sein um umarmt zu werden, und er hatte nicht einmal einen Teddy. Das erinnerte Draco an die Nacht nach ihrem Kampf, in der er seinen Teddy und Severus Greenie mit ins Bett genommen hatte. Das war es! Severus würde es besser gehen, wenn er Greenie im Arm hielt. Draco drehte sich schnell um und nahm Greenie aus seinem Käfig. Der Igel protestierte leise. Er war noch nicht mit den Kartoffeln fertig. Aber Draco ignorierte ihn. Er rutschte in die Dusche, kniete sich vor Severus und drückte ihm vorsichtig den Igel in die Arme.

Severus sah mit tränenüberströmtem Gesicht zu ihm auf und schniefte. Greenie schniefte ebenfalls.

Draco zog sein Taschentuch aus der Tasche und gab es Severus, dann lehnte er sich gegen die Wand zurück und wartete.

Severus schnäuzte sich einige Male, dann sah er wieder auf.

"Draco?" ”Hier, Sir”, grinste Draco

Severus lächelte leicht durch seine Tränen. ”Was machst du hier?”

“Hey, das ist unser Badezimmer, ich darf hier sein, weißt du.”

Dieses mal war sein Lächeln etwas breiter, und es dauerte einen Augenblick länger. Draco lächelte zurück.

„Hast du mich gesucht?“, fragte Severus ungläubig.

“Nun, im Augenblick habe ich eigentlich Greenie gefüttert. Aber davor habe ich dich gesucht. Zusammen mit der halben Schule.” Draco legte den Kopf zur Seite und sah Severus bewundernd an. „WO hast du dich nur die ganze Zeit über versteckt?“

“Ich war hier. Was meinst du, die ganze Zeit über? Wie spät ist es?“ ”Du warst die ganze Zeit seit du mit Dumbledore geredet hast hier in der Dusche?” ”Ja. Ich wollte eine Weile allein sein und hier kommt nie jemand her. Was ist daran falsch?“ “Nichts. Wir dachten nur, wir hätten überall gesucht. Und um deine vorherige Frage zu beantworten: Es ist Zeit zum Abendessen. Willst du was essen?“ Severus schüttelte den Kopf. ”Ich hatte keine Ahnung, daß ich so lange hier drin war. Ich schätze ein paar Leute machen sich etwas Sorgen, richtig?“ “Etwas? Versuch es mit krank vor Angst. Sie sind alle im Verbotenen Wald weil sie denken, du wärst weggelaufen und wurdest von Werwölfen gefressen.“ “Wir haben heute keinen Vollmond“, bemerkte Severus, während er sich mit einem Ärmel die Tränen trocknete. ”Nun, dann hat dich eben was anderes gefressen”, grinste Draco. Severus lächelte zurück. Er weinte nicht mehr. Irgendwie fühlte sich Draco dadurch gut, als hätte er etwas besonderes geschafft. Selbst Harry Potter eine Strafarbeit zu verschaffen fühlte sich nicht so gut an.

„Ich denke trotzdem, daß wir da rauf gehen und was essen sollte, und vielleicht sollten wir ihnen sagen, daß sie mit dem Suchen aufhören können”, schlug er vor.

Severus nickte leicht, aber er stand nicht auf.

"Draco?" ”Ja?”

“Sie können mich nicht zurückverwandeln.”

„Was? Aber der Trank... es war nur ein dummer Unfall. Wie kann etwas das Neville zusammengebraut hat so schwer zu reparieren sein?“ Einen Augenblick lang sah es aus als würde Severus wieder weinen.

“Es ist nicht schwer ein paar Zutaten zusammen zu werfen und eine Reaktion zu bekommen. Das genau vorhergesagte Ergebnis zu erzielen ist das Problem. Und mich in einen Erwachsenen zurück zu verwandeln ist ein Ergebnis, das sie nicht erreichen können.“ ”Nun, das ist toll!”, rief Draco plötzlich, womit er sogar sich selbst überraschte. ”Ist es?”, fragte Severus so verwirrt, daß er sogar vergaß, wieder zu weinen. “Ja, ist es! Jetzt können wir zusammen groß werden. Wir werden diese Schule beherrschen, schlimmer sein als die Weasleyzwillinge. Wir werden alle Lehrer in den Wahnsinn treiben. Und wir können zusammen Bilder malen. Ich kann dir zeigen wie man Drachen malt. Ich bin wirklich gut im Drachenmalen. Und manchmal schreibe ich auch Lieder. Wir könnten alles mögliche machen, viel Spaß haben.”

Severus stand völlig überrascht auf. “Das willst du?” ”Na, natürlich will ich das.” ”Ich dachte, du magst mich nicht? Daß du mich so schnell wie möglich los werden wolltest?“

„Du verwechselst mich mit Blaise. Ich habe nur etwas mitgespielt, weil ich meine Freunde nicht verlieren wollte.“

„Aber verlierst du sie nicht jetzt auch?“, fragte Severus, als er Draco aus der Duschkabine folgte.

„Mach dir darum keine Sorgen. Sie sind nicht mal richtige Freunde. Wir haben nie wirklich zusammengepasst. Vielleicht könntest du mein richtiger Freund sein.“

“Das denkst du?”

“Vielleicht. Ein Versuch kann nicht schaden“, grinste Draco.

Severus grinste ebenfalls. "Okay, in dem Fall denke ich, ich will jetzt was essen. Schauen wir, ob da oben noch was zu Essen übrig ist. Gehen wir!”

“Äh ... Severus." "Was ist? Gehen wir.”

"Vielleicht solltest du dir erst das Gesicht waschen“, schlug Draco mit einem breiten Grinsen vor. „Du willst nicht wirklich, daß alle wissen, daß du den ganzen Tag geweint hast. " “Wer? Ich? Ich weine nie”, grinste Severus zurück, aber er ging zurück um sich die Tränenflecken vom Gesicht zu waschen.

Kapitel 10

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