My Name is Severus

 

 

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Kapitel 4: Dumbledore unterrichtet Zaubertränke


Direktor Dumbledore war etwas beunruhigt was diese Stunde anging. Der Montag war nicht besonders gut verlaufen. Er hatte Probleme damit gehabt, die richtigen Zutaten zu finden (Warum nur, warum ordnete Snape sie nicht nach dem Alphabet?) und seine Zaubertränke wirkten nicht alle so, wie er es vorgehabt hatte. Er wusste genug über Zaubertränke, um sie unterrichten zu dürfen, aber sie waren nicht sein Spezialgebiet. Er verstand die Theorie, die hinter den Zaubertränken stand, die er unterrichtete, nicht so wie Snape das tat und oft fand er sich in der Situation, die Fragen der Schüler nicht beantworten zu können. 

Und nun musste er Severus unterrichten, der praktisch alles wusste, was es über sie zu wissen gab. Er konnte es sich einfach nicht leisten, dass irgendetwas während dieser Stunde schief ging. Dumbledore hatte die halbe Nacht damit verbracht, sie vorzubereiten. Er hatte alles genau geplant. Wo waren also die Zutaten, die er für seine Demonstration brauchte?

Er ging in Snapes Büro, um sie zu suchen. Es war immer noch genügend Zeit, um alles vorzubereiten für...

Plötzlich drang ein klapperndes Geräusch aus dem Korridor herein, dann ein zorniger Schrei, gefolgt von einem lauten Kreischen.

Albus Dumbledore stürmte aus Snapes Büro, schloss das Klassenzimmer so schnell er konnte auf und betrat den Korridor. 

Lavender Brown und Pansy Parkinson wälzten sich auf dem Boden inmitten von verstreuten Federkielen, Büchern und Pergamenten und versuchten sich gegenseitig die Haare auszureißen, während die anderen Gryffindor- und Slytherin-Mädchen sich gegenseitig mit Zaubertrankzutaten bewarfen. Die Jungs hatten einen Kreis um sie gebildet und feuerten ihr jeweiliges Haus an. 

"Was geht hier draußen vor!", brüllte der Direktor mit seiner einschüchterndsten Stimme.

Einige der Jungs sahen ihn unsicher an und die Beifallsrufe erstarben langsam. Aber die meisten der Mädchen fuhren unbeeindruckt fort.

Dumbledore musste sich selbst eingestehen, dass er nicht besonders gut darin war, streng zu sein. Er hatte offensichtlich nicht den Respekt, den Snape genossen hatte, als er sie unterrichtete, der sie davon abhielt, außer Kontrolle zu geraten. 
Es bedurfte einiger kleinerer Zauber und 50 Punkte Abzug von beiden Häusern, um die Ordnung wieder herzustellen. 

Er schickte die Schüler in die Klasse und wies ihnen Sitzplätze zu, als sie eintraten, mit der Absicht, diejenigen, die am ehesten Probleme machten, neben die zu setzen, die am friedfertigsten waren. Das war ein schwieriges Unterfangen, besonders, wo es die Slytherins betraf. Er wusste nicht, welche verträglich waren und welche sich gegenseitig anstachelten, seine Gryffindors anzugreifen. Dann erinnerte er sich, dass er gegenwärtig eigentlich Vorstand von Slytherin sein sollte. Und er verstand noch nicht einmal die inneren Beziehungen seines neuen Hauses.

Als die ganze Klasse endlich saß, wandte er seine Aufmerksamkeit wieder Pansy und Lavender zu. Lavender war angewiesen worden, neben ihrer besten Freundin Parvati am einen Ende der Klasse zu sitzen, während er Pansy neben Draco an das andere Ende gesetzt hatte. 

Letztere Paarung schien keine so gute Idee gewesen zu sein, angesichts dessen, dass Draco ziemlich verärgert aussah. ‚Seltsam', dachte Albus bei sich, ‚ich dachte, er mag sie.' Er hatte gehofft, dass ihr Interesse für einander sie davon abhalten würde, weitere Probleme zu verursachen, aber nun sah es so aus, als hätte er ihr Verhältnis fehlinterpretiert. Er musste nächstes mal bessere Arrangements treffen. Konnte er Severus fragen, wie er die Slytherins am besten kombinierte? Wo war Severus eigentlich? Es war mittlerweile 2 Minuten nach Neun.

"Miss Brown und Miss Parkinson, könnten Sie mir bitte erklären, was das sollte?", fragte er so streng er konnte.
"Das Boxer-Gesicht hat meine Tasche ausgeleert!", kreischte Lavender.
"Ich bin zufällig drübergefallen!", behauptete Pansy und schüttelte ihre Faust Richtung Lavender.

Dumbledore seufzte und trat schnell zwischen die beiden, trotz der Tatsache, dass sie durch das gesamte Klassenzimmer voneinander getrennt wurden. Wie schaffte Snape es, diese Dinge unter Kontrolle zu behalten?

"Nun, in diesem Fall, Miss Parkinson, würde ich vorschlagen, dass Sie da rausgehen, die Sachen für Miss Brown aufheben und so Ihren guten Willen beweisen", befahl er.

Pansy funkelte ihn an und murmelte leise etwas vor sich hin, ging jedoch hinaus und holte die Sachen.

In dem Moment, als sie die Tür hinter sich geschlossen hatte, ging diese wieder auf und Harry Potter stürmte herein. 
"Entschuldigung!", keuchte er. "Ich hatte mein Buch im Turm vergessen und musste noch einmal zurück, um es zu holen."

Dumbledore unterdrückte nur mühsam ein Stöhnen. Er hatte die ganze Klasse in Paare aufgeteilt, ohne an mögliche Zuspätkommende zu denken. Nun würde Harry mit Severus arbeiten müssen und er würde beide wegen Zuspätkommens bestrafen müssen. (Er hätte Harry verschont, aber dann er hätte er auch mit Severus großzügig verfahren müssen und das hätte ihn nur noch ermutigt, sich noch schlimmer aufzuführen.)

"Das bedeutet zwei Punkte Abzug für Gryffindor, Mr. Potter", verkündete er. "Bitte setzen Sie sich hier herüber." Er zeigte auf einen leeren Arbeitstisch genau hinter Ron und Hermine. Dort würde Harry zumindest die Hilfe seiner Freunde haben, wenn Severus ihm irgendwelche Schwierigkeiten bereitete. Severus würde immerhin von lauter Gryffindors umgeben sein, da Neville und Dean zu ihrer Rechten saßen. Nun, ihn von den anderen Slytherins fernzuhalten, konnte gar keine schlechte Idee sein, wenn man ihre Prügelei am Tag zuvor bedachte.

Albus wies die Schüler an, Seite 362 in ihren Büchern zu lesen, wo der Zaubertrank beschrieben stand, den sie heute brauen würden. Er entschied, einen anderen leichteren Heiltrank als jenen zu machen, der die Katastrophe letzte Woche verursacht hatte. Er hatte zwei sehr gute Gründe dafür: Der erste, den er der Klasse mitteilte, war, dass er fürchtete, dass Neville wieder mit einem Jugendtrank enden und sich damit selbst oder einen seiner Klassenkameraden in ein Baby verwandeln würde. Der zweite, den er wohlweislich für sich behielt, war, dass er seinen Fähigkeiten nicht weit genug traute, eine schwierigere Version zu lehren.

Als endlich jeder sein Buch aufgeschlagen und eifrig zu lesen begonnen hatte, kehrte er in das Büro zurück, um endlich jene Zutaten zu besorgen, die er brauchte.

Die meisten von ihnen fand er rasch genug, als er jedoch das letzte Regal erreichte, hörte er wieder Rufe und Schreie.

Schnell schnappte er sich die Zutaten - in seiner Eile auch einige, die er gar nicht benötigte - und stürmte zurück in das Klassenzimmer, wo die Slytherins und die Gryffindors sich gegenseitig ihre Zutaten an die Köpfe warfen und Beleidigungen ausstießen.

Es hatte den Anschein, als sei Pansy mit Lavenders Sachen zurückgekehrt und hatte ihre Rivalität erneut angefacht.

Dumbledore warf alles auf seinen Tisch und begann die Schüler zu trennen und sie zurück auf ihre Plätze zu dirigieren. Unglücklicherweise sprangen die meisten von ihnen wieder auf und stürzten sich wieder in den Kampf, sobald er ihnen den Rücken zukehrte.

Was sollte er tun? Die Situation war völlig außer Kontrolle. Warum hatte er es jemals gestattet, dass Gryffindors und Slytherins gemeinsam Unterricht hatten? Er wusste, dass sie nicht miteinander auskamen. Das war unmöglich. Diese Kombination konnte nicht unterrichtet werden.

Plötzlich öffnete sich die Türe hinter ihm und Schweigen senkte sich über dem Raum. Innerhalb eines Herzschlages, schien es, saßen alle Schüler ruhig an ihren Arbeitstischen. Dumbledore stand alleine in der Mitte des Klassenzimmers, umgeben von einem Durcheinander aus verschütteten Zaubertrank-Ingredienzien. 
Langsam drehte er sich um, um zu sehen, welches Wunder die Ordnung in der Klasse wiederhergestellt hatte. 

"Hast du Probleme damit, meine Klasse zu unterrichten?" fragte Severus lässig, als er in Raum schlenderte, einen großen Käfig bei sich tragend, wie man ihn für Hasen verwendete. Darin saß der kleine grüne Igel. 

Für einen Moment lang starrte Dumbledore ihn nur an. Dann erinnerte er sich daran, dass er ihn ja bestrafen musste.
"Warum kommst du zu spät?" fragte er streng. 

"Ich musste zu Mr. Filch wegen eines Käfigs für meinen Igel", antwortete Severus ruhig. "Habe ich irgendetwas Wichtiges verpasst oder nur eine gute Prügelei?"

"Fünf Punkte Abzug für Slytherin wegen Zuspätkommens, Severus", verkündete Dumbledore. "Und es ist mir gleich, ob du etwas Wichtiges verpasst hast oder nicht. Du hättest um neun Uhr hier sein sollen. Jetzt setz dich! Du wirst mit Mr. Potter arbeiten."

Severus funkelte den Platz an, auf den Dumbledore zeigte und dann schenkte er ihm einen seiner niedlichen kleinen Schmollmünder. 

"Du kannst mich nicht zwingen, mich zu den Gryffindors zu setzen, Albus!", beklagte er sich.

Albus Dumbledore fühlte, wie sein Herz schmolz. Oh, Severus war so ein süßes Kind! Und konnte er von seinem Freund verlangen, mit jenem Knaben zusammenzuarbeiten, den er am meisten hasste. ‚Einen Moment! Die kleine Ratte macht es schon wieder! Er versucht, mich auszutricksen, indem er den Unschuldigen spielt, damit ich ihn nicht bestrafe. Na warte, dir wird ich's zeigen!'

"Doch das kann ich!" sagte Dumbledore entschlossen und ohne jede Spur seines üblichen Humors. "Jetzt setz dich hin und nenn mich nicht Albus während des Unterrichts!"

"Ja, ...Albus", grinste Severus, als er hinüber zu seinem Platz stapfte.

Harry empfing ihn mit einem misstrauischen Blick und rückte seinen Stuhl soweit wie es ging von ihm weg, so dass er aber immer noch am Tisch saß.

"Ich sagte, nenn mich nicht Albus!", wiederholte Dumbledore zunehmend wütend.

"Dann nenn mich nicht wieder Severus", antwortete Severus ruhig, als er den Käfig neben dem Tisch absetzte, öffnete, den Igel herausnahm und ihn sanft auf dem Tisch absetzte, wo er sofort neugierig herumzuschnüffeln begann. 

"Und es gibt nochmals 20 Punkte Abzug für Slytherin, dafür, dass ihr einen Kampf in meinem Unterricht angefangen habt", erklärte Dumbledore, der sich dafür entschieden hatte, Severus´ Kommentar zu ignorieren. 

"Aber das ist nicht fair!" schrie Draco auf. "Die Gryffindors haben sich auch geprügelt."

"Ich kann ihnen keine Vorwürfe dafür machen, dass sie sich verteidigt haben", erklärte Dumbledore.

"Woher können Sie wissen, wer angefangen hat? Sie waren noch nicht einmal im Raum", argumentierte Draco. 

"Nein, ich habe es nicht gesehen, aber ich weiß, wie ihr Slytherins seid. Jetzt gehen Sie zurück an die Arbeit, bevor ich Ihnen noch mehr Punkte abziehe", befahl Dumbledore.

"Sie sollen unser Hausvorstand sein", beklagte sich Draco leise, als er seinen Kopf gehorsam über sein Buch beugte. "Sie sollten auf unserer Seite sein."

Dumbledore tat so, als hätte er das überhört. Aber im Geheimen stimmte er ihm zu. Er machte seine Aufgabe als Hausvorstand von Slytherin nicht besonders gut. Er konnte sich einfach nicht überwinden, dieses Haus zu mögen. Er spürte Severus´ zornige Blicke in seinem Rücken als er wieder nach vorne ging, um mit seiner Demonstration zu beginnen, aber er drehte sich nicht um. Gerade jetzt wollte er Severus nicht in die Augen sehen. 
Statt dessen begann er mit seiner Demonstration, ohne zunächst die Zutaten in die richtige Reihenfolge zu bringen. ‚Ich müsste sowieso alles hier auf dem Tisch haben. Ich werde alles finden. Kein Problem', dachte er. 
Er zündete das Feuer an, goss Wasser in den Kessel und suchte gerade nach den Froschzähnen, als Severus aufsprang, zum Lehrertisch ging und in den Kessel spähte.

"Du musst mehr Wasser reingeben, Albus! Sonst wird es nicht funktionieren!"

"Das reicht!" schrie Dumbledore. "Ich habe mein letztes Bisschen Geduld mit dieser Klasse verloren! Die nächste Person, die spricht, ohne die Hand gehoben zu haben, verliert 10 Punkte ihres Hauses. Severus, geh sofort zurück an deinen Platz! Ich meine es so! Ich bin derjenige, der diese Klasse unterrichtet und ich weiß genau, was ich tue! - Oh, und noch etwas: NENN MICH NICHT ALBUS!"

Severus schenkte ihm einen fragenden Blick und beschloss, dass es vielleicht besser war, zu folgen angesichts der Tatsache, dass er Albus Dumbledore noch nie in seinem Leben so wütend gesehen hatte (und er kannte ihn immerhin schon eine ganze Weile). Er warf einen letzten zweifelnden Blick auf den Kessel, zuckte mit den Achseln und kehrte an seinen Platz zurück.

Für eine Weile wagte es die Klasse kaum zu atmen. Dann hob Hermine zaghaft ihre Hand. Dumbledore, der endlich die Froschzähne gefunden hatte und sie in das kochende Wasser warf, erwiderte es mit einem Nicken.

"Ähm, Professor", begann Hermine vorsichtig. "Glauben Sie nicht, Sie sollten wirklich etwas mehr Wasser hinzufügen? Nach dem, was hier im Buch steht..."

"Nein, das glaube ich nicht!" unterbrach Dumbledore sie brüsk. "Ich weiß genau, was ich tue!"

Hermine verstummte schnell und setzte sich hin, den Kopf vor Verwirrung schüttelnd. Was stimmte nicht mit Dumbledore?

"Na klar weißt du das!", murmelte Severus, unglücklicherweise laut genug, dass Dumbledore ihn hören konnte. 

"Nochmals 10 Punkte Abzug für Slytherin!", war die prompte Reaktion.

Severus seufzte nur und vergrub sein Gesicht in den Armen. Draco verdrehte die Augen zu ihm, aber natürlich konnte Severus ihn nicht sehen. 

Niemand sagte ein Wort, als Dumbledore mit seiner Demonstration fortfuhr, aber auch niemand machte sich Notizen. Stattdessen warfen sie Severus alle paar Minuten hastige Blicke zu, als ob sie versuchten, ihm vom Gesicht abzulesen, ob Dumbledore etwas richtig machte oder nicht. Severus jedoch saß mit zu Stein erstarrten Gesicht da und starrte auf einen Punkt genau über Dumbledores Kopf.

‚Vielleicht wartet er auf den großen Knall?', dachte Draco beunruhigt. ‚Oder vielleicht nur auf die Glocke?'

In diesem Moment bemerkte Dumbledore, dass er doch nicht alles hatte, was er brauchte. Er sah von den Zaubertrankzutaten auf seinem Tisch auf und schenkte der Klasse einen abschätzenden Blick. Niemand bewegte sich auch nur.
"Es scheint, als hätte ich vergessen, die Fledermausaugen vorzubereiten", sagte er zu ihnen. "Wagt es ja nicht, auch nur ein Geräusch zu machen, während ich gehe und sie hole!"
Er drehte sich um und ging ins Büro.

"Was ist los mit ihm?", fragte Ron in den ruhigen Raum, sobald er verschwunden war.

"Oh, er ist nur ein bisschen überarbeitet", erklärte Severus ruhig. "Nichts, worüber man sich Sorgen machen müsste."

"Nichts, worüber man sich Sorgen machen müsste?" fragte Hermine. "Ist es nicht ziemlich gefährlich, Zaubertränke zu mischen, wenn man nicht dem Rezept folgt? Vielleicht sollten wir etwas Wasser dazutun, wenn er gerade nicht hinsieht?"

"Könnte er mit diesem hier die Schule in die Luft jagen, Severus?", fragte Draco und behielt den blubbernden und rauchenden Kessel im Auge.

"Nein, er wird nur den Zaubertrank anbrennen, wenn er nicht bald zurückkommt. Jemand in der ersten Reihe sollte trotzdem lieber das Feuer ausmachen, wenn sich der Rauch schwarz färbt und es anfängt, verbrannt zu riechen", empfahl Severus.

"Okay, ich werde das machen", versprach Vincent, der Dumbledores Tisch am nächsten saß.

Man konnte das Geräusch von zerbrechendem Glas aus dem Büro und dann Dumbledore leise fluchen hören.

"V..vielleicht sollten wir ihm ein paar Fledermausaugen aus dem Schülervorrat geben, bevor er sich verletzt", schlug Neville schüchtern vor.

"Albus, die Fledermausaugen befinden sich rechts neben der Türe!" rief Severus, besorgt um die Sicherheit seiner wertvollen Ingredienzien. "Drittes Regal von unten, zweites Glas von links!"

"Ich hab sie! - Und nenn mich nicht Albus!"

Jeder seufzte vor Erleichterung, als Dumbledore mit einem kleinen Gefäß in den Händen in die Klasse zurückkehrte.
Er versuchte, es zu öffnen, aber der Deckel bewegte sich nicht. Er versuchte, noch fester zu ziehen, wischte seine Hände am Umhang ab und versuchte es wieder. Nichts. Dumbledore zog seinen Zauberstab heraus und tippte damit gegen das Glas. Nichts. 

"Du musst ihn gleichzeitig niederdrücken und drehen", merkte Severus gelassen an. "Dieser spreizt sich ein bisschen, seit ich den ursprünglichen Deckel verloren habe und ihn mit dem eines zerbrochenen Glases ersetzen musste."

Dumbledore funkelte ihn wütend an und probierte es noch einmal. Immer noch nichts. Er griff noch einmal zu seinem Zauberstab. 

Severus seufzte und stand auf.

"Du kannst diesen nicht mit Zauberei öffnen. Hier, lass mich es machen", sagte er und zog Dumbledore das Glas aus den Händen, wobei er den zornigen Blick des Direktors ignorierte. "Hier hast du, Albus!"

"Geh. Zurück. Auf. Deinen. Platz. Und. Nenn. Mich. Nicht. Albus", knurrte Dumbledore, als er das Glas nahm und die Fledermausaugen seinem Zaubertrank beifügte. "Und nochmals 10 Punkte Abzug für Slytherin für wiederholten Ungehorsam."

"Hey, ich versuche bloß, dir zu helfen!", schrie Severus.

"Tja, lass es! Ich wäre längst fertig mit dieser Demonstration, wenn du mich nicht ständig unterbrochen hättest. Also setz dich nieder und versuche nicht irgendetwas Produktives zu tun!", befahl Dumbledore.

"Ja, Sir!", sagte Severus sarkastisch und ein kleines Grinsen erschien auf seinem Gesicht, als er zu seinem Platz zurückging. ‚Und tu nichts Produktives, hä?' Nun, er konnte in der Tat sehr unproduktiv sein. Also, wo hatte er diese Feuerkracher hingetan, die er Gregory geklaut hatte?

Dumbledore fuhr in angenehmer Stille mit seiner Demonstration fort. (Na ja, für ihn war sie angenehm. Alle anderen standen unter Spannung.)

Der Zaubertrank verwandelte sich in schwarzes, dickes und zähes klebriges Zeug. Er war so dick, dass Dumbledore nicht einmal mehr umrühren konnte. Statt dessen begann sich der Kessel jedes mal zu drehen, wenn er es versuchte.

"Werden Sie jetzt etwas Wasser dazutun?", fragte Draco und versuchte ein möglichst neutrales Gesicht zu machen. 

"Also gut, also gut! Vielleicht hätte ich ein bisschen mehr Wasser verwenden sollen", gab Dumbledore zu.

"Ja, vielleicht", murmelte Severus. "Vielleicht hättest du auch von Anfang an auf den Experten hören sollen."

Falls Dumbledore ihn gehört hatte, so reagierte er nicht. Er goss Wasser in seinen Zaubertrank, bis seine Konsistenz normal wurde und sagte dann den Schülern, dass sie versuchen sollten, selbst den Zaubertrank zu machen.

In Erinnerung daran, welche Probleme Dumbledore mit den Fledermausaugen gehabt hatte, beschloss Harry, wie die meisten seiner Klassenkameraden, zuerst eine Liste der benötigten Zutaten zu schreiben. Severus bewies, dass er ein wirklicher Gewinn war, da er nicht einmal einen Blick in irgendein Buch oder Notizen werfen musste, um die Zutaten aufzulisten. ‚Vielleicht sollte ich einfach ihn schicken, um das Zeug zu holen, dann würden wir keine Liste brauchen', dachte Harry. ‚Wenn ich ihn dazu überreden könnte natürlich.'

Überraschenderweise musste Severus gar nicht dazu überredet werden, ihm zu folgen, als sie hinüber zum Schrank mit den Schülervorräten gingen, um die Zutaten zu besorgen. Sie mussten allerdings am Lehrertisch warten, da alle anderen auch gerade auf dem selben Weg wie sie waren und es keinen Platz gab, weiterzugehen. 

Severus nahm eines der Gläser vom Tisch und betrachtete es neugierig.

"Was ist das?", fragte Harry mit mäßigem Interesse. Er konnte sich nicht erinnern, es schon einmal gesehen zu haben. 

"Immerglüh", sagte Severus. "Es ist ein Art Zauberfarbe, die in Neonfarben glüht und so gut wie nicht entfernt werden kann."

"Was macht das hier? Es gehört nicht in unseren Trank, oder doch?", fragte Harry verwirrt.

"Nein, gehört es nicht. Albus hat einige Ingredienzien hier, die er definitiv nicht braucht." Severus zuckte mit den Achseln und spielte mit dem Deckel des Glases. "Ich frage mich, warum er sie mitgebracht hat."

(Tatsächlich handelte es sich um das Zeug, das Dumbledore zufällig mitgebracht hatte, als der Kampf in der Klasse ausgebrochen war, aber das konnte er natürlich nicht wissen, da er ja erst danach gekommen war.)

Als der Weg endlich wieder frei war, stellte Severus das Immerglüh zurück auf den Tisch und sie deckten ihren Bedarf. Harry bemerkte, daß Severus ein kleines Fläschchen in die Tasche steckte, das sie nicht brauchten, aber er beschloss nichts zu sagen. Severus wusste zweifellos wofür das Zeug gut war. Vielleicht arbeitete er an einem eigenen kleinen Projekt. ‚Wahrscheinlich versucht er, sich selbst zurückzuverwandeln. Ich glaube, das wäre das beste. Dumbledore zieht Gryffindor vielleicht nicht so viele Punkte ab, aber wenigstens würde Snape nicht die ganze Schule bei einem Unfall in die Luft jagen.'

Sie stellten ihre Zutaten in einer geraden Linie in genau jener Reihenfolge auf, in der sie sie verwenden würden. Auf keinen Fall würden sie so desorganisiert sein wie Dumbledore. Obwohl sich Harry erinnerte, dass Snape immer in einem desorganisierten Chaos aus Zutaten auf seinem Tisch arbeitete. Aber er musste nie so wie Dumbledore nach etwas suchen. 

Als er den Kessel aufsetzte und mit Wasser füllte, bemerkte Harry, dass Severus ein Stück Stoff über seinen Igel warf, seinen Zauberstab herauszog und damit sanft gegen die Wand tippte. 

WUMM! Ein Filibuster Feuerkracher ging im geschlossenen Glas Immerglüh hoch. Das Glas brach und eine neonrosa Flüssigkeit sprühte durch den ganzen Raum.

Harry sah in Verwunderung herum. Alles war mit rosa Punkten übersäht. Sie hatten sogar die Decke erreicht, wo sie fast wie eine rosa Sternenkarte auf der schwarzen Farbe aussahen. Rons rote Haare schlugen sich schrecklich mit den rosa Tupfen und eines der Slytherin-Mädchen versuchte verzweifelt, die Immerglüh-Tupfen mit einem Ärmel ihres schwarz-rosa Umhangs wegzurubbeln, bevor die Farbe trocknete.

Harry begriff, was für ein Glück er gehabt hatte, dass er gerade Severus angesehen hatte und daher weg von Lehrertisch, als das Glas explodierte. Wenn das Zeug seine Brille getroffen hätte, wäre sie ruiniert gewesen. 

"Mach dir keine Sorgen, in ein paar Tagen werden die Punkte auf deinen Händen und Haaren nachlassen", grinste Severus. 

"In ein paar TAGEN!" schrie Harry. "Wir müssen für ein paar Tage so herumlaufen?"

"Hey, ich ja auch! Was ist so schlimm dran?" antwortete Severus immer noch grinsend, als er den kleinen Igel abdeckte und sorgfältig nach irgendwelchen Schäden absuchte. 

Greenie blinzelte ein wenig angesichts der plötzlichen Rückkehr des Lichts, beschnüffelte Severus und begann einen der seltsamen rosa Punkte zu untersuchen, die plötzlich auf dem Tisch erschienen waren. Es schien ihm absolut blendend zu gehen und dank des schützenden Stoffs hatte sein Slytherin-grüner Körper nicht einen einzigen rosa Punkt abbekommen.

Dumbledore starrte die Überreste des Feuerkrachers an, die auf seinem Tisch zwischen den Scherben, welche die Explosion des Glases zurückgelassen hatte, lagen. Irgendwie kam ihm dieses Ding bekannt vor. Welcher Scherzbold hatte zuletzt einen Feuerkracher verwendet, um jedermann mit irgendeiner Flüssigkeit zu besprühen? 

"Nochmals 10 Punkte Abzug für Slytherin", verkündete er dünn. "Erhoffst du dir irgendeine Art von Belohnung, wenn du die -1000 schaffst, Severus?"

"Wer? Ich?" Severus sah völlig verwirrt und unschuldig drein. "Wieso?"

‚Oh nein, nicht schon wieder dieses Engelsgesicht! Ich kann ihm nicht widerstehen, wenn er mich so ansieht. Er ist einfach zu niedlich', dachte Dumbledore. "Geht einfach alle wieder an die Arbeit!", befahl er.

Langsam beruhigte sich die Klasse wieder und kehrte zum Brauen ihrer Tränke zurück. Severus ließ Harry die meiste Arbeit tun und meldete sich nur zu Wort, wenn er dabei war, einen Fehler zu machen. Harry fühlte sich etwas ausgenutzt, aber auf der anderen Seite konnte er sich sicher sein, dass dieser Trank absolut perfekt werden würde.

Während Harry seinen Zaubertrank umrührte, schlenderte Severus hinüber, wo Neville und Dean arbeiteten, zog das Glasfläschchen aus seiner Tasche und schüttete den Inhalt in Nevilles Kessel. Dann stürmte er zurück zu seinem Tisch und versteckte sich ohne Erklärung für Harry darunter.

Harry war immerhin clever genug, ihm sofort zu folgen.

Bevor der wütende Dean Severus in seinem Versteck erreichen konnte, erschütterte die zweite Explosion des Tages das Klassenzimmer und blutroter Rauch entwich Nevilles Kessel. Neville, der durch die Explosion mit seinem eigenen Zaubertrank bedeckt worden war, schrie vor Schreck und sein Körper begann, roten Rauch abzusondern.

In dem engen Platz unter dem Tisch grinste Severus Harry triumphierend an.

Dumbledore, der befürchtete, dass Neville ernsthafte Schmerzen litt, stürmte zu ihm hinüber, stellte jedoch fest, dass er keinerlei Schaden genommen hatte. Er hatte sich nicht einmal verbrannt, zumal der Trank überraschend kalt geworden war von dem, was auch immer es gewesen war, was Severus hineingetan hatte. Und Dumbledore hatte nicht die leiseste Idee, was einen einfachen Heiltrank dazu brachte, sich in roten Rauch aufzulösen. Aber das war genau das, was Nevilles und Deans Zaubertrank tat. Innerhalb von zwei Minuten war jede Spur beider, von Trank und Rauch, verschwunden, als hätten sie nie existiert. 

"Wieder 10 Punkte Abzug für Slytherin!", verkündete Dumbledore. ‚Fange ich an, mich zu wiederholen wie ein kaputte Muggel-Platte?' dachte er. Es schien, als habe der Punkteabzug von Slytherin jegliche Wirkung auf die Schüler verloren, aber wie sonst konnte er Severus bestrafen? Strafarbeit! Er musste damit anfangen, Strafarbeiten zu verteilen.

Als er durch die Klasse ging und die Fortschritte seiner Schüler überwachte, fragte sich Dumbledore, warum er sie einen Heiltrank brauen ließ, der Wunden schließen konnte, wenn alles, was er brauchte, etwas gegen Kopfschmerzen war. Er musste gleich nach der Stunde in den Krankenflügel hinaufgehen. Madame Pomfrey hatte sicher etwas, das seinem Kopf gut tat. Vielleicht sollte er sie auch gleich nach einen Trank fragen, der die Nerven beruhigte.

Der Lärm draußen hatte sich wieder beruhigt. Greenie steckte vorsichtig seine Nase hinaus. Er roch nichts Verdächtiges. Es entschied, es zu riskieren, sich so weit zu entrollen, dass er sein ganzes Gesicht herausstrecken konnten. Kein roter Rauch mehr. Er entrollte sich gänzlich und machte sich wieder auf.

Die rosaroten Punkte waren nach einiger Weile langweilig geworden. Sie rochen alle gleich und sahen alle gleich aus. Sie bewegten sich nicht und machten keinerlei Geräusch, noch hatten sie irgendeinen Geschmack.
Der Igel sah sich nach etwas um, das ebenfalls zur Unterhaltung taugte.
Da! Etwas roch gut. Er kannte diesen Geruch. Eine köstliche fette Schnecke. Eine seiner Lieblingsmahlzeiten.
Greenie folgte dem Geruch und fand bald die Schnecke. Mmmh! Mit einem glücklich schmatzenden Laut schnappte er sich den Schmaus und begann zu kauen.

"Ahh! Geh weg von meinen Zaubertrankzutaten, du kleines grünes Monster!" schrie Harry und stieß den Igel, der ihn dabei übel in die Hand stach, von den Schnecken weg. 

Er saugte an der Verletzung und funkelte hinunter zu dem eingerollten grünen Igel. Warum konnte Severus das blöde Ding nicht in einen Aschenbecher verwandeln. Okay, er konnte den Zauber nicht durchführen. Aber warum warf er das grässliche Vieh nicht einfach raus? ‚Es gehört in den Wald, wo die Werwölfe es fressen', dachte er.

Greenie, von der Behandlung nicht länger geschockt, entrollte sich und fand zu seiner Freude, dass zwar die Schnecke verschwunden war, er aber stattdessen vor einem Glas voller wohlschmeckender Käfer saß. Er verschwendete keine Zeit damit, der verlorenen Schnecke nachzuweinen und haute so richtig rein.

Harry sah den Igel noch mehr seiner Zaubertrankvorräte fressen und nahm seinen Zauberstab. Genug war genug. Er musste diese Angelegenheit selbst in die Hand nehmen und endlich das stachelige kleine Monster in einen netten harmlosen Aschenbecher verwandeln.

Harry zeigte mit dem Zauberstab auf den Igel und begann den Zauberspruch aufzusagen.

"Neeeeeiiiin!", schrie Severus und warf sich gleichzeitig auf Harry. Ein blauer Blitz traf den Tisch neben Greenie, der sich sofort vor Angst einrollte. Wo war der nette Mensch, der ihn immer herumtrug und ihm köstliche Kartoffeln gab? Er konnte seine Hilfe jetzt wirklich brauchen. Er konnte ihn wegtragen, sogar in diese schreckliche Schublade, wenn er ihn nur von hier weg brachte.

Severus und Harry rollten sich schlagend und tretend und, in Severus´ Fall, kratzend und beißend am Boden herum. 

Draco sprang auf. "Los, Severus! Zeig es den Gryffindors!"

Vincent und Gregory grinsten einander an. "Ja! Prügelei!"

Sie sahen sich nach ein paar Gryffindors um, erwischten Dean und Seamus und schlugen auf sie ein. 

Hermine kreischte: "Oh nein! Harry!"

Ron sprang neben seinem Tisch auf und ab und schrie: "Harry! Harry! Harry!..."

Dumbledore musste den Schockzauber auf Vincent und Gregory anwenden, bevor er die beiden kleineren Jungs erreichen und sie trennen konnte. Beide wehrten sich angestrengt, ihn abzuschütten und einander wieder zu erreichen und er schaffte es kaum, sie auseinander zu halten.

"Strafarbeit für euch alle!" verkündete er.

"Was, die ganze Klasse?" rief Parvati aus, die gar nichts getan hatte.

"Nein, alle Slytherins!" erklärte Dumbledore. "Und Harry, wenn du nicht sofort an deinen Platz zurückkehrst, ziehe ich Gryffindor fünf Punkte ab und ich hasse es, das zu tun."

"Aber Harry hat damit angefangen!", protestierte Severus. "Er hat Greenie angegriffen!"

"Severus, ich will keine deiner Slytherin-Lügen mehr hören! Kehrt zu euren Plätzen zurück und vollendet eure Zaubertränke! Ihr werdet eure Strafarbeiten gleich nach dem Abendessen hier ableisten und jeder, der zu spät kommt, bekommt eine extra Strafarbeit bei Mr. Filch. Habe ich mich klar ausgedrückt?"

"Ja, Sir!", zischte Severus, als er zu seinem Platz zurückkehrte. 

Er setzte Greenie zurück in seinen Käfig, setzte sich und bewegte sich für den Rest der Stunde nicht mehr, außer um jedem einen kalten Blick zu schenken, der ihm bat, aus dem Weg zu gehen. Mussten sie eben rund um ihn herumarbeiten! 

Hermine lehnte sich zu Ron hinüber und flüsterte: "Mir gefällt das nicht. Dumbledore verhält sich genau so unfair wie Snape."

"Und?" Ron grinste sie an. "Er zahlt es den Slytherins heim. Ich liebe das."

"Aber das ist nicht richtig, Ron. Er sollte eigentlich ihr Hausvorstand sein und sie misstrauen ihm ohnehin schon, weil er in Gryffindor war. Was, wenn sie herausfinden, dass sie niemanden haben, an den sie sich mit ihren Problemen wenden können?"

"Ach, komm schon, Hermine! Das ist deren Problem nicht unseres. Und es wird außerdem nur für ein paar Tage sein. Sobald Snape zurück ist, werden wir uns wünschen, Dumbledore würde sie für all ihre Streiche und ihren Spott bestrafen. Also erfreuen wir uns lieber daran, solange es dauert."

"Tja, ich nehme an, du hast recht", räumte Hermine ein. "Aber er hätte Harry ebenfalls bestrafen müssen. Er hat sich genauso geprügelt wie Severus."

"Was? Hermine, willst du wirklich, dass Harry bestraft wird?"

"Nun, nein. Natürlich nicht. Harry ist mein Freund und ich will nicht, dass er in Schwierigkeiten gerät. Aber kann Dumbledore nicht erkennen, was er Severus antut? Es muss schrecklich für einen Lehrer sein, Schüler in seinem eigenen Unterricht zu sein. Er weiß mehr über diesen Stoff als Dumbledore, aber Dumbledore lässt ihn nicht helfen. Ich wette, er hat diese ganzen Schwierigkeiten angefangen, weil er so frustriert darüber ist, dass er nicht weiß, was er tun soll. Und Dumbledore reagiert, indem er sein Haus runtermacht, was nur bewirkt, dass er noch wütender wird."

"Und?", sagte Ron wieder. "Es ist Snape, über den wir hier sprechen. Lass ihn leiden!"

"Aber... es ist einfach nicht richtig, Ron." Hermine wusste nicht, wie sie es erklären sollte.

Harry sah, dass seine Freunde sich unterhielten und lehnte sich zu ihnen hinüber.

"Was ist los?", fragte er, als er bemerkte, dass sie sich stritten.

"Hermine hat Mitleid mit Snape", erklärte Ron.

"Mitleid? Mit Snape?", fragte Harry verwirrt. "Warum? Er bringt jeden in Schwierigkeiten mit seinen Streichen und hat jede Menge Spaß dabei. Er kann keine schlechten Noten kriegen. Er kann tun, was immer er will und alle versuchen, nett zu ihm zu sein."

"Das ist doch alles nur Schein, Harry", sagte Hermine. "Keines dieser Kids mag ihn, also spielt er den Harten, damit die nicht merken, wie einsam und verletzlich er ist. Alle Lehrer machen sich Sorgen, wegen ihm, also tut er so, als hätte er Spaß."

"Oh nein!", Ron rollte seine Augen. "Letztes Jahr war es ‚Rettet die Hauselfen!'. Dieses Jahr ist es ‚Rettet Snape!' Für was sollen wir nächstes Jahr eintreten? ‚Rettet die Todesser!'?"

Hermine funkelte Ron zornig an, drehte sich von ihm weg und als die Stunde endete sammelte sie ihre Bücher ein und stürmte aus dem Raum.

Harry und Ron sahen einander an, zuckten mit den Achseln und beschlossen, ihr etwas Zeit für sich allein zu geben, damit sie sich beruhigte. Sie packten ihre Sachen und gingen um einiges langsamer hinaus.

Als sie an der Tür vorbeikamen, sahen sie die Slytherin-Jungen einige Schritte von der Tür entfernt im Flur stehen. 

"Kann ich deine Hausaufgabe in Verwandlungen abschreiben, Draco?", hörten sie Severus sagen.

"Was? Auf keinen Fall! Mach sie selbst!"

"Ich mache dafür deine Zaubertrank Hausaufgaben", versprach Severus. "Und ich werde sie nicht genau abschreiben. Ich werde ein paar Fehler einbauen. McGonagall wird nichts merken. Und selbst wenn, wen, glaubst du, würde sie verdächtigen? Sie weiß, dass ich in Verwandlungen schlecht bin."

"Ich sagte nein, Severus!" gab Draco zurück. "Ich bin sicher nicht dumm genug, um dich meine Hausaufgaben machen zu lassen. Du würdest mir eine 5 nur für einen Lacher einbrocken!"

"Nein, würde ich nicht!" versicherte Severus. "Ich würde das nicht tun. Nicht bei dir. Und schon gar nicht , wenn wir ein Geschäft abschließen."

"Ja, sicher", lachte Draco. "Sogar Dumbledore weiß, was für ein Lügner du bist!"

Das tat mehr weh, als Severus bereit war sich einzugestehen. Er wandte sich an Blaise.

"Was ist mit dir? Kann ich deine Hausaufgabe abschreiben?"

"Nein!", sagte Blaise und wandte sich von ihm ab.

"Vincent?"

"Keine Chance!"

"Gregory?"

‚Wow, er muss wirklich verzweifelt sein, wenn er Gregory fragt', dachte Draco. ‚Er muss doch wissen, dass Gregory das dümmste Kind an dieser Schule ist.'

"Nein!" sagte Gregory.

‚Na, vielleicht ist er gar nicht einmal so dumm', dachte Draco.




Zum Mittagessen hatte Professor McGonagall wieder einmal ihren Posten in der Nähe des Slytherin-Tisch bezogen. Immerhin, die Situation hatte sich beruhigt. Sie mochten Severus immer noch nicht, aber sie hatten begonnen, die Tatsache zu akzeptieren, dass er da war und sie wandten die meiste Aufmerksamkeit wieder anderen Dingen zu. 

Aus unbekanntem Grund kamen die meisten Gryffindors zu spät und Draco sah eben hoch, als Harrys Clique gerade hereinkam. 

Ginny Weasley trug ihr langes rotes Haar an diesem Tag offen und nur ein gelbes Band hielt es aus ihrem Gesicht. Es fiel in leichten Locken über ihre Schultern, und sie hüpften bei jeder Bewegung mit. Harry sagte etwas zu Hermine und Ginny lachte und warf ihr Haar mit beiden Händen hinter ihre Schultern.

Was für ein süßes Lachen sie hatte. Warum hatte er das nie zuvor bemerkt?

"Vielleicht können wir uns nach der Strafarbeit hinausschleichen, wenn sie nicht zu lange dauert, und fliegen gehen", schlug Gregory vor.

"Ja, das wäre nett. Aber ich fürchte, es besteht wenig Hoffnung, dass Dumbledore uns früher gehen lässt. Was denkst du Draco?", fragte Vincent.

"Hmm? Sicher", murmelte Draco, während er Ginny anstarrte.

"Hä? Hey, Draco!", rief Gregory. "Wir reden mit dir!"

"Hmm, ja, ich höre euch."

Severus hörte auf zu essen und betrachtete Draco genau.

"Was starrt du da an?", fragte er ihn nach einer Weile.

"Ginny", antwortete Draco geistesabwesend.

"Ah ja." Severus sah zum Gryffindor-Tisch hinüber und zu Draco zurück. "Ich verstehe."

"Hä?", sagte Gregory noch einmal.

"Verstehst was? Was meinst du Severus?", fragte Vincent.

"Ginny", bemerkte Severus, als würde das alles erklären.

"Ginny?", fragte Blaise mit zunehmendem Interesse. "Was ist mit Ginny?"

"Sie ist hübsch", murmelte Draco, während er den Blick immer noch nicht von ihr nahm. Blaise fragte sich, ob Draco bemerkt hatte, dass er überhaupt etwas gesagt hatte.

"Und?", sagte Vincent, "Sie ist nur ein weiterer armer Muggel-liebender Weasley."

"Mmm-hmm", brummte Draco. 

"Deinem Vater würde das gar nicht gefallen, weißt du", bemerkte Severus kichernd.

"Mmm-hmm."

Vincent packte Draco bei den Schultern und schüttelte ihn.

"Hey Draco! Wach auf!", rief er.

"Wa... Hör auf, mich zu schütteln!" Draco schob Vincent weg.

"Hat sie dich hypnotisiert oder was?", wunderte sich Blaise.

"Hä? Was? Wer?", stammelte Draco. Worüber hatten sie gesprochen? Warum hatte Vincent ihn geschüttelt? Nun, offensichtlich hatten sie bemerkt, dass er unaufmerksam war. Und worüber kicherte Severus?

Draco sah von einem Gesicht zum nächsten. Sie sahen ihn alle mit diesem seltsamen Ausdruck an.

"Na, wenigstens sieht er uns wieder an", stellte Vincent mit zufriedenem Ton fest.

Severus lachte noch heftiger.

Draco wandte sich ihm zu. Er schien mit einem wirklich heftigen Lachanfall zu kämpfen.

"Was ist so komisch?" fragte Draco. Vielleicht würde das die Sache ein bisschen aufklären.

"Du", kicherte Severus.

Draco sah an sich herab. Er hatte immer noch einige rosa Punkte von dem Immerglüh-Unfall. Sie hatten sie alle. Aber das konnte es nicht sein, worüber Severus so lachte. Oder doch? Draco drehte sich zu Vincent, Blaise und Gregory.

"Was ist mit ihm?", fragte er und deutete auf Severus.

Vincent und Blaise tauschten einen ahnungslosen Blick. Gregory sah Draco nur an. Er hatte üblicherweise keine Ahnung, was um ihn herum vorging. 

"Wir haben keine Ahnung", sagte Vincent für sie alle.

Draco seufzte und wandte sich wieder seinem Essen zu. Er musste einen Weg finden, mit Ginny zu sprechen.

Kapitel 3

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