Abseits, Foul und andere Katastrophen 2

 

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Kapitel 2: Training und Erinnerung





"Autsch!"

"Sag mal, kannst du nicht mal ein wenig leiser sein? Nachher hört uns noch jemand…!"

"Entschuldige bitte, aber ich bin gerade gegen irgendein verdammtes Möbelstück gelaufen und das tat weh…!"

"Ohhhh, eine Runde Mitleid…"

"Ich komm gleich…"

"RUHE! Meine Güte, man könnte meinen eine Horde von Erstklässern hätte sich mitten in der Nacht aus ihrem Gemeinschaftsraum geschlichen, so laut seid ihr!"

Die Dunkelheit des Raumes wurde von einem orange-rötlichen Licht verbannt, welches aus der Spitze des Zauberstabes von Minerva McGonagall kam und sich langsam zu einem kleinen Feuer verband, das lautlos einige Meter über dem Boden schwebte.

"Stimmt nicht…"

"RUHE habe ich gesagt!"

Die herrische Stimme von Minerva McGonagall klang mehr belustigt als streng, doch ihre beiden Kollegen, Alastor Moody und Remus Lupin, blieben still. Im Hintergrund kicherte Sybille Trelawney leise, doch auf einen mahnenden Blick der stellvertretenden Direktorin hin schluckte sie ihr Lachen hinunter und versuchte ernst zu bleiben.

Minerva schüttelte genervt den Kopf, aber ein Lächeln konnte sie nicht ganz aus ihrem Gesicht verbannen. Waren das wirklich ihre Kollegen? Sie saßen hier im Halbdunkeln in irgendeinem leeren Klassenraum, verhielten sich wie eine Horde wild gewordener Erstklässler und zankten sich genau so.

"Also…", versuchte sie die Aufmerksamkeit ihrer Kollegen zu bekommen, an deren Gesichtsausdruck sie deutlich erkennen konnte, dass die beiden Herren wieder kurz davor gewesen waren ihre kleine Kabbelei fortzusetzen.

"Der Grund, aus dem wir hier sind…"

"…liegt auf der Hand…", führte Moody, nun mit einem Mal wieder ernst, ihren Satz fort. Auch Remus und Sybille schienen sich so weit wieder gefangen zu haben und schauten mit ernsten Gesichtern den Ex-Auroren an, dessen magisches Auge sich einmal kurz komplett drehte, zweifellos um zu schauen, ob ungebetene Zuhörer in der Nähe waren. Da dies scheinbar nicht der Fall war schnaubte der grauhaarige Mann, blickte einen nach dem anderen durchdringend an und fuhr dann fort:

"Ich denke doch mal, dass jeder von euch Severus' eigenartiges Verhalten am Ende und nach dem Spiel bemerkt hat!?"

Allgemeines Nicken war die Antwort. Niemand sagte etwas und nur das Knarren des alten Fensterrahmens und das stetige Klacken der gegen die Scheibe fallenden Regentropfen war zu hören. Die dunklen Schatten ihrer Körper wirkten wie die verzerrten Umrisse von Ungeheuern, die an den Wänden des Klassenraumes tanzten. Immer wieder huschte das magische Auge Moodys von rechts nach links und suchte nach ungebetenen Zuhörern.

Nun war es Remus Lupin, der mit leiser, ernster Stimme sprach: "Was hatte er bloß? Was war los mit ihm?"

Moody schnaubte. "Wenn wir das wüssten, Remus, wären wir jetzt nicht hier!"

Seine Worte hatten keine Schärfe und das leichte Lächeln um seine Mundwinkel zeigte, dass der sonst so ernste Ex-Auror einfach versuchte die Situation ein wenig zu entschärfen. Lupin lächelte leicht verlegen zurück.

"Ich mache mir halt Sorgen…", murmelte er und Moody nickte verstehend.

"Ich weiß. Die machen wir uns alle…"

"Fest steht", fuhr Minerva fort, während sie aus den Augenwinkeln kritisch ihre Kollegin für Wahrsagen musterte, die scheinbar wieder kurz davor war in "höhere Sphären" zu verschwinden, denn ihr Kopf kippte andauernd nach links auf die Schulter von Madame Hooch, die die kleinere Professorin mit einem Zucken ihrer Schulter immer wieder aufschreckte, "dass er irgendetwas hatte. Auf einmal war er wie abwesend, konnte sich kaum noch konzentrieren und schien mit den Gedanken die ganze Zeit woanders zu sein…!"

Ein lautes Krachen ließ die kleine Gruppe erschrocken zusammen fahren und alle wandten ihre Köpfe dem Fenster zu. Das Unwetter draußen wurde einfach nicht besser. Blätter flogen am Fenster vorbei, dicke Regentropfen schlugen gegen das dicke Glas und der ganze Himmel war so dunkel, dass kein einziger Stern zu sehen war.

"Was schlägst du vor?", fragte Madame Hooch weiter, während sie ihren Blick durch das dunkle Klassenzimmer schweifen ließ. Keiner von ihnen schien sich mitten in der Nacht hier draußen, fern ihrer warmen Betten und bei diesem Wetter, sonderlich wohl zu fühlen und nicht zum ersten Mal fragte die Fluglehrerin sich, warum sie sich nicht in einem ihrer Büros getroffen hatten. Irgendwie hatte diese Möglichkeit nie zur Debatte gestanden…

Die stellvertretende Direktorin warf einen fragenden Blick in die Runde. Sie schien zu überlegen.

"Ich weiß es nicht genau… wir alle kennen Severus… fragen wird uns bei ihm wohl nicht weiter bringen…"

Wieder ein Schnauben Moodys.

"Nein, wahrlich. Reden bringt uns bei Severus nicht weiter… Ich hatte das Gefühl, dass er durch den Fußball ein wenig aufgetaut ist, doch nachdem er sich heute wieder so seltsam verhalten hat…"

Remus Lupin runzelte die Stirn. Das stimmte. Severus war durch den Fußball ganz anders geworden, auch, wenn er es versuchte zu verbergen. Das Spielen machte ihm Spaß und es stand außer Frage, dass er bei ihrem ersten Training nicht das erste Mal einen Fußball geschossen hatte. Er musste es vorher schon einmal gemacht haben…

Langsam begann sich ein Bild in seinem Kopf zu bilden und das Runzeln seiner Stirn wurde immer tiefer. Als Severus Minerva und Alastor beim Reden erwischt hatte war noch alles in Ordnung gewesen. Fast direkt danach hatte der Ex-Auror ihm den Ball zugespielt und er hatte ein Tor gemacht… das Tor… Remus wusste nicht genau wieso, aber ein leise Stimme in seinem Kopf sagte ihm, dass Severus' Verhalten nur mit diesem Tor zusammen hängen konnte…

Ansonsten war auch nicht viel passiert, oder!?

Davor war noch alles in Ordnung gewesen und danach war der Meister der Zaubertränke wie verwandelt. Es musste an dem Tor liegen! Weder davor noch danach war etwas geschehen, was diesen Stimmungswechsel sonst hätte auslösen können.

"…das Tor…", dachte er und wurde im nächsten Moment von seinen Kollegen fragend angesehen.

Remus blinzelte kurz. Hatte er das jetzt etwa laut gedacht? Es schien so, denn die anderen blickten ihn immer noch fragend an und die Augen Moodys bekamen einen stechenden Ausdruck, als wolle er durch ihn hindurch sehen.

"Was hast du gesagt, Remus?", fragte der Ex-Auror und seine beiden Augen waren auf Remus gerichtet. Dieser fühlte sich leicht unwohl unter diesem stechenden Blick und schluckte leicht.

"Ich habe nur gerade gedacht, dass Severus' Verhalten so komisch geworden ist, nachdem du den Ball zu mir gespielt hast und ich das Tor geschossen habe. Davor hat er dich und Minerva noch ermahnt, da war alles in Ordnung, und kurz danach ist er so komisch geworden…"

Man merkte den anderen Professoren deutlich an, dass sie versuchten die Situation in Gedanken Revue passieren zu lassen und auch Moody runzelte nachdenklich die Stirn. Nach einigen Sekunden nickte er langsam und sein Gesichtsausdruck wurde weniger stechend. Langsam entspannte sich Remus wieder.

"Er könnte Recht haben…", meinte Moody und warf einen festen Blick in die Runde, "…jetzt, wo er es sagt, fällt es mir auch wieder ein…"

Minutenlang sagte keiner von ihnen auch nur ein Wort und jeder schien seinen eigenen Gedanken nachzuhängen, als plötzlich Minerva McGonagall mit herrischer Stimme die Stille durchbrach.

"Zum Teufel damit! Wir wissen jetzt zwar, woran es liegen könnte, aber wirklich weiter bringt uns das auch nicht! Ich habe keine Lust mehr hier grübelnd in der Kälte zu hocken, immerhin habe ich morgen Unterricht zu halten…"

"…genau wie wir anderen auch…", wurde sie von Moody unterbrochen, ließ sich jedoch nicht beirren und warf ihrem Kollegen nur einen strengen Blick zu.

"…und ich denke, so kommen wir nicht weiter! Ich bin dafür, dass wir erst einmal abwarten was passiert, vielleicht renkt sich die Sache ja auch von ganz alleine wieder ein!"

Moody und Lupin hoben gleichzeitig fragend eine Augebraue als wollten sie fragen, ob die stellvertretende Direktorin dies wirklich glaubte, doch sie sagten nichts.

Minerva McGonagall erhob sich und klopfte den Staub aus ihrem Umhang. Sie warf einen auffordernden Blick in die Runde und nacheinander taten es ihr ihre Kollegen gleich und erhoben sich ebenfalls einer nach dem anderen.

Noch einmal blickten sich alle an.

"Wir sehen uns morgen beim Frühstück und wer weiß, vielleicht sieht die ganze Sache morgen Abend beim Training schon wieder anders aus!"

Mit diesen Worten und einem kurzen Nicken in die Runde drehte die Verwandlungsprofessorin sich um und verließ schnellen Schrittes den Klassenraum. Die anderen blieben ein wenig unschlüssig stehen. Nur Sybille Trelawney hockte noch auf dem Boden und hatte die Augen geschlossen. Zweifellos befand sie sich wieder überall, nur nicht im Hier und Jetzt, doch keiner der Professoren achtete sonderlich auf sie.

Moody war es, der schließlich Richtung Tür nickte, durch die Minerva McGonagall vor wenigen Minuten verschwunden war.

"Wahrscheinlich hat sie Recht und wir kommen so wirklich nicht weiter. Lasst uns schlafen gehen! Ich für meinen Teil werde Severus genau beobachten, denn ich kenne den Kerl mittlerweile gut genug um zu wissen, dass die Sache sich bis morgen nicht geklärt haben wird, doch einen Versuch ist es wert, denke ich!"

Die Anwesenden nickten und einer nach dem anderen machten sie sich auf den Weg zurück in ihre Räume. Madame Hooch nahm sich der Wahrsageprofessorin an, rüttelte diese wach und machte sich mit einer reichlich verschlafenen Sybille Trelawney auf den Weg nach draußen. Remus Lupin und Alastor Moody waren die Letzten im Raum.

Lupin löschte das magische Feuer mit einem kurzen Wink seines Zauberstabes und machte sich schließlich mit Moody auf den Weg zu seinen Gemächern. Keiner von ihnen sprach unterwegs ein Wort und als sich ihre Wege trennten, blieb der Lehrer für Verteidigung gegen die Dunklen Künste kurz stehen.

"Was glaubst du, was er hat, Mad-Eye?"

Moody warf einen prüfenden Blick in die Dunkelheit des Korridors und schien zu überlegen. Schließlich schüttelte er langsam den Kopf.

"Ich weiß es nicht. Ich kenne Severus gut genug um zu wissen, dass ihn irgendetwas bedrückt und ich frage mich schon die ganze Zeit, ob wir nicht vielleicht Albus zur Hilfe holen sollten, da er von uns allen Severus am besten kennt. Ich habe echt keine Ahnung…"

Remus nickte. Ihm erging es ähnlich. Immer und immer wieder spielten sich die letzten Szenen des heutigen Trainings in seinem Kopf ab und er fragte sich, ob er irgendetwas vergessen, irgendetwas übersehen hatte.

Ihm fiel einfach nichts ein außer dieses Tor, doch wieso sollte Severus wegen eines einfachen Tors so aus dem Konzept gekommen sein? Wieso hatte er dann nicht schon zuvor bei ihrem Training oder bei dem Spiel gegen die Schüler so seltsam reagiert?

Fragen über Fragen zu einer viel zu späten Stunden, zu denen er einfach keine Antworten wusste. Er war müde und ausgelaugt vom Spiel und spürte, wie sein Körper immer schwerer zu werden schien. Wenn er nicht bald ins Bett käme würde er morgen aussehen wie von einem Zug gestreift, das wusste er.

Remus nickte dem Auroren noch einmal kurz zu, wünschte diesem eine gute Nacht und verabschiedete sich von ihm. Jeder ging wieder seiner Wege und schon bald waren die Gänge und Klassenräume Hogwarts' wieder wie ausgestorben.

Das Unwetter tobte außerhalb der schützenden Mauern und dicke, schwarze Wolken verdeckten den Himmel.

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