Alcyone - Teil 3

 

 

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Kapitel 12



„Verstehe!“ Albus Dumbledore saß ihnen gegenüber, hatte die Hände über dem Tisch zusammengefaltet und blickte Alcyone und Severus an.

Die beiden hatten dem Direktor alles ganz genau erzählt und auch ihre jeweiligen Standpunkte zu dem Thema, wobei Severus dabei derjenige war, der hauptsächlich die Problematik dieser Situation angesprochen hatte.

„Ich verstehe deine Argumentation, Severus, aber es wäre falsch, jetzt überstürzt zu handeln. Noch ist nichts zu erkennen und es wird auch noch eine Weile dauern, ehe man was erkennen wird.“

„Willst du damit sagen, sie soll einfach wieder zurück nach London und vor allen so tun, als sei nichts?“ Severus konnte nicht glauben, daß Albus so eiskalt sein konnte. Das war der Direktor da angesprochen hatte, war eines der schwierigsten Dinge überhaupt, ein großes Geheimnis für sich zu behalten, das, wenn es jemals an die Öffentlichkeit geraten würde, eine Katastrophe auslösen könnte.

„Ich will damit sagen, daß wir uns in aller Ruhe eine Lösung für diese Situation ausdenken sollen und solange wirklich so tun, als sei gar nichts.“

Dumbledore wandte sich nun voll Alcyone zu. „Alcyone, glauben Sie, Sie würden das schaffen?“

Alcyone nickte. Was blieb ihr auch anderes übrig? Dumbledore hatte Recht mit dem was er sagte. Andererseits würde sie alle dafür geben, bei Severus zu sein. Wie schön es doch wäre, hier bei ihm zu sein, wie eine glückliche Familie. Sie sah sich mit einem Baby auf dem Arm vor dem Kamin sitzen und daneben Severus, der einige Hausaufgaben durchsah und gelegentlich verliebt zu ihr schaute.

Alcyone war so sehr in Gedanken versunken, daß sie erst gar nicht mitbekam, wie Dumbledore sie erneut ansprach. Erst eine Berührung von Severus holte sie aus ihren Tagträumen.

„Ja?“, sagte sie.

„Sie haben da eine sehr hübsche Kette, Alcyone, dürft ich mir sie mal genauer ansehen?“

Alcyone faßte sich an den Hals und bemerkte, daß Severus’ Kette, die sie meisten immer unter der Bluse trug, herausragte.

„Ja natürlich.“ Sie holte den Anhänger ganz hervor und öffnete den Verschluß. Dann reichte sie sie Dumbledore.

Das erste, was Alcyone fühlte, als sie die Kette losgelassen hatte, war völlige Nacktheit. Für sie gehörte die Kette zu ihr wie ein Organ, sie war ein Teil von ihr.

„Eine wundervoll Arbeit.“ Dumbledore drehte den Anhänger in seinen Händen. „Was ist das?“

„Eine Vergißmeinnicht“, erklärte ihm Alcyone.

Dumbledore musterte den Anhänger ganz genau. „Wirklich wundervoll“.

„Bitte seien Sie vorsichtig“, bat sie den Direktor noch, fast so, als hätte sie geahnt, was als nächstes passieren würde. Dumbledore rutschte die Kette aus der Hand und fiel auf den Boden.

„Oh tut mir leid“, entschuldigte er sich und bückte sich unter den Tisch.

„Oh, die scheint wohl etwas unglücklich gefallen zu sein“, sagte er, während er ganz unter den Tisch kroch.

„Professor, alles in Ordnung? Soll ich Ihnen helfen?“ Alcyone machte sich tatsächlich Sorgen um ihre Kette. Die unmögliche Frage, was, wenn Dumbledore sie nicht wieder finden würde, ging ihr durch den Kopf und sie war drauf und dran auch unter den Tisch zu kriechen.

„Nein nein“, kam es von unter dem Tisch. „Ich hab sie gleich.“ Dann ein paar unverständliche Wortfetzen und schon war Dumbledore wieder zurück und hielt Alcyone die Kette hin.

„Hier, meine Liebe.“

„Danke.“ Alcyone machte sie sich gleich wieder um und fühlte sich augenblicklich wieder besser.

Dumbledore stand von seinem Stuhl auf. „Nun laß ich euch beide alleine, ich hab noch einiges zu erledigen. Falls was sein sollte, wißt ihr ja wo ihr mich findet. Und Alcyone, ich denke, es reicht, wenn Sie morgen früh wieder nach London zurück gehen.“ Er zwinkerte ihr zu und verließ Severus‘ Räumlichkeiten.



„Was hast du mir zu berichten?“

Der Dunkle Lord stand im Schatten eines großen Baumes und betrachtete sein Gegenüber mißtrauisch.

„My Lord“, sagte die vermummte Gestalt. „Ich habe äußerst interessante Neuigkeiten für Euch.“

„Komm endlich zur Sache“, herrschte Voldemort ihn an.

„Ja my Lord.“ Ehrfürchtig nickte er kurz mit seinem Haupt und begann dann zu berichten. „Aus einer zuverlässigen Quelle ist mir zu Ohren gekommen, daß eine gewisse Alcyone Hide etwas mit Severus Snape zu tun hat. Ich bin der Sache nachgegangen und habe in ihrer Wohnung diverse Fotos von Snape gefunden.“

„Ist das alles?“

„Nein, my Lord. Das Beste kommt erst noch. Ich habe einige Briefe gefunden, die eindeutige Hinweise auf eine Liebesbeziehung haben. Außerdem habe ich ihre komplette Post geöffnet. Da war ein Brief vom Arzt dabei. Sie ist schwanger und verreist. Ich bin mir absolut sicher, daß sie bei Snape ist.“

„Interessant.“ In Voldemorts Kopf arbeitete es auf Hochtouren. Mit dieser Information konnte er sehr viel anfangen, vor allem konnte er, wenn er es geschickt anstellte, Snapes Loyalität testen.



Alcyone fühlte sich glücklich. Sie saß zusammen mit Severus auf einem Sessel und war an ihn gekuschelt. Die beiden unterhielten ich ununterbrochen. Sie hatten sich so viel zu erzählen, von den letzten Wochen und erst jetzt wurde beiden bewußt, wie sehr sie sich wirklich vermißt hatten.

Die Zeit hätte für beide stillstehen sollen. Aber das tat sie nicht und wie es in solchen Situation üblich war, wurden sie gestört.

Jemand erlaubte sich, penetrant an die Tür zu klopfen.

„Wenn das einer meiner Schüler ist, darf er sich auf eine saftige Strafarbeit freuen.“ Es klang ernst gemeint.

Alcyone blickte Severus nach, wie er schwungvoll und verärgert die Tür öffnete, raus trat und sie ebenso hinter sich zuschlug, daß sie gar nicht richtig ins Schloß fiel, sondern nur anlehnte.

„Was?“, hörte sie Severus einige Sekunden später barsch sagen.

„Professor ich habe da etwas zu Ihrem Unterricht von heute anzumerken.“ Eine Jungenstimme, zwölf oder dreizehn schätze Alcyone. „Laut Ihren Angaben kommen getrocknete Nesseln, drei Giftzähne von Schlangen, zwei Wellhornschnecken und fünf Stachelschweinpastillen in den Furunkeltrank.“

„Das weiß ich selber Mr Crusher, warum zum Teufel erzählen Sie mir das mitten in der Nacht?“ Severus klang äußerst verärgert.

Alcyone mußte unweigerlich vor sich hingrinsen.

„Ich habe gerade den Unterrichtsstoff von heute noch einmal durchgearbeitet und bin zu dem Ergebnis gekommen, daß vier Giftzähne von Schlangen anstatt drei zu einem viel besseren Ergebnis führen. Ich habe Ihnen auch meine Begründung und wie ich darauf gekommen bin und die Herleitung aufgeschrieben.“ Rascheln war zu hören.

„Reicht das denn ich bis Morgen, ich bin beschäftigt.“

„Nein Professor, wenn Sie es sich gleich durchsehen und mir sagen, was sie davon halten, kann ich nacher gleich weiterarbeiten. Vielleicht kann ich es dann noch besser optimieren.“

Wieder Rascheln. Offensichtlich hatte sich Severus geschlagen gegeben.

Das konnte also noch etwas dauern.

Alcyone beschloß aufzustehen und sich etwas die Beine zu vertreten.

Sie lief den Raum zweimal auf und ab und machte sich dann daran, die Einrichtung etwas genauer anzusehen. Viel war nicht da und so galt ihre ganze Aufmerksamkeit dem Schreibtisch. Er war sauber aufgeräumt, nur ein paar Pergamentblätter lagen etwas verstreut auf einem Stapel. Alcyone konnte gar nicht anders. Sie sah unweigerlich hin und begann ein paar Sätze zu lesen.

Aus ein paar Sätzen wurde die ganze erste Seite. Alcyone war geschockt. Sie konnte gar nicht glauben, was sie da las. Doch je mehr sie las um so mehr wurde ihr bewußt, daß es stimmen mußte. Severus arbeitete wieder als Spion bei den Todesser und hier waren die Unterlagen für einen erneuten Zug des Bösen.

Was sollte sie jetzt tun? Ihr Verstand setze aus. Sie versuchte nachzudenken.

Diese Unterlagen mußten auf schnellstem Weg zu Dumbledore. Das war das erste, das ihr einfiel.

Doch wie sollte sie zu ihm kommen? Vor der Tür stand Severus.

Se blickte sich hektisch um, die Unterlagen an ihre Brust gedrückt.

Das Fenster.

Ja so wie sie gekommen war.

Schnell huschte sie ins Schlafzimmer, öffnete das Fenster und kletterte heraus. Dann rannte sie los.

Die Tatsache, daß Severus ihr das verheimlicht hatte, konnte sie nicht verkraften. Tränen flossen ihr übers Gesicht und sie rannte einfach weinend durch die Gegend, ohne wirkliches Ziel.



Severus stöhnte. Wie lange hatte ihn der nervige Ravenclaw aufgehalten? Eine halbe Stunde? Mindestens. Die meiste Zeit hatte er ihm gar nicht zugehört, sondern einfach nur zugestimmt, in der Hoffnung, daß es dann schneller gehen würde. Dieser Junge war einfach nur nervig und besserwisserisch ohne Ende. Gegen ihn schien Longbottom wie eine Erholung.

„Tut mir leid, daß es solange gedauert hat“, sagte Severus im hereinkommen.

Keine Reaktion.

Er sah sich im Raum um. Niemand da. „Alcy? Wo bist du?“

Keine Antwort.

„Alcy?“ Wo war sie nur. Raus gegangen konnte sie ja nicht sein, da hätte er sie ja gesehen.

Wahrscheinlich war sie ins Bett gegangen und eingeschlafen.

Severus schritt in Richtung Tür und blieb plötzlich stehen. Er faßte sich an seinen linken Arm. Schmerzen. Jetzt. Zu einem ungünstigen Zeitpunkt. Wie immer.

Er schaute gar nicht mehr erst nach, ob Alcyone tatsächlich schlief. Er ging davon aus, daß es so war.

Severus schlich sich wie immer vorsichtig aus dem Gebäude und genauso vorsichtig ein Stück in den Wald, ehe er apparierte.



Langsam lief Severus zu dem Kreis aus Todessern und reihte sich ein. Der Dunkle Lord stand in der Mitte des Kreises.

Severus bemerkte, daß er der Letzte war. Eine Strafe würde ihn erwarten.

Innerlich versuchte er sich darauf vorzubereiten und versuchte gleichzeitig Voldemort zuzuhören.

„Meine mir treuen Anhänger. Das hier heute ist eine besondere Zusammenkunft. Denn heute wird einer von euch geprüft werden. Geprüft auf seine Loyalität und bedingungslose Hingabe an unsere Sache.“

Er lief eine Runde im inneren Kreis, schaute aber keinen von den Todessern an.

„Ihr fragt euch sicher, wer es ist. Nun gut, ich will es euch verraten.“

Er blieb stehen, genau vor Lucius Malfoy.

Malfoy? Das wäre zu schön, wenn er geprüft werden würde. Malfoy mit Schmerzen. Eine makabre, aber auch schöne Vorstellung.

Es herrschte absolute Stille. Keiner bewegte sich. Alle warteten.

„Es ist“, sagte Voldemort und drehte sich um. Er hob seine Kapuze und seine leeren, roten Augen schauten direkt Severus an. „Snape!“

Severus schluckte. Das würde definitiv hart werden.

Voldemort trat auf ihn zu. „Keine Sorge, wenn du wirklich zu uns gehörst, dürfte das eine Kleinigkeit sein.“

Severus nickte ehrfürchtig und trat einen Schritt vor.

„Snapes, deine Aufgabe besteht darin, jemanden zu töten.“ Er drehte sich um. „Schafft sie her.“

Zwei Todesser verließen den Kreis und kamen mit einer Gestalt wieder an. Vor Severus Füßen ließen sie sie unsanft auf den Boden fallen.

„Töte sie.“

Severus holte seinen Zauberstab hervor und richtete ihn auf das menschliche Wrack. Erst jetzt schaute er wirklich auf die Person, die vor ihm auf dem Boden lag.

Es war Alcyone.


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