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Kapitel 12: Muggel - ärgere - dich

 

Eine Treppenflucht führte aus dem Park hinaus und auf eine geschäftige Straße. Autos rasten vorüber und hielten mit quietschenden Bremsen alle paar Meter an einer, scheinbar nutzlosen, Ampel an. Snape tat sein Bestes, um nicht verängstigt auszusehen, manövrierte sich allerdings mit ein paar eiligen Schritten an die Seite Lucius Malfoys. Eine kleine Hand langte nach der sich aufblähenden Jacke des älteren, als Bellatrix ihm einen Blick schenkte, der selbst ein Feuer eingefroren hätte. Der Junge schluckte schwer und ließ seine Hand wieder sinken, blieb aber dicht bei Lucius und der kichernden Narzissa.
Sie erreichten eine der vielen Ampeln und warteten geduldig darauf, daß es grün wurde. Snape sah verwirrt drein.
"Grün heißt, du kannst gehen, rot heißt, du mußt warten", schnappte Bellatrix von der Seite, als sie seinen verwunderten Ausdruck bemerkt hatte.
"Ganz einfach. Muggel verstehen es, also sollte es wohl kaum zu schwer für dich sein. Wessen großartiger Einfall war es noch mal, diesen dämlichen Knirps mitzubringen?"
Sie richtete ihre Aufmerksamkeit wieder auf die Fußgängerampel und der "dämliche Knirps", der definitiv dabei versagte nicht verletzt auszusehen, tat es ihr nach. Lucius legte ihm eine Hand auf die Schulter und lächelte das ältere Mädchen gefällig an, seine weißen Zähne blitzten auf.
"Severus ist einer unserer Freunde", er nickte in Richtung jeden einzelnen Mitschülers, "und wir, ebenso wie unsere Eltern haben beschlossen, daß er von unserem kleinen... Ausflug profitieren wird. Wenn du also seine, in meinen Augen sehr angenehme, Gegenwart als zu lästig empfindest, dann können wir uns ja darüber unterhalten, wenn wir wieder zurück sind. Bis dahin, würde ich es sehr schätzen, wenn du deinen Zorn auf Objekte lenkst, die es mehr verdient haben. In Muggel-London hier solltest du eine Unmenge davon finden."
Weder sein Lächeln noch seine Tonfall hatten sich verändert, aber sie hatten dennoch den gewünschten Effekt. Bellatrixs Lippen verdünnten sich zu einer schmalen Linie als sie, ohne zu blinzeln, auf die andere Straßenseite starrte. Sie sagte kein weiteres Wort.
Endlich wechselte die Ampel von rot zu grün und sie überquerten die Straße, die vor Ärger rauchende Bellatrix mit schnellen Schritten vorne weg, Lucius und Narzissa, die Snape in die Mitte genommen hatten, hinterher. In einem unbeachteten Moment streckte der Junge dem Mädchen vor ihm die Zunge heraus und lächelte die zwei Teenager an seiner Seite mit einer Mischung aus Stolz und Dankbarkeit an.
Als sie fast auf der gegenüberliegenden Seite angekommen waren, zog Lucius lässig seinen Zauberstab, hielt ihn über die Schulter und murmelte: "Luminae arbitratae." Die Ampel hinter ihnen begann von Rot zu Grün zu wechseln und wieder zurück zu Rot, ohne einem bestimmten Muster zu folgen. Bremsen quietschten, Motoren heulten auf und es gab ein paar erschrockene Aufschreie. Avery, der die Nachhut gebildet hatte, entkam nur knapp einem großen, grünen Ford und stolperte über den Bordstein. Er atmete schwer und stierte Malfoy ungehalten an.
"Großartig, Lucius! Wirklich witzig! Würde es dir etwas ausmachen, beim nächsten Mal zu warten, bis wir alle über die Straße gegangen sind?"
Zornig stolzierte er davon, um sich vorne zu Bellatrix und McNair zu gesellen. Narzissa schien völlig zufrieden mit ihrem Klassenkameraden zu sein, denn sie gab ihm einen, diesmal nicht so hastigen Kuß auf die Wange.
Snape starrte noch immer zurück auf die munter wechselnden Ampeln und das daraus resultierende Chaos. Er sah mit nachdenklich starrer Miene auf seine Begleiter, sein Gesicht noch immer äußerst blaß.
"Gibt es nicht ein Gesetz, daß minderjährige Zauberer außerhalb der Schule nicht zaubern dürfen? Besonders nicht, wenn Muggel anwesend sind?"
"Severus", Lucius lächelte ihn warm an, "Gesetze werden von Menschen gemacht und von ihnen kontrolliert. Menschen werden auch von Menschen kontrolliert. Laß es mich einfach so ausdrücken, unsere Eltern können es sich leisten, diese Regeln so weit zu strapazieren, daß wir ein paar Erfahrungen sammeln können, aus erster Hand sozusagen, wie man Magie auf sinnvolle Weise nutzen kann."
Er betonte die letzten Wort besonders und brachte Snape dazu, sich noch mehr zu versteifen, aber er sagte nichts weiter. Als er ein letztes Mal zurück sah, erkannte er einen kleinen Jungen, vielleicht vier Jahre alt, auf der Mitte der Fahrbahn, wie er aus vollem Halse schrie, Tränen kullerten ihm über sein vor Panik verzerrtes Gesicht. Autos fuhren rasch an ihm vorüber, während seine Mutter händeringend auf der anderen Seite stand, dem Jungen etwas zurufend und den Fahrern zuwinkend, sie sollen doch anhalten, damit sie zu ihrem verängstigten Kind herüber kann.
Snape erzitterte und folgte den anderen.

"Ah, das ist also ärgern?" flüsterte Ron voller Abscheu in der Stimme. Harry antwortete nicht. Er hatte das ungute Gefühl, daß das erst der Anfang war.

Goyle stöberte durch die Taschen seiner Jacke, leise vor sich hinmurmelnd.
"Suchst du was?" fragte ihn McNair kühl.
"Genaugenommen, ja", gab Goyle zurück, offenbar ungehaltener, als er es beabsichtigt hatte, denn augenblicklich senkte er seinen Blick und murmelte: "Ich weiß, daß meine Mum es hier irgendwo rein gesteckt hat."
"Suchst du das hier?" fragte ihn Bellatrix, eine Hand in die Hüfte gestemmt, in der anderen eine große Lederbörse. Goyle blitzte sie an, sein Gesicht drückte Verwirrung aus.
"Meine Mutter hat beschlossen, daß es sicherer ist, das ganze Muggel-Geld zusammen zu tun und es mir in Verwahrung zu geben. Niemand will schließlich, daß Crabbe schlecht wird, weil er sein ganzes Geld für Muggel-Essen ausgegeben hat, schätze ich mal", endete sie mit einem hinterhältigen Grinsen.
Crabbe nahm eine äußerst interessante Rotschattierung an und die anderen lachten. Das Gelächter führte letztendlich dazu, die Spannung, die seit dem Verschwinden Andromedas geherrscht hatte, sich in Luft auflösen zu lassen und Snape schloß sich dem glücklich an.
"Wofür brauchst du das Geld?" erkundigte sich Narzissa bei ihrem Schulfreund, ihre Augen voller Neugierde.
"Für nix", entgegnete er rasch. "Wirklich, es ist okay. Ich habe nur mal nachgesehen."
Crabbe grinste breit und stieß Snape seinen Ellbogen so hart in die Rippen, daß der Junge gegen Avery taumelte.
"Du willst wissen, was er kaufen will?"
"Phillip, ich bringe dich um", fauchte Goyle zwischen zusammengepreßten Zähnen hindurch. "Wage es nicht..."
"Er will ein Geschenk für ein Mädchen aus Ravenclaw kaufen", tönte Crabbe triumphierend, sich hinter Lucius versteckend, um einem Hieb seines Kumpels auszuweichen, dessen Teint von Rot zu Lila gewechselt war. Snape machte einen Schritt zur Seite, so daß sich die anderen nicht mehr über den Gehweg jagen konnten, zumindest nicht, ohne ihn nicht auf die Straße zu schubsen. Als niemand einen gehässigen Kommentar über ihn oder das Ravenclawmädchen machte, beruhigte sich Goyle wieder und sie wanderten weiter, scheinbar die Haupteinkaufsstraße erreichend. Narzissa verschwand von Lucius´ Seite und gesellte sich zu Goyle. Sie brannte schier darauf, zu erfahren, an wen er sein Herz verloren hatte.
Snape starrte staunend die Gebäude an, die sich zu beiden Seiten der Straße entlang reihten. Größer und imposanter als die Läden in der Winkelgasse, boten sie eine breite Spanne von Dingen an, von denen er vermutlich nicht einmal geträumt hatte. Ein großes Schaufenster zog seine besondere Aufmerksamkeit auf sich und er betrachtete mit offenem Mund die vielen Bücher in der Auslage. Anatomie, Astrologie, Mechanik, Mathematik, Physik, Chemie und da, ganz in der Ecke, Romane und Poesie. Er strich sich eine seiner schwarzen Haarsträhnen aus dem Gesicht und preßte Hände und Gesicht gegen das Glas, um sich die Wunder im Inneren des Ladens besser ansehen zu können.
"Weißt du, wir könnten der Einfachheit halber einfach rein gehen. Und außerdem würdest du dann das Fenster nicht einsauen, Adlernase."
Er sah Malfoy mit einem traurig bittenden Lächeln an. "Würde es dir was ausmachen?"
Der Ältere erwiderte das Lächeln.
"Ganz und gar nicht, es ist auch einer meiner Lieblingsläden. Ich sage nur eben den anderen Bescheid. Narzissa und Bellatrix möchten, wie ich annehme, wie jedes Mal, in das Café um die Ecke gehen. Goyle kann das Geschenk für seine mysteriöse Freundin kaufen und Crabbe stockt schätzungsweise seinen Vorrat an Eßbarem auf. Warte nur eine Sekunde, ich hole mir etwas Geld von Bella."
Snape nickte und drehte sich um, um einen weiteren sehnsüchtigen Blick in das Schaufenster zu werfen. Plötzlich bemerkte er ein ihm bekannt vorkommendes Gesicht im Geschäft. Es war Andromeda und sie lag in den Armen eines dunkelhaarigen, jungen Mannes. Sie küßten sich verspielt, während sie sich an der Kasse angestellt hatten und darauf warteten, an der Reihe zu sein. Sie sah vollkommen glücklich und entspannt aus.
"Fertig? Könne wir rein gehen?"
Snape fuhr zusammen. Er hatte Lucius nicht kommen hören.
"Ja, klar."
Aus irgendeinem Grund, erzählte er nicht, was er gerade gesehen hatte und tat sein bestes, damit sie nicht eher in die Nähe der Kasse kamen, bis daß das sich küssende Paar den Buchladen verlassen hatte.


Tonks hatte ihren Kopf auf die vor ihr verschränkten Arme gelegt und blickte auf die Blase, als würde sie sich einen romantischen Film ansehen. Ihre Füße schwang sie unter ihrem Stuhl hin und her und sie lächelte, wobei ihre Augen aufleuchteten. Sie sah ganz ähnlich aus, ebenso entspannt und plötzlich fiel es Harry auf, wie ähnlich sie der Frau in der Blase sah.
Natürlich, Andromeda war die Mutter von Tonks. Dann mußte der junge Mann, der an ihren Lippen klebte, also Ted Tonks sein, der Mann, der ganz bewußt eine Hexe geheiratet hatte und eine Tochter mit Namen Nymphadora sein eigen nannte - die es allerdings vorzog, nur mit Tonks angeredet zu werden.


Die zwei Jungen trafen sich wieder mit den anderen in dem kleinen Café, das Bellatrix und Narzissa scheinbar so mochten. Goyle drehte und wendete ein kleines Paket in seinen Händen und weigerte sich Fragen, die dessen Inhalt oder die zukünftige Besitzerin angingen, zu beantworten. Ein zweifelnder Blick ließ ihn noch beschränkter aussehen, als gewöhnlich. McNair und Avery unterhielten sich mit gedämpften Stimmen und nippten an etwas, das aussah, wie Kaffee mit einem ganzen Berg Sahne darauf, allerdings schien er Alkohol zu enthalten, denn ihre Augen schienen etwas zu verhangen zu sein. Lucius besorgte Stühle für sich und Snape und ließ sich neben Narzissa nieder, die mit einem jungen Muggel am Nachbartisch flirtete. Lucius funkelte den anderen Mann an und nahm besitzergreifend die Hand des Mädchens in die seine. Sie lächelte.
Snape hatte seine Hakennase bereits tief in das Buch "Die Brautprinzessin" von William Goldman gesteckt und registrierte nicht einmal, daß die Kellnerin eine Tasse mit heißer Schokolade vor ihm abstellte.
"Du hast ein Muggel-Buch gekauft?" zischte Bellatrix den kleineren Jungen an, ihre Stimme leise, damit sie keine Aufmerksamkeit auf sich zog.
"Bleib ruhig, Bella", mischte sich ihre Schwester ein. "Ein Muggel-Buch für Muggel-Geld, das ist doch wohl in Ordnung. Solange er kein wirkliches Geld für Müll wie den da ausgibt..."
Sie beendete ihren Satz nicht, sondern zuckte statt dessen mit den Schultern. Snape sah von seinem Buch auf, offensichtlich verwirrt.
"Was ist so schlimm mit diesem Buch?" fragte er mit leiser Stimme.
"So lange du es nur zu deiner Unterhaltung liest, ist da überhaupt nichts schlimmes", erklärte ihm McNair und klopfte ihm wohlmeinend auf die Schulter.
"Aber erwarte nicht, daß du Weisheit in ihnen findest. Muggel sind genau genommen ziemlich beschränkt. Sie sind lästig, wirklich."
"Was habt ihr beide getrieben, während wir uns unnützen Muggelkram angesehen haben?" erkundigte sich Malfoy und spielte unter dem Tisch mit seinem Zauberstab. Der junge Mann, der mit Narzissa geflirtet hatte, fing ganz plötzlich heftig an zu husten und Leute eilten zu ihm, um ihm auf den Rücken klopfen zu können. Scheinbar hatte er seinen Muffin zu hastig herunter geschlungen und hatte sich gerade an einem verhältnismäßig großen Stück verschluckt. Der blonde Junge lehnte sich auf seinem Stuhl zurück und lächelte zufrieden. Sein Zauberstab war verschwunden.
"Wir haben einigen Spaß an der Kreuzung gehabt", beantwortete Avery die Frage.
"Wußtest du, daß dieser bescheidene Trick bei großen Straßen noch viel mehr Spaß macht? Manche dieser Busse brauchen erstaunlich lange, bis sie zu einem Halt kommen."
Die anderen kicherten fies. Snape hielt seinen Kopf gesenkt, vorgebend zu lesen, doch seine Augen bewegten sich nicht.
"Oh, und erinnerst du dich an den Zauberspruch, den mir Rastaban beigebracht hat? Serpensortia? Der ist geradezu zum Totlachen, wenn du den Spazierstock einer Omi in eine Schlange verwandelst."
Avery schlug mit der Faust auf den Tisch, zitternd vor Lachen bei der Erinnerung daran.
McNair, der offenbar nicht hinter seinem Freund zurückstehen wollte, fügte hinzu:
"Aber das beste war, als wir diese Gruppe von Rentnern ausfindig gemacht hatten, die auf einem Tagesausflug waren. Für die Hälfte konnten wir ohne weiteres den Beinklammer-Fluch verwenden und für die, die Probleme hatten überhaupt noch vernünftig zu gehen, haben wir uns für 'Tarrantallegra' entschieden. Ich glaube, eine der Betreuerinnen war kurz davor einen Herzanfall zu kriegen."
Der ganze Tisch heulte nun vor Gelächter. Tränen kullerten über Bellatrixs Gesicht und sie sah entschieden besser aus, wenn ihr Mund nicht mißbilligend zusammengepreßt war. Snapes Mundwinkel hoben sich ein wenig bei dem Anblick seiner sich vor Lachen kringelnden Freunde.
Letzten Endes kam Crabbe die Straße herunter gerannt und schloß sich ihnen, ein wenig außer Atem, an.
"Was ist so komisch?" fragte er keuchend. "Ich wäre schon früher hier gewesen, aber da hinten an der Kreuzung hat es mehrere Unfälle gegeben. Ich glaube einer diese Lkws hatte was giftiges geladen, denn anschließend bin ich an einigen Leuten vorbei gekommen, die mit sich kämpften und wie wild zuckten. Logischerweise habe ich dann eine Seitenstraße genommen und das ist der Grund, warum ich etwas länger gebraucht habe. Was?"
Er starrte auf seine Schulfreunde, eine tiefe, nachdenkliche Falte auf seiner Stirn, als sie nur hilflos kicherten. Selbst Snape hatte sich ihnen mittlerweile angeschlossen.
"Wir erklären es dir auf dem Rückweg", konnte er aus den Lachattacken heraus hören, als sie sich von ihren Stühlen erhoben und sich wieder in Richtung der belebten Straße aufmachten.
"Seid ihr Kerle klar zum Rennen?" fragte Bellatrix, mühsam ihre Stimme unter Kontrolle bringend und sich die Seiten haltend.
"Klar", nickten die anderen. "Warum?"
"Weil wir nicht bezahlt haben", rief sie über ihre Schulter zurück, selber schon halb die Straße in Richtung Park herunter gelaufen.
Ein hastiger Blick zurück sagte Snape, daß auch die Kellnerin das sehr wohl bemerkt hatte, denn sie fuchtelte, ärgerliche Grimassen schneidend, im Inneren des Gebäudes jemandem zu. Sekunden später stapfte ein Muggel mit sehr breiten Schultern, in schwarze Jeans und ein schwarzes Hemd gekleidet, aus der Tür, seine Augen voller Rachgier. Lucius schnappte sich den jüngeren Knaben beim Kragen und stürmte mit ihm davon, hinter einer immer noch amüsierten Narzissa hinterher.
Tolpatschig beförderte Snape seinen Zauberstab aus der Tasche, versuchte die ruckartigen Bewegungen, die er wohl oder übel mitmachen mußte, unter Kontrolle zu bringen und rief: "Tarrantallegra!" Der Spruch verfehlte den Muskel-Muggel, prallte von einer Straßenlaterne ab und erwische einen ältlichen Gentleman, der seinen Dobermann ausführte. Beide, Hund wie Herrchen, hatte es getroffen, denn sie fingen augenblicklich an, die Straße hinunter - und direkt in die Arme ihres Verfolgers - zu tanzen. Der Zusammenprall war sehenswert und stoppte den Mann nicht weniger effektiv, als wenn der Zauber ihn direkt getroffen hätte. Vielleicht sogar noch etwas besser. Der Dobermann schien sich dafür entschieden zu haben, daß der in Schwarz gekleidete Kerl der Grund für seine unangenehme Lage war und verbiß sich in dessen Bein.
"Du lernst ziemlich schnell", keuchte Lucius und lief weiter den Weg hinunter, den sie gekommen waren.
Snape grinste stolz und überholte den älteren Jungen, sich den anderen weiter vorne anschließend. Sie schlugen ihm anerkennend auf die Schulter und selbst Bellatrix bedachte ihn mit einem ihrer seltenen Lächeln.
"Laßt uns zurück gehen", schnaufte sie zwischen zwei mal tiefen Atemholens. "Und laßt und hoffen, dass Andromeda sich rechtzeitig zu uns gesellt."
Sie durchquerten den Park in sehr viel besserer Stimmung als auf dem Weg in das Stadtzentrum und als sie die Sackgasse erreicht hatten, tauchte auch Andromeda wieder bei ihnen auf. Die anderen sagten nichts, aber Snape schenkte ihr ein verschwörerisches Lächeln und zwinkerte. Sie erwiderte das Lächeln, ein wenig durcheinander.


Den Gesichtern der anderen nach zu urteilen, fanden die Mitglieder des Ordens dieses Zwischenspiel kein bißchen komisch. Mrs. Weasley blickte ungehalten und Dädalus Diggel schüttelte langsam seinen Kopf. Lupin saß bewegungslos am Tisch, seiner Miene war nichts zu entnehmen. Lediglich Tonks schien sich immer noch wohl zu fühlen, vielleicht darin versunken, ihre Mutter so jung zu sehen, so glücklich und so verliebt.
Harry schaute herüber zu Ron, der bemüht war, nicht zu zeigen, wie sehr ihn das alles amüsiert hatte, da er offenbar beschlossen hatte, alles, woran Snape teil genommen hatte, als schlecht einzustufen. Hermine schien ernsthaft erschrocken.
"Komm schon, Fred und George haben auch so was angestellt. Du kannst dich doch sicherlich an ihre Experimente mit den Erstklässlern im letzten Jahr erinnern, oder? Mit der Kanariencreme und dem ganzen Zeug?" flüsterte er ihr ins Ohr. Sie warf ihm einen schockierten Blick zu.
"Dabei ist aber niemand verletzt worden, Harry", flüsterte sie zurück und damit war die Diskussion beendet. Sie hatte ein Argument, das mußte er zugeben.


Zurück in der Gasse zogen sich zuerst die Mädchen um, die Jungen schirmten sie dabei vor neugierigen Blicken ab. Nachdem Lucius und er sich ebenfalls umgezogen hatten, sah Snape sich seine Muggelsachen genauer an. Er erstarrte beim Anblick der Flecken an Handgelenk und Bein.
"Lucius, werden deine Eltern sehr ärgerlich sein? Ich schwöre, diese Flecken waren vorher schon da, ich habe nichts gemacht, ehrlich."
"Entspann dich, die Flecken waren schon vorher da. Denkst du Muggel geben einfach so gute Kleidung weg?" Er verzog das Gesicht bei den letzten Worten. "Sie müssen dazu überredet werden und manchmal mögen sie das ganz und gar nicht. Schmeiße sie einfach in den Mülleimer hinter dir; wir nehmen sie sowieso nicht mit. Vater wird sicherlich etwas anderes auftreiben, nach ihrem nächsten... Treffen."
Snape sah wenig überzeugt aus, starrte aber weiterhin auf die Flecken, mit seiner Hand darüber fahrend.
"Meinst du damit, daß das hier Blut ist?" wisperte er, vorsichtig darauf bedacht, nicht die Aufmerksamkeit der anderen zu erregen.
"Macht das was?" fragte ihn Lucius zurück, drehte ihm den Rücken zu und schloß die Schnallen seiner Stiefel. Snape hatte gerade den Mund aufgemacht, um eine weitere Frage zu stellen, als Bellatrixs ungeduldige Stimme ihnen befahl, sich zu beeilen, sie hätte nicht den ganzen Tag Zeit. Lucius verdrehte die Augen und rannte zu ihr.
Langsam faltete ein sehr verwirrter, dunkelhaariger, hakennasiger Junge das Kleiderbündel zusammen, hob den nächsten Mülleimerdeckel an und wollte eben die Sachen hinein werfen, als eine Bewegung in der Tonne ihn inne halten ließ. Eine der Orangenschalen rührte sich und fiel zur Seite, ein kleines, fellüberzogenes Ohr freilegend. Das Geräusch, das von darunter kam, hörte sich an, als würde ein Baby schreien.
Schnell wischte der Junge die Schalen, Blätter und Dosen beiseite und zum Vorschein kam ein kleines, sehr schmutziges Kätzchen.
"Severus, jetzt aber!"
Lucius hörte sich mehr als nur ungeduldig an. Mit einem letzten unsicheren Blick zog er die verdreckte Katze heraus und schloß den Deckel wieder. Er verstaute das winzige Tierchen sicher in seiner Tasche und hastete auf die anderen zu. Die Muggelkleidung mit den mysteriösen Blutflecken lagen vergessen auf dem Boden.



 

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