Runaway Dragon"

 

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Kapitel 21: Kornblumen und ein grüer Hut



Der Dienstag war wieder unerträglich heiß, und als Draco am Fußballfeld ankam, hörte er einige Stimmen, die sich dafür aussprachen, schwimmen zu gehen statt Fußball zu spielen. Jack war aber nicht nach schwimmen, vielleicht versuchte er immer noch, sich bei Draco für die letzte Niederlage zu revanchieren, und hoffte, daß die Hitze zu seinem Vorteil arbeiten würde.

Draco lächelte und ließ sich neben Cathy ins Gras fallen. Larry fand also, daß sie ihn mochte? Sollte er es mit ihr versuchen? Cathy Cat war ein sehr hübsches Mädchen, und wer wusste ob Pansy sich überhaupt noch für ihn interessierte. Er konnte sich vorstellen, mit Cathy in einem schönen kleinen Haus in West Hogsmeade beim Marktplatz zu leben. Pansy würde ihn wohl für den Vorschlag umbringen, statt in ein Herrenhaus in ein normales Haus zu ziehen. Wenn er West Hogsmeade erwähnte war er so gut wie tot.

Was sprach also gegen Cathy? Pansy gefiel es vielleicht nicht wenn sie versetzt wurde. Andererseits fand sie vielleicht sowieso, daß sie lieber jemanden wollte der reicher und einflussreicher war. Sie würde wohl mit Blaise oder Ian aus der 6. Klasse ausgehen. Beide waren in der Quidditchmannschaft und kamen aus sehr reichen Reinblüterfamilien. Nicht so reich wie die Malfoys gewesen waren, aber reich genug um Pansy Parkinsons Stil zu wahren.

Cathy war aber Jacks Ex. Und jeder wusste, daß Jack noch nicht über sie hinweggekommen war. Wollte er wirklich riskieren, den Bandenführer herauszufordern, nachdem sie nun endlich miteinander auskamen? Wer war das Mädchen in grün mit dem er ihn letzte Woche auf dem Marktplatz gesehen hatte? War es ihm ernst mit ihr? Konnte sie ihn Cathy vergessen lassen? Draco glaubte, er hätte die beiden wieder zusammen gesehen als er mit Larry nach Schachteln gesucht hatte, aber es war nur ein kurzer Blick gewesen und er war nicht ganz sicher. Vielleicht sollte er Severus fragen was er davon hielt?

Dann gab es ein letztes großes Argument dagegen, sich mit Cathy zu verabreden. Er würde am Sonntag nach Amerika ziehen. Er hatte keine Ahnung ob er je eine Chance bekommen würde, wieder nach England zu kommen.

"Was ist mit dir, Drache?” fragte Jack auf einmal. „Du bist heute furchtbar ruhig. Willst du spielen oder nicht?“

"Häh? Natürlich will ich spielen. Ich habe nur nachgedacht, das ist alles.”

"Nachgedacht? Worüber nachgedacht?“, fragte Mike, der sich bequem neben ihm im Gras ausstreckte. „Es ist viel zu heiß um zu denken.“

"Darüber, daß das nächste Paar Verwandte zu dem ich gehen soll irgendwo in Amerika lebt.“

"Amerika!", rief Charlie aufgeregt. "Oh wow! Ich wollte immer nach Amerika! Das ist toll, Drache!“'

"Nein ist es nicht. Sie schicken mich vermutlich in eine amerikanische Schule, und Eulen können nicht von Amerika hierher fliegen. Ich würde einen Albatross brauchen um euch einen Brief zu schicken, und ich wette ich bekomme keinen.“

"Nun, dann bleib hier”, sagte Sammie. “Wir wollen dich alle. Wir haben eine Schule hier, und du brauchst gar keinen Vogel, weil du immer vorbei kommen und selbst mit uns reden kannst.“

"Sammie, Ich habe hier keine Verwandte. Ich habe dir schon gesagt, daß ich nicht ewig bei den Snapes wohnen kann.“

"Dann hoffen wir einfach, daß dich die Amerikaner auch nicht wollen. Keiner von denen die du wolltest wollten dich, also warum bist du so sicher, daß sie es tun?”, sagte Matt von einem kleinen schattigen Flecken unter einem Busch einige Schritte von ihm weg. Er war zu spät angekommen um einen Platz unter dem Baum zu bekommen, wo der Rest von ihnen lag, und musste entweder in der Sonne sitzen oder sich mit der Entfernung abfinden.

"Wenn sie mich nicht wollen, muß ich zu dem unmöglichen Bruder meiner Mutter. Ich könnte nicht ertragen, bei ihm zu leben.”

"Warum? Was ist mit ihm?”, gähnte Mary, die am Baumstamm lehnte und fast eingeschlafen war.

"Er ist eine Art… nun, wie ein Sänger in einer Boygroup. Er hat nur keine wirkliche Band. Er singt nur.“

"Wirklich? Kennen wir ihn?”, fragte Charlie.

"Gringolf Glizzard", knirschte Draco durch zusammengebissene Zähne.

"Gringolf Glizzard! Wirklich! Du bist mit Gringolf Glizzard verwandt? Oh, wow! Das ist so cool!”, schrieen einige Stimmen auf einmal.

Draco hielt sich die Ohren zu um sie nicht zu hören. “Wenn ihr es jemandem sagt bring ich euch um. Der Typ ist ein totaler Idiot, ehrlich. Hört euch nur an was er singt. Er ist vielleicht reich und berühmt, aber ich könnte nicht bei ihm leben.“

"Nun, ich würde sehr gerne bei Gringolf Glizzard leben", sagte Charlie verträumt.

"Oh wirklich?”, fragte Cathy auf einmal. “Dir ist klar, daß immer diese hübschen Filmstartypen von Mädchen bei ihm herumhängen würden, oder? Sie würden dich wahrscheinlich alles für sich holen lassen wie einen Hund.“ Sie deutete auf ‚diesen Hund’, der aufmerksam zwischen Dracos Beinen saß und hoffte, daß er wieder den Ball jagen durfte.

"Ich wette sie haben Hauselfen um das für sie zu machen“, widersprach Mary.

„Und sie würden dir liebend gerne zeigen, daß du in ihren Augen nicht besser bist als ein Hauself. Du denkst nicht wirklich, daß Gringolf Glizzard dir irgendwelche Aufmerksamkeit schenken würde, oder?“, fragte Mike. "Er steckt in seiner Welt der reichen und berühmten. Ich wette er heiratet mal ein Model oder eine Schauspielerin.“

"Wartet nur bis ich eine berühmte Tänzerin bin“, sagte Charlie verträumt. “Dann wird er mich bemerken. Das werden sie alle.”

"Yeah, klar, Charlie. Bis dann ist er wahrscheinlich eh Schnee von gestern”, spottete Jack.

"Ich denke trotzdem, daß er toll ist”, seufzte Mary.

"Ich dachte du liebst Larry”, erinnerte Cathy sie. “Und er mag dich wirklich, weißt du. Gringolf Glizzard würde dir bestenfalls Autogrammfotos geben. Larry liebt dich.”

“Oh, und was hat er mir je gegeben? Wo ist er eigentlich? Er hätte wenigstens sagen können, daß er nicht kommt, damit wir wissen, daß wir nicht auf ihn warten müssen. Ich will spielen.“

Tatsächlich war Larry nirgends in Sicht, und Draco war der einzige der eine Ahnung hatte, wo er sein könnte. Er wusste es aber besser als es zu erwähnen. Mary war also enttäuscht, daß Larry ihr nie ein Geschenk gemacht hatte? Perfekt. Er hoffte nur, daß Larry recht mit ihrer Liebe zu Bohnen jeder Geschmacksrichtung und Kornblumen hatte.

„Warum fangen wir das Spiel nicht ohne ihn an? Wenn er etwas später kommt kann er immer noch mitmachen“, schlug er vor.

”Und was wenn er gar nicht kommt?”, fragte Jack. “Vielleicht hat er Hausarrest und ich spiele mit 2 Spielern weniger.”

"Dann nimm Matt bis Larry kommt”, bot Draco an.

"Nein, ich will Cathy”, schnappte Jack fast automatisch.”

"Ich spiele nicht in deinem Team. Bring das in deinen dicken Schädel, ja?“ Cathy funkelte ihn an.

"Ich dachte du hast sowieso eine neue Freundin?”, versuchte es Draco. „Oder ist sie nur eine normale Freundin?“

"Wen?” Jack sah überrascht aus.

"Die Blonde mit der du auf dem Markt warst. Wer ist sie eigentlich?“

"Oh, Babs. Ja, ich denke sie mag mich, aber ich bin nicht sicher ob ich wirklich mit ihr gehen sollte.."

"Babs?", fragte Cathy überrascht. “Du meinst die große Babs? Ich dachte sie geht mit Steve.“

"Nicht mehr”, grinste Charlie. “Sie haben sich letzte Woche getrennt. Es heißt sie hat ihn erwischt wie er Robin geküsst hat.“

"Einen Augenblick”, unterbrach Draco. „Wer ist die große Babs? Sie hat weder die Insignien des Schwarzen Rings noch die der Rächer getragen. Und ich weiß, dass sie kein Shark ist.“

"Das würde sie auch nicht. Sie ist die Zweite bei den Löwen, und ihre Farbe ist grün“, erklärte Mike. „Was ist los?“

Draco rollte auf dem Boden und lachte so sehr, daß er kaum noch Luft bekam. „Grüne Löwen?”, konnte er schließlich keuchen.

"Ja, was ist daran so komisch?”, fragte Mary verwirrt.

"Slytherin ist Grün. Und die Gryffindors sind die Löwen.”

"Die Typen mit den roten Zimmern?”, fragte Charlie, die sich an ihren Ausflug nach Hogwarts erinnerte.

"Exakt", brachte Draco zwischen einem weiteren Lachanfall heraus. “Wenn Potter das nur wüsste.”

"Wer ist blau?”, wollte Sammie wissen.

"Ravenclaw. Wißt ihr, die Bücherleute. Das nächstbeste zu Slytherin, wirklich.”

"Oh, und wer wären die Sharks?”

"Niemand. Wir haben in Hogwarts keinen Fisch. Nur Löwen, Raben, Dachse und Schlangen.”

"Was hast du denn mit der großen Babs gemacht, Boss?”, wandte sich Mike an Jack.

"Nicht viel.” Jack zuckte mit den Schultern, aber Draco dachte er wäre etwas rot geworden. „Ich habe nur versucht, ein Spiel gegen die Löwen zu arrangieren. Ich werde dafür aber Steve erwischen müssen. Ihr wisst, wie sehr man sich auf das verlassen kann was Babs verspricht.“

"Wirklich! Ein Spiel?”, quietschte Sammie aufgeregt. „Ein richtiges Spiel gegen eine andere Bande?“

"Verlaß dich nicht auf Babs' Versprechen, Sammie", erinnerte ihn Jack sofort.

"Warum nicht?”, fragte Draco. Und da hatte er endlich geglaubt, er würde alle Kinder in der Nähe kennen.

"So hat sie ihren Namen bekommen. Eigentlich war es die großmäulige Babs, aber sie hat es zur großen Baby abgekürzt“, grinste Cathy. „Es ist etwas schmeichelhafter.“

"Okay, genug von Babsy!", befahl Jack. “Larry kommt offensichtlich nicht, also spielen wir. Sammie, du spielst mit mir.”

In dem Augenblick, in dem sie alle aufstanden, tauchte endlich Larry auf dem Weg auf, der vom Fluß herunter führte. Er hatte einen großen Strauß Kornblumen in einer Hand, und etwas das aussah wie ein blaues Herz in der anderen. Zuerst bedauerte Draco, daß er nicht mit Larry Geschenkpapier gekauft hatte, aber dann wurde ihm klar, wie gut die Farbe zu den Blumen passte, und schließlich war es die Farbe der Rakers. Rotes Geschenkpapier wäre in dieser Bande wohl sehr schlechter Stil gewesen.

"Mary?", fragte Larry fast zaghaft als er die mit offenen Mündern dastehende Gruppe erreicht hatte. „Mary, es tut mir leid wie ich mich letzte Woche benommen habe. Ich hätte dich nicht wegen einem blöden Spiel anschreien sollen. Und ich wollte…nun, ich wollte dir sagen, daß es mir leid tut und ich dich liebe und ich habe dir ein kleines Geschenk und Blumen gebracht, um dir zu zeigen, wie sehr es mir leid tut“, endete er schnell.

Mary war in dem Augenblick aufgesprungen in dem ihr klar geworden war, daß die Blumen für sie waren. „Oh Larry!", sagte sie nur, bevor sie ihn umarmte und damit fast die Blumen zerdrückte, aber Larry schaffte es, sie rechtzeitig aus dem Weg zu bringen.

"Oh, wie romantisch”, seufzte Charlie.

"Ja, nicht wahr?”, lächelte Cathy. "Ich hätte nie geglaubt, daß Larry sich so etwas einfallen lassen könnte. Und es sind auch noch ihre Lieblingsblumen. Wie aufmerksam. Ich wünschte ich hätte einen Freund der so etwas macht. Natürlich habe ich immer die herrischen, die mich anschreien und dann erwarten, daß ich am nächsten Morgen alles vergebe und vergesse.“ Sie starrte Jack an, der immer noch Larry mit offenem Mund ansah.

"Nun," gab Larry zu. „Eigentlich war das Geschenk und die Blumen Dracos Idee. Ich habe nur ausgesucht welche ich nehme. Ich habe selbst nie so tolle Ideen.“

„Oh, aber du hast dich an meine Lieblingsblumen und meine Lieblingsfarbe erinnert!“, rief Mary und belohnte ihn mit einem großen Kuß, während alle anderen Draco überrascht anstarrten.

Draco blickte zurück und zuckte mit den Schultern. „Ich habe nur ein paar Vorschläge gemacht, wie man sich mit seiner Freundin versöhnen kann. Es war nichts besonderes. Larry hat nur ein paar Ideen zusammengesetzt und an Marys Geschmack angepasst.”

„Oh, wer hätte gedacht, daß ausgerechnet Larry so romantisch sein könnte!“, seufzte Charlie. "Warum bekomme ich nie Blumen?”

"Ich dachte du wartest auf Gringolf Glizzard?", lachte Mike.

"Nein, ich warte auf einen romantischen Freund der mich liebt und mir Blumen bringt“, beschloß Charlie.

"Vielleicht mußt du nur etwas geduldiger sein”, schlug Draco vor. “Vielleicht hast du ihn nur noch nicht getroffen. Oder,“ er sah wie Sammie weiter hinter Charlies Rücken Matt mit dem Ellenbogen anstieß, „vielleicht braucht er nur noch etwas mehr Zeit um den Mut aufzubringen es dir zu sagen.“

"Du denkst, daß es einmal jemanden geben wird?“, fragte Charlie hoffnungsvoll.

"Natürlich wird es“, ermutigte Cathy sie. „Du bist schließlich eine Tänzerin. Die Jungen lieben Tänzerinnen.“

"Yeah, sie lieben Tanzmädchen in schäbigen Bars. So will ich nicht enden:”

"Nicht der Junge, der dir Blumen gibt”, bestand Cathy. „Die ziehen wirkliche Tänzerinnen vor, und sie wissen Ballett zu schätzen.”

"Bist du sicher? Ich habe noch nie einen Jungen getroffen, der Balletttanz wirklich mochte.“

"Ah, aber ich wette, daß du viele junge Männer gesehen hast, die zu euren Aufführungen gekommen sind“, warf Mike ein. “Ich wette die älteren Mädchen haben alle tolle Freunde, oder?“

"Nun, ja, aber niemand hat sich je für mich interessiert“, seufzte Charlie. “Ich bin einfach nicht hübsch genug.”

"Du bist nur zu jung”, bestand Mike. „Jungen fangen erst dann an, Ballett zu mögen, wenn sie etwas älter sind, also sind sie dann eher an den älteren Mädchen interessiert.“

"Sie sind eh romantischer wenn sie etwas reifer sind”, beschloß Cathy. “Die unreifen machen nur Schwierigkeiten, glaub mir.”

Cathy starrte Jack, der nervös seinen Ball in den Händen drehte, noch immer messerscharf an.

"Können wir endlich mit dem Spiel anfangen?”, fragte er als sich alle umdrehten um ihn anzustarren.

“Ich muß erst die Blumen in eine Vase stellen!”, widersprach Mary, die endlich Larry los ließ. „Und mein Geschenk aufmachen!”

Jack verdrehte die Augen und seufzte demonstrativ. „Wirklich, Larry, musstest du mit dem Blödsinn anfangen? Ich habe auch kleine Auseinandersetzungen mit meiner Freundin, und ich habe nie eine große Show daraus gemacht, oder?”

”Und du hast keine Freundin mehr”, erklärte ihm Larry schulterzuckend. „Im Gegensatz zu dir will ich mir keine andere anlachen. Ich liebe Mary und keine andere.“

“Vielleicht solltest du Babs ein paar Blumchen bringen, Boss?“, schlug Sammie so leise flüsternd vor, daß Draco ihn kaum verstand.

Jack funkelte ihn an. „Es ist mir nicht mal ernst mit der großen Babs."

"War es dir schon mal mit einem Mädchen Ernst?”, fragte Cathy.

"Nun, du könntest darüber nachdenken wenn's dir mal ernst ist“, sagte Draco leichthin. „Wenigstens hat es bei Larry toll funktioniert, und ich habe auch in der Schule gesehen, daß einige Jungen ähnliche Szenen erfolgreich abgezogen haben.”

"Pah, Blödsinn für Reiche!“, schnaubte Jack, und ging ohne Erklärung.

"Bohnen jeder Geschmacksrichtung!“, kreischte Mary aufgeregt. „Oh ich liebe Bohnen jeder Geschmacksrichtung!“

“Ich weiß”, murmelte Larry. “Deswegen habe ich sie ausgesucht.“

"Oh, Larry! Ich weiß nicht warum ich je an deiner Liebe gezweifelt habe.“

Mary ließ dieser Erklärung einen weiteren langen Kuß folgen, und Draco drehte sich wieder um, um nach Jack zu sehen, aber der Bandenführer war verschwunden, und er hatte seinen Ball mitgenommen.

'Nun, ich schätze wir spielen heute doch nicht Fußball’, dachte Draco, aber dann fiel ihm etwas besseres ein. “Hey Matt, warum gehst du nicht deinen Ball holen, während Mary sich um ihre Blumen kümmert?”, schlug er vor. „Ich denke nicht, daß wir schon mal richtig damit gespielt haben.“

"Oh ja! Sicher! Bin gleich wieder da!” Matt rannte strahlend vor Freude davon



***

Jack war wieder da als sie am Nachmittag schwimmen gingen. Er sagte nicht, wo er am Vormittag hin gegangen war, und Draco beschloß, nicht danach zu fragen. Er hatte sowieso anderes im Kopf. Larry und Mary waren noch immer unzertrennlich, und sahen zusammen völlig glücklich aus.

Sollte er ein paar Löwenzahnblumen pflücken und Cathy schenken? Es wuchsen mehr als genug am Fluß, und sie waren nahe genug, so daß er weniger als 5 Minuten brauchen würde um einen schönen Strauß zu pflücken.

Aber wollte er wirklich mit Pansy Schluß machen? Wenn er Cathy Blumen brachte, war es eine Bindung. Er konnte sich dann nicht mehr mit Pansy verabreden. Aber was war wenn Pansy ihn nicht mehr wollte? Er würde lieber mit Pansy Schluß machen, als Pansy mit ihm Schluß machen zu lassen.

Andererseits, was war wenn Pansy ihn weiter wollte? Es war erwartet worden, daß er sie später in seinem Leben heiratete. Nun, es war auch erwartet worden, daß er eines Tages Voldemort diente und Malfoy Manor erbte.

Aber wenn er beschloß, mit Cathy auszugehen und ihn seine Familie in Amerika dann nach dem Sommer nicht wieder nach Hogwarts kommen ließ, war das Cathy gegenüber fair?

Er wog noch immer seine Möglichkeiten gegeneinander ab als sie den See erreichten, aber der Kampf um den Baumstamm verbannte all diese Gedanken aus seinem Kopf.

„Ich habe gestern auf dem Markt Mark das Fischchen gesehen“, erklärte Jack als er bequem auf dem Stamm saß.

“Oh? Ich dachte die Sharks wären alle zuhause geblieben. Wenigstens habe ich nirgends blaue Haare gesehen“, erklärte Charlie.

„Er hat einen Hut getragen“, grinste Jack. „einen hässlichen alten grünen Hut. Susie und Beth schwören, daß sie ihn heute früh wieder damit gesehen haben.”

"Oh, ich wünschte ich hätte das gesehen!“, sagte Sammie. "Ich habe keinen einzigen Shark gesehen, seit wir die Wasserbomben auf sie geworfen haben.“

”Ich habe gestern vier gesehen”, grinste Draco.

”Vier? Auf dem Markt?”, fragte Charlie ungläubig.

"Nein, zu Hause. Die Mum der Zwillinge wollte ein Gegenmittel, und Onkel Severus und ich hatten etwas Spaß mit ihnen. Wir können sie jetzt etwa eine Woche lang auseinanderhalten.“

"Auseinanderhalten?“, wiederholte Mike. „Wie?”

"Nun, in dieser Woche ist Andy der mit den rosa Haaren.” Draco wartete einen Augenblick um das Gelächter und die erschrockenen Blicke zu genießen. „Und Andy ist der, der Rauch atmet.”

"Rauch atmet?”, fragte Matt ungläubig. „Wie ist das passiert?“

"Nebenwirkungen der Gegenmittel die Onkel Severus an ihnen ausprobiert hat. Ihr hättet ihre Gesichter sehen sollen, als sie sie trinken mussten. Wir haben in jeden Trank eine ganze Pfefferwurzel und 10 Zitronenblätter gemischt.“

Platsch! Sammie hatte sich nicht mehr auf dem Baum halten können weil er zu sehr lachte. Larry versuchte ihn herauszufischen, aber er lachten ebenfalls zu sehr, und Sammie wollte nicht warten. Er versuchte, alleine wieder hinauf zu steigen, drehte den Baumstamm und warf sie alle ins Wasser.

"Ahh! Sammie!", quietschte Charlie, die ein unerwartetes Bad gar nicht mochte.

Sammie erkannte den Tonfall und schwamm davon, bevor sie wieder an die Oberfläche kam. Charlie folgte ihm sobald sie ihre Orientierung zurück bekam.

Draco fing an, wieder hinauf zu steigen, aber Mike schüttelte den Kopf. „Nein, wir schwimmen ihnen besser nach und halten Charlie auf, bevor sie Sammie umbringt.“

"Charlie?", fragte Draco überrascht. „Sammie umbringen?“

"Sie ist vielleicht nicht oft wütend, aber wenn dann wird sie richtig wütend. Glaub mir, Sammie hat in diesem Zustand keine Chance gegen sie“, bestätigte Cathy.

"Sie bringt ihn wahrscheinlich nicht wirklich um, aber sie könnte ihm wirklich weh tun“, berichtigte Matt.

Als Draco aber trockenes Land erreichte, hatte Mary die beiden schon getrennt, und Sammie sah nicht angeschlagen aus. Charlie sah ihn etwas finster an, aber das war alles.

Also warf sich Draco einfach auf sein Handtuch, ließ sich von der Sonne trocknen, und erzählte ihnen den Rest der Geschichte, womit er nicht nur die Rakers, sondern auch einige kleinere Kinder unterhielt, die im seichten Wasser gespielt hatten als sie angekommen waren, und die sich vorsichtig genähert hatten, als keiner sie verscheuchte.

"Ich denke das ruft nach einer Patrouille für Morgen”, beschloß Jack, der sich bequem auf seinem eigenen Handtuch ausstreckte. „Gehen wir Sharks suchen.“

“Denkst du sie sind überhaupt draußen?“, fragte Draco überrascht.

“Sie können nicht die ganze Woche zu Hause bleiben”, beschloß Mike. „Das wenigste was sie tun müssen ist herauszukommen um den Müll wegzubringen, und so heiß wie es ist, werden sie nicht lange vom See wegbleiben. Wir müssen nur geduldig sein und aufpassen.“

Draco kam an diesem Tag wieder zu spät nach Hause, aber nicht so spät wie am ersten Tag, an dem er mit den Rakers schwimmen gegangen war. Billy begrüßte ihn mit einem sehr hungrig klingenden "Dako!", aber die Snapes hatten das Abendessen noch nicht fertig.

Während er das Baby fütterte bemerkte er, daß Severus wieder in einem Buch vergraben war, und es sah aus als wäre es voller Landkarten.

"Hat Jeremiah wirklich die Adresse der Colemans geschickt?”, fragte er, als er sich mit einem sehr verschlafenen Billy in den Armen an den Tisch setzte.

Er sollte das Baby jetzt ins Bett bringen, aber er war zu neugierig darauf was Severus herausgefunden hatte.

“Ja, es scheint sie leben in einer Stadt in New Jersey. Es sieht nicht aus als hätten sie da ein großes Herrenhaus, aber ich denke, daß wir ein großes Haus mit Garten erwarten können... und viele andere Kinder in der Nachbarschaft, mit denen du dich anfreunden kannst. Wir müssen nur herausfinden wie wir hinkommen.“

"Dann warst du heute in Hogwarts? Ist der Direktor wieder da? Hast du ihn gefragt ob ich weiter nach Hogwarts gehen kann?“

"Langsam, Draco! Eine Frage nach der anderen. Ja, ich war den ganzen Nachmittag im Schloß. Nein, Albus ist noch nicht wieder da, aber Minerva ist zurück, und ebenso nervig Gryffindor wie immer. "

"McGonagall? Was macht McGonagall mitten in den Ferien in Hogwarts?”

"Im Augenblick schreibt sie die Aufnahmebriefe für die Erstklässer dieses Jahres, und das bringt sie in schlechte Stimmung.” Severus runzelte die Stirn.

"Oh, ist das so ein schlimmer Job?”

"Es ist viel Arbeit. Schließlich kommen in diesem Jahr etwa 40 neue Kinder nach Hogwarts, was heißt, daß sie 40 fast identische Briefe schreiben muß"

"Gibt es keine Sprüche dafür?”, fragte Draco überrascht. McGonagall konnte doch wohl nicht all diese Briefe von Hand schreiben müssen, oder?

"Es gibt natürlich eine verzauberte Feder, die die Briefe kopiert, wenn sie den ersten geschrieben hat, aber sie muß ordentlich überwacht werden, und die Namen der Schüler und die Unterschrift müssen von Hand eingefügt werden, und sie werden etwas komplizierter für die höheren Klassen, in denen die Schüler verschiedene Stunden haben und daher verschiedene Bücherlisten brauchen. Dann gibt es die Briefe an die neuen Vertrauensschüler und an Schulsprecher und Schulsprecherin. Minerva wird immer etwas reizbar wenn sie viel Arbeit vor sich hat. Sie beruhigt sich wenn sie zu den Siebtklässern kommt und die meisten Briefe verschickt sind.”

"Findet mich der Brief je, wenn ich in Amerika bin? Eulen können das Meer nicht überqueren, oder?“

„Nein können sie nicht, aber macht dir darüber keine Sorgen. Wir können immer beim Postamt einen Albatross mieten, oder jemanden über das Flohnetzwerk schicken.“

Jemanden schicken? Nun, das klang gut. Draco lächelte. “Denkst du, sie schafft es, die Fünftklässer anzuschreiben, bevor ich nach Amerika muß?”

"Nein, Draco. Sie fängt vielleicht in dieser Woche mit den Drittklässern an, aber weiter kommt sie nicht.“

"Aber wird sie wissen wo ich bin, wenn sie meinen Brief verschickt? Was ist wenn die Eule zurück kommt?“

"Wenn eine Eule an einen älteren Schüler ungeöffnet zurück kommt wird als erstes der Direktor und der Hauslehrer des Schülers informiert. Und ich weiß wo wir dich finden können. Du bekommst deinen Brief.”

Draco lächelte. Es war gut zu wissen, daß Severus da sein würde um ihm zu helfen, auch wenn er selbst nicht mehr da war.



***

Die Patrouille der Rakers am nächsten Morgen war wirklich sehr erfolgreich. Die Sharks trafen sich tatsächlich unter demselben Baum, unter dem Draco sie das erste Mal gesehen hatte, und starrten die Rakers mit messerscharfen Blicken an, als sie ankamen. Mark the Shark selbst trug noch immer den hässlichen alten Hut, während der Hübsche Ricky sich ein Tuch über die Haare gebunden hatte, womit er noch lächerlicher aussah als mit den blauen Haaren.

Die Zwillinge hatten aufgegeben zu versuchen, ihre Haare mit den Stirnbändern zu bedecken. Vielleicht hatte sie der Anblick von Rickys Kopftuch davon überzeugt, daß alles besser war als so auszusehen. Sie trugen ihre Stirnbänder jetzt normal, was sich furchtbar mit Andys Haaren biß. Chris und die beiden Mädchen fehlten, aber Draco konnte nicht sagen ob sie sich noch versteckten, oder auf eine Mission geschickt worden waren. Es war den Rakers sowieso ziemlich egal. Sie hatten Sharks sehen wollen, und sie hatten Sharks gefunden.

"Hey Alex, weißt du nicht, daß Rauchen schlecht für die Gesundheit ist?“, rief Jack dem noch immer blauhaarigen Zwilling zu, und wurde mit dem Anblick eines großen wütenden Rauchstoßes belohnt, der aus der Nase des Sharks kam.

"Da ist ja der Club der blauen Haare!”, tat Draco überrascht. „Bist du sicher, daß du dazu gehörst, Rosa? Du scheinst die falsche Farbe zu haben.”

Andy sprang dabei vor, und musste von seinem Bruder und Robin zurückgehalten werden.

"Sag, Ricky, weißt du nicht, daß nur Mädchen solche Kopftücher tragen? Oder heißt du jetzt Ricketta?", fragte Charlie.

"Vielleicht heißt das Rickina oder Ricka", schlug Cathy Cat vor.

"Wo hast du den Hut gefunden, Fischchen? In der Mülltonne?“ Mike grinste nur einen Augenblick lang, bevor Mark auf ihn sprang und ihn sofort unter seinem Gewicht zu Boden drückte.

Draco hatte gerade genug Zeit um zu bemerken, daß sich Jack auf Mark warf bevor die Zwillinge sie messerschwingend erreicht hatten. Verdammt! Auf einmal fiel ihm sein verlorener Türgriff ein.

Gerade als er glaubte, jetzt wirklich in Schwierigkeiten zu sein, tauchten Mary und Larry von beiden Seiten auf und packten je einen Zwilling.

Draco sah sich nach einem Gegner um, sah aber, daß alle beschäftigt waren. Ricky war schon verschwunden. Charlie, Matt und Sammie spielten mit Bobby und Marvin hatte die glänzende Idee gehabt, Mike in dem Augenblick anzugreifen, in dem Mark ihn losgelassen hatte um sich um Jack zu kümmern. Draco grinste boshaft. Marvin war vielleicht mehr als Sammie ertragen konnte, aber das hieß nicht, daß er nicht mit Mike fertig wurde.

Draco sah keinen wirklich würdigen Gegner, und packte Robins Haare um sie von Cathy herunter zu ziehen. Er zögerte einen Augenblick und fragte sich ob es schlechter Stil war, ein Bandenmädchen zu schlagen, und Robin ergriff die Gelegenheit um sich umzudrehen und wegzulaufen. Bobby und Marvin folgten ihrem Beispiel sofort, und bald flohen auch die anderen Sharks. Nur Mark wagte es, lange genug langsamer zu werden um ihnen zuzuschreien: “Wir erwischen euch noch! Wartet nur!“ Aber das störte die Rakers nicht sonderlich. Sie hatten schon gewusst, daß sich die Sharks an ihnen rächen würden. Was sollten sie sonst schon tun?

Einige kleine Möchtegern-Sharks, die gekommen waren um dem Kampf zuzusehen, verschwanden schnell um Ecken und unter Büschen. Es war ein normales Ereignis nach einem Kampf, und Draco hätte sie gar nicht beachtet, wenn es ihn nicht an etwas anderes erinnert hätte.

„Habt ihr je was mit den beiden kleinen Ratten angestellt, die für Mark unseren Ball gestohlen haben?”, fragte er in den siegreichen Jubel.

Das brachte Jack sofort zum Schweigen. Sie hatten völlig vergessen, den beiden kleinen Möchtegern-Sharks eine Lektion zu erteilen. „Hast du noch was von dem Trank übrig?“

Draco schüttelte traurig den Kopf. Nein, er hatte den Rest schon austrocknen lassen.

“Sie würden es eh erwarten, und für Kinder ist es etwas hart“, beschloß Mike. “Etwas blaue Sprayfarbe sollte für sie reichen.”

Jack dachte einen Augenblick lang darüber nach, dann nickte er. „In Ordnung. Haben wir noch blaue Farbe übrig?”

Es stellte sich heraus, daß es nicht viel war, aber sie beschlossen, daß zwei Dosen reichen sollten um zwei kleine Möchtegern-Sharks blau zu färben, und grüne Farbe würde fast ebenso gut gehen wenn es doch nicht reichte.

Nun mussten sie nur noch Toby und Mely finden. Zuerst stellte sich die Suche am Nachmittag als erfolglos heraus, weil alle Möchtegern-Sharks schlau genug gewesen waren, sich aus der Nähe des Rakerterritoriums zurückzuziehen.

Jack brach schließlich die Suche ab und verschob die Rache an den beiden Kindern auf den nächsten Tag. Sie hatten nach ihrem Vergehen eine ganze Woche vergehen lassen, also störte ein weiterer Tag nicht wirklich.


Kapitel 20

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