Lumos

 

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Kapitel 14: Nächtliche Begegnung



Harry erwachte mitten in der Nacht davon, dass jemand ihm permanent in die Rippen trat. Mühsam raffte er sich auf. "Ron!" nuschelte er. Aus dem Bett neben ihm kam keine Reaktion, dafür bekam er eine Minute später einen Schlag in den Bauch. "RON! Lass das .. lass es.. RON!"

Neben ihm erhob sich ein roter Wuschelkopf. "Grmpf?"

"Du hast einen sehr lebhaften Schlaf."

"Hmpf."

Nachdem nach einigen Minuten wieder keine Reaktion kam und Harry davon ausgehen konnte, dass Ron wieder schlief - was ihm einige Zeit später durch einen weiteren Tritt in die Rippen bestätigt wurde - beschloss Harry, aus dem Bett zu steigen. Er setzte sich auf und spähte ins Zimmer. Die Uhr, die auf dem Schreibtisch stand zeigte halb drei an und durch das große Fenster schien der Vollmond. Hellwach stand er auf und schaute aus dem Fenster über das Gelände. Der Mond warf ein sanftes Licht über den Wald, die sanften Hügel. Beim Anblick eines Sees bemerkte er, dass er Durst hatte und beschloss, auf die Suche nach der Küche zu gehen und um etwas Wasser zu bitten. Er schlüpfte in seine Robe und Hausschuhe und schlich aus dem Zimmer. Vorsichtig schloss er die Tür hinter sich und tappte den Flur entlang.

Im Haus herrschte vollkommene Stille, der Flur war dunkel. Eine Zimmertür war nur angelehnt, alle anderen geschlossen. Er verließ den Flur, lief leise durch das Wohnzimmer und schlich dann die Treppe hinunter. Am Ende der Treppe sah er sich um. Es gab nur einen Gang, der zu Küche führen könnte und so entschloss er sich, ihn auszutesten. Am Ende des dunklen Ganges war eine Tür, hinter der Licht zu sehen war und er klopfte.

"AH!" Erschrocken schrie er auf, als die Tür aufschwang und eine eifrige Hauselfe vor ihm stand. "Ohhhh... Gäste! Gäste! Komm rein, Gast!" Die Elfe hüpfte aufgeregt auf der Stelle und zog Harry dann in eine große, helle Küche. Er stolperte nach vorne und sah sich um. Mindestens zehn Hauselfen flitzten aufgeregt herum. Anscheinend bereiteten sie schon das Frühstück vor, denn es duftete herrlich nach Pfannkuchen. Die Elfe, die Harry in die Küche gezogen hatte, hüpfte vor ihm auf der Stelle. "Jimmy!" sagte die Elfe stolz und zeigte auf ihre Brust.

Harry lächelte. "Harry", antwortete er und zeigte auf seine Brust.

"Ohh.. Master Harry. Gast von Professor?"

Harry nickte.

"Gut. Was kann Jimmy für Gast Harry tun?"

Harry lachte. "Ein Glas Wasser wäre toll.."

Fünf Sekunden später hielt Harry ein großes Glas Wasser in der Hand und wurde von der Elfe hinauskomplimentiert. "Gast Harry kann morgen frühstücken... jetzt schlafen!", sagte die kleine Elfe bestimmt. Nur wenige Sekunden später stand Harry wieder vor der Küche und machte sich daran, mit seinem Glas Wasser die Treppe hinaufzulaufen.

Als Harry auf halber Höhe der Treppe ankam, wurde die Stille des Hauses von einem leichten Klirren unterbrochen. So schnell wie es gekommen war, verschwand das Klirren auch wieder und es herrschte Stille. Harry, der wie angewurzelt stehen geblieben war, sobald das Geräusch zu hören gewesen war, schlich leise die Treppe höher. Er tastete in den Taschen seiner Robe nach seinem Zauberstab, fand ihn und umklammerte ihn. Am Ende der Treppe angekommen, schlich er in eine Nische und schaute sich um. Das Wohnzimmer schien verlassen zu sein. Er ging in die Mitte des Zimmers, in der die Sofas um die Feuerstelle standen, und verharrte dort. Plötzlich schien es ihm, als hätte sich ein Schatten auf der Treppe bewegt, aber als er näher hinschaute, sah er nichts.

Er drehte sich um, um in die Bibliothek zu schauen. Das Zimmer lag verlassen dort. Als er sich erneut umdrehte, schrie er auf. Direkt vor ihm stand eine große Gestalt, ganz in eine schwarze, weite Robe gehüllt und maskiert. Bevor er erneut Luft holen konnte, um zu schreien oder sonst irgendwie zu reagieren, schnellte eine behandschuhte Hand hoch und hielt ihm den Mund zu. Entsetzt starrte er auf die weiße Maske, hinter der zwei Augen gefährlich glitzerten. Dann wurde er nach hinten gezerrt und auf das Sofa gesetzt.

Mit weit aufgerissenen Augen starrte er die Gestalt an, in seinem Kopf wirbelten die Gedanken nur so umher. Er hatte keine Chance sich zu wehren. Dann hörte er die Gestalt etwas flüstern. "Ich lasse jetzt los und sei still!"

Harry nickte mühsam und wurde freigelassen. Er rang nach Atem, schrie aber nicht. Die Gestalt ging einen Schritt zurück und streifte die Kapuze vom Kopf. Dann nahm sie die Maske ab und Harry schnappte nach Luft. "Professor?"

Snape seufzte und ging einen Schritt zurück.

Harry starrte ihn an, dann dämmerte ihm, dass Snape in voller Death Eater Uniform gekleidet war. Anscheinend war er gerade unterwegs gewesen. "Sie haben gute Reaktionen, Professor."

Snape grinste spöttisch. "Was erwarten Sie, Mr. Potter? Sie wissen, in welchen Umgebungen ich mich aufzuhalten pflege. Ich hätte Ihnen allerdings ein größeres Reaktionsvermögen zugetraut."

Harry schüttelte sich. Es war eine extrem unheimlich Szene. Das Mondlicht fiel durch die großen Fenster des Wohnzimmers und beleuchtete Snape auf unheimlichste Art und Weise. Durch das Mondlicht sah seine Gesichtshaut kalkweiß aus und die schwarzen Augen glänzten unheimlich. Das Einzige helle an seiner Gestalt war die weiße Maske, die er in den Händen hielt.

Snape brach als erster die Stille. "Mr. Potter, ich verbitte mir, dass Sie hier Nachts herumschleichen. Seien Sie froh, dass ich Sie nicht aus Versehen getötet habe. Des weiteren kann es vorkommen, dass ich nicht allein bin, wenn ich zurück komme. Bleiben Sie deswegen Nachts in Ihrem Bett, in Ihrem Zimmer." Dann drehte er sich um und verschwand in dem dunklen Gang.

Harry saß noch einige Minuten still auf dem Sofa, versucht, sein klopfendes Herz zu beruhigen. Ganz gelang es ihm nicht, und als er aufstand und durch den Gang zurück zu seinem Zimmer ging, hatte er immer noch weiche Knie. Er hätte nicht gedacht, dass Snape ein derartiges Reaktionsvermögen hatte. Andererseits musste er es gleich in zweifache Hinsicht haben - einerseits wegen seiner Spionagetätigkeit, andererseits wegen seiner Lehrtätigkeit. Sonst hätten ihn sicherlich schon irgendwelche Erstklässer in die Luft gejagt - und das ganze restliche Schloss mit dazu.

Sanft, um Ron nicht zuwecken schloss er die Tür hinter sich. Allerdings hätte er Ron auch nicht geweckt, wenn er sie zu geschlagen hätte. Ron schlief tief und fest, ausgestreckt über Harrys und seine Betthälfte. Seufzend schob Harry seinen besten Freund zur Seite und beförderte ihn - aus Versehen - aus dem Bett - direkt auf den Fußboden. Dann fiel er in sein Bett und schlief sofort ein. Das Ron wütend fluchend einige Minuten später wieder ins Bett kletterte und Rache schwor, bekam er nicht mehr mit.


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