Lumos

 

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Kapitel 22: Garten



Am nächsten Morgen erwachte Harry wie gerädert. Alle anderen waren schon auf und der Schlafsaal war so gut wie verlassen. Nur Neville saß noch auf seinem Bett und versuchte seine Kröte zu finden.

"Morgen", nuschelte Harry, wühlte sich aus seinen Lacken und stand auf. Neville, der nicht mit dieser Begrüßung gerechnet hatte, fiel dabei vor Schreck von seinem Bett - und entdeckte seine Kröte, die unter selbigem saß. "D..danke Harry. Morgen."

Nachdem er sich angezogen hatte, ging er hinunter in den Gemeinschaftsraum, wo er mit großem Hallo begrüßt wurde. "Morgen Harry." Er grinste in alle Richtungen und ließ sich dann in einen Sessel neben Ginny fallen. "Morgen Mine, morgen Ron, morgen Ginny, morgen - Lumos?"

In einem der Sessel saß der schwarzhaarige Gryffindor und grinste Harry breit an. "Morgen Harry."
Überrascht blieb Harry stehen. "Lumos? Wo zum Teufel kommst du her?"
Verwundert starrten Ron und Hermine ihn an. "Was meinst du mit 'wo kommst du denn her'?", erkundigten sie sich.
Lumos schaute ebenfalls verwundert. "Ich komme aus meinem Bett, woher denn sonst?"
Harry war mehr als verwirrt. Aus seinem Bett? "Wo warst du gestern beim Abendessen?"
Ron, Hermine und Ginny betrachteten ihn mit demselben Blick, mit dem McGonagall Neville bedachte, wenn er seine Eule in die Luft gejagt hatte - mitleidig, wie man jemanden betrachtet, der seiner Sinne nicht mehr habhaft ist. "Harry, Lumos war den ganzen gestrigen Abend da. Er saß neben dir. Vielleicht solltest du ins Bett gehen?" Sanft hatte Hermine ihre Hand auf seine Schulter gelegt, während Ron und Lumos einen mitleidigen Blick gewechselt hatten.

"Lumos war gestern Abend überall, aber nicht beim Abendessen. Ron, du hast es doch selbst gesagt!" Um Zustimmung heischend warf Harry einen flehenden Blick zu Ron, der aber nur die Schultern zuckte. "Lumos saß an unserem Tisch, Harry. Was ist los mit dir?"
Müde schüttelte Harry den Kopf, und legte eine Hand an die Stirn. "Müde. Verwirrt. Ich geh raus, kommt jemand mit?"

Nachdem keiner der Gryffindors sich vom warmen Kaminfeuer losreißen konnte, ging Harry allein auf eine kleine Wanderschaft durch die Gänge. Er spazierte durch Hogwarts, und wie schon so oft fand er sich schließlich in einem kleinen Gang wieder, den er noch nie gesehen hatte. Sein Gespür sagte ihm, dass er sich in der Nähe der Slytherinquartiere befand, und dass diese Umgebung für einen Gryffindor nicht unbedingt die Sicherste und Beste war.

Seine Vermutung sollte bestätigt werden. Als er um eine Ecke bog, sah er Draco Malfoy. Der junge Slytherin lehnte an einer Wand, vor sich Grabbe und Goyle, und redete auf sie ein. "Idioten, das seid ihr beide. Dämliche Idioten. Warum gebe ich mich eigentlich mit euch ab?", fluchte er gerade lautstark. Schnell drückte Harry sich an die Wand, direkt neben einem Wandteppich, auf dem ein Obstkorb abgebildet war. Zutiefst hoffte er, dass Malfoy ihn nicht bemerkt hatte - er hatte nicht das Bedürfnis nach einem Duell.

"Warum könnt ihr nicht einmal tun, was ich euch sage?", fluchte Malfoy herzhaft weiter. Harry hörte das Gemurmel von Grabbe und Coyle, und dann das Rascheln von Papier. "Mein Vater sagt, dass es bald vorbei sein wird. Und ihr Idioten seid zu feige?" Wieder erklang das Gemurmel von den beiden dicken Jungen, und dann hörte Harry Schritte, die sich verdächtig schnell in seine Richtung bewegten.

"Wenn ihr... ach, was haben wir denn da? Wartest du auf deine Mami, damit sie dich nach Hause führt, Potter?" Bevor Harry auf nur den Versuch einer Flucht machen konnte, baute der blonde Junge sich vor ihm auf.
"Nicht im geringsten, Malfoy. Ich wollte gerade gehen." Doch bevor Harry sich von der Wand lösen konnte, verbauten die beiden Leibwächter Malfoys ihm den Weg. "Nicht so schnell, Potter. Was macht ein widerlicher Gryffindor wie du im Gang von den Slytherinquartieren? Wolltest du dich einschleichen? Lauschen, was Potter?"
Harry schüttelte den Kopf.
"Glaub niemals, dass ihr grässlichen Gryffindors in unsere Quartiere kommen würdet. Die würdet ihr ja nicht einmal finden."
Insgeheim musste Harry sich das Grinsen verkneifen. Was würde Malfoy sagen, wenn er wüßte, dass Harry sehr wohl schon in den Slytherinquartieren gewesen war? Leider konnte er sich ein kleines Lächeln nicht verkneifen, und Malfoy packte ihn am Kragen.

Bevor allerdings irgendetwas anderes geschehen konnte, erklangen hinter ihm Schritte. "Mr. Malfoy, Mr. Potter, dürfte ich erfahren, was hier vorgeht?", ertönte die Stimme von Professor McGonagall hinter ihnen. Schnell trat Malfoy einen Schritt zurück, und gab Harry frei. "Wir hatten eine Diskussion, Professor", verteidigte er sich.
"Das sah mir aber nicht nach einer Diskussion aus. Fünf Punkte von Slytherin, Mr. Malfoy. Ich verbitte es mir, dass Sie einen Schüler verprügeln, egal aus welchem Haus." Wütend starrte Malfoy McGonagall an, dann drehte er sich auf dem Absatz um und verschwand, gefolgt von Crabbe und Goyle. Erleichtert ließ Harry die Schultern hängen, misstrauisch beäugt von McGonagall. "Gehen Sie wieder in die Gryffindorquartiere. Und keine Abenteuer dieses Jahr, Mr. Potter." Dann wandte sie sich um und ging.

Schnell folgte Harry ihr, um in einem weiteren Gang Malfoy, Crabbe, Goyle und Snape zu sehen. Offensichtlich beschwerte Malfoy sich gerade bei seinem Hauslehrer über den Punkteabzug, wurde aber von Snape erst 'abgewürgt' und dann zurechtgewiesen. Sicherlich wies Snape ihn an, sich das nächste Mal nicht erwischen zu lassen...

Fröhlich grinsend lief Harry wieder durch die Gänge Richtung Gryffindorturm. Fast hätte er vergessen, warum er aus dem Turm geflohen war, als sich das Portraitloch öffnete, und Hermine, Ron und Lumos herauskamen. "Oh, hi Harry. Wir wollten spazieren gehen. Kommst du mit?" Harry ließ seinen Blick von Ron zu Hermine, und dann zu Lumos wandern, die seinen Blick offen erwiderten. In seinem Magen bildete sich sein seltsames Gefühl. Es war mehr eine Art Kribbeln als ein Gefühl, aber trotzdem konnte er es nicht verdrängen. Er schüttelte den Kopf.

"Nein, danke Mine. Ich wollte noch in die Bibliothek."
Sie nickte, und lächelte. "Grüß die Bücher, sag ihnen, dass ich morgen wiederkomme." Dann verschwand sie mit Lumos und Ron.

Obwohl er eigentlich nicht vorgehabt hatte, wirklich in die Bibliothek zu gehen, verbrachte er schließlich den ganzen Vormittag bis zum Mittagessen dort. Er wühlte sich einmal quer durch die interessanten Bücher mit seltenen Zaubersprüchen, probierte einige aus - wobei er aus Versehen fünf Bücher entzündete und drei Schreibfedern explodieren ließ - und war schließlich ziemlich stolz auf sein neu erworbenes Wissen. Obwohl er nie ein Bücherwurm gewesen war, nahm er sich fest vor, Hermines Beispiel zu folgen und einen solchen Tag öfters einmal zu wiederholen.

Als er schließlich mit drei weiteren Büchern unter dem Arm in der Großen Halle zum Mittagessen erschien, wunderte Neville sich sehr über seinen Anblick. Da Ron, Hermine und Lumos immer noch unterwegs waren, unterhielt er sich mit Neville und Ginny, und beschloss schließlich, nach dem Mittagessen bei Hagrid vorbei zu schauen. Schließlich konnte es ja sein, dass die drei dort auf einen Tee vorbei geschaut hatten, und immer noch dort waren.

"Hagrid?" Fest klopfte er an der schweren Holztür, und wurde, nachdem Hagrid die Tür geöffnet hatte, von Fang fast überrannt. "Oh, hej Harry. Kom rein. Wie steht's?" Hagrid war, wie immer, über seinen Besuch glücklich, und zog ihn sofort in sein Haus.
"Hey Hagrid. Sind Mine und Ron bei dir?" Hagrid schüttelte den Kopf. "Ne, aber ich hab die in den Wald gehen sehen. Mit so einem Schwarzhaarigen. Sieht seltsam aus, der Kerl. Naja. Willste einen Tee und ein Plätzchen?"

Den Nachmittag verbrachte er bei Hagrid - bei Tee, Plätzchen (die er mit Vorsicht genoß - er hatte noch nie sehr gute Zähne gehabt, und man sollte sein Glück ja bekanntlich nicht überfordern) und jeder Menge Unterhaltung. Als er schließlich wieder vor der Tür von Hagrids Hütte stand, war es schon später Nachmittag.

Sich an den anstehenden Ball erinnernd, machte er sich auf den Weg zum Turm, um sich umzuziehen. Im Turm selbst herrschte das übliche Ballchaos. Erstklässlerinnen kämpften um den großen Spiegel, während alle anderen Mädchen sich gegenseitig um die Kleider, die Schuhe, den Schmuck, das Make-up ect. beneideten. Zu seiner großen Verwunderung befanden Ron, Lumos und Hermine sich nirgends im Chaos.

Nachdem er sich umgezogen hatte, ging er zurück in den Gemeinschaftsraum, um nachzusehen, ob seine Freunde inzwischen angekommen waren. Seine Hoffnung, das die drei sich verspätet hatten, wurde enttäuscht.

Als sie sich auch nicht rechtzeitig zum Essen meldeten, machte er sich auf die Suche nach Professor McGonagall.

Er fand sie im Gespräch mit Snape, vor der Großen Halle. Offensichtlich hatten sie einen kleinen Streit, denn trotzdem sie leise sprachen, konnte Harry die Aggression in ihren Stimmen hören. "...das ist typisch, absolut typisch." Mit verschränkten Armen baute McGonagall sich vor Snape auf, der sich allerdings nicht einschüchtern ließ und die Hauslehrerin von Gryffindor mit einem eiskalten Blick musterte.

Gerade als Harry überlegte, wie er die beiden unterbrechen konnte, ohne einen von beiden endgültig in Rage zu bringen und möglichst ohne Hauspunkte zu verlieren, kamen Hermine, Ron und Lumos die Treppe hinaufgestürmt.

"Hey Harry!" Alle drei hatten Schnee unter den Schuhen, rote Nasen und Schneeflocken im Haar. Hermine rannte sofort auf ihn zu und packte ihn am Arm. "Harry, das musst du dir ansehen. Komm, das MUSST du gesehen haben!" Ron und Lumos spurteten die Rest der Treppen hoch und gesellten sich zu ihnen. "Mine hat recht, das ist toll Harry. Im Wald ist ein riesiger geschmückter Garten, das sieht irre aus, komm, wir zeigen ihn dir.."

Und bevor Harry irgendetwas sagen konnte, zogen seine drei Freunde ihn die Treppe hinunter und aus dem großen Tor. Ihm entging dabei, dass McGonagall und Snape ihre Diskussion unterbrochen und ihnen hinterhergeschaut hatten. McGonagall erheitert, Snape mit einem seltsamen, fast schon besorgen Blick. Dann drehte er sich auf dem Absatz um, und verschwand. Hinter sich ließ er eine wütende Kollegin zurück, die erst etwas von "Verfall sämtlichen Respekts" murmelte, und ihm dann folgte.

Inzwischen zog Hermine Harry immer noch hinter sich her, seinen Arm in einem eisernen Klammergriff haltend. Lumos und Ron plapperte abwechselnd auf ihn ein, und so war er so konfus, dass er erst am Rande des Verbotenen Waldes bemerkte, wohin sie eigentlich gingen. "Stop, halt, wartet mal... wir können doch nicht einfach so in den Wald rennen!", protestierte er, und versuchte von Hermine freizukommen. Das Mädchen geriet ins Straucheln, und stolperte in den Schnee. Schnell half Ron ihr hoch, während Lumos ihn spöttisch ansah. "Ach komm schon, wovor hast du denn Angst? Du bist doch Harry Potter, dir kann nichts passieren. Du hast Voldemort jetzt schon dreimal überlebt... und da hast du Angst vor einem WALD?" Unsicher schaute Harry zu seinen Freunden. Hermine klopfte sich den Schnee vom Umhang, während Ron ihn fast böse musterte.

"Also kommt." Lumos drehte sich um und ging in den Wald, gefolgt von Hermine. Zögernd setzte Harry sich in Bewegung, von hinten eskortiert von Ron. In seinem Magen grummelte ein seltsames, beunruhigendes Gefühl vor sich, das immer stärker wurde, je tiefer sie in den Wald kamen. Irgendetwas stimmte entschieden nicht. Ron schien ihn an einer Flucht zu hindern wollen, und Hermine lief seltsam schnell. Aber erst, als es so dunkel war, dass nur noch der Schnee leuchtete, wußte er, dass er einen lebensgefährlichen Fehler begangen hatte. Denn in dem Moment, in dem Lumos einen seltsamen Witz machte, über den Ron laut lachte und Hermine schrill kicherte, begann ein seltsamer Schmerz ihn zu durchfluten. Ein Schmerz, den er sofort identifizieren konnte, und von dem er gehofft hatte, ihn nicht allzu schnell wieder spüren zu müssen. Es war der Schmerz, der von der Narbe auf seiner Stirn ausging, und der ihm verriet, dass er geradewegs in sein Verderben lief.

-_-_-

Für alle diejenigen, die so lieb gewartet haben..und jetzt nähern wir uns endlich wieder den etwas spannenderen Kapiteln. :) Zufrieden, Angel? ^.~


Kapitel 21

Kapitel 23

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