Memento Mori

 

 

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Kapitel 9

Albus Dumbledores Büro war still und leise, Dunkelheit befand sich in einem leisen, hitzigen Kampf mit dem hellen Licht aus der Feuerstelle und von brennenden Kerzen. Mondlicht fiel sanft durch die Fenster, und obwohl er einen Mantel trug war dem Direktor etwas kühl. Die leise fallenden Schneeflocken sammelten sich langsam auf dem Fensterbrett, als würden sie hoffen, daß ihr gemeinsamer Druck das dünne Glas brechen würde so dass sie in seinen friedlichen Zufluchtsort fallen konnten.

Die einzigen Dinge, die menschliche Ohren hören konnten, waren die Geräusche zweier Zauberer die atmeten, und das raschelnde Geräusch von umgeblätterten Seiten. Von seinem Platz auf dem Schreibtischstuhl konnte Albus dem jüngeren Mann zusehen, der tief in Gedanken versunken war und drei große Bände mit Texten über magische Verbindungen las.

Selbst der zynischste Beobachter hätte zustimmen müssen, daß Severus Snape ein Meister darin war, mehrere Dinge gleichzeitig zu tun. Er saß im Schneidersitz auf dem Boden und hatte seine dichten Haare zu einem langen Pferdeschwanz gebunden, obwohl einige Strähnen entkommen waren und ihm in die dunklen, aufmerksamen Augen fielen. Ein dickes Buch schwebte einige Zentimeter über seinem linken Knie, und ein ähnlich dickes Buch über seinem rechten. In seinen eleganten Händen hielt er eine Feder, mit der er Notizen und Runen auf ein stück Pergament kritzelte. Alle paar Augenblicke runzelte er die Stirn, und sein Mund verzog sich zu einer winzigen, fast versteckten Grimasse, bevor ein entschiedenes Glitzern in seine Augen trat und er schmerzhaft ausatmete und weiter arbeitete.

Es waren fast drei Stunden seit Severus... nun, vielleicht war „Zusammenbruch“ nicht das beste Wort, obwohl es den Tatsachen ziemlich nahe kam. „Durchbruch“ war vielleicht eine bessere Beschreibung des informativen Schreiwettkampfes zwischen dem Direktor und dem Meister der Zaubertränke. Nachdem er aufgehört hatte zu weinen, hatte Albus eine plötzliche Veränderung in dem jüngeren Mann wahrgenommen.

Es war gewesen als wäre eine Licht angegangen. Obwohl er noch immer ausgezehrt aussah und zitterte, war die Leere, die in seinen Augen gewesen war, von einer Art dumpfen Resignation ersetzt worden, die Albus sehr an ein Kind erinnerte, das einer Strafe zufällig zustimmte.

"Severus", sagte Dumbledore. Seine raue Stimme schnitt durch die Stille. “Hast du schon etwas Interessantes gefunden?” Severus nickte langsam mit dem Kopf. Sein Blick löste sich nicht von den schwebenden Büchern. “Es gibt viel über die Verbindung zu lernen, die ich mit... Voldemort teile.” Es sprach für ihn, daß seine Stimme vor dem Namen des schrecklichen Zauberers versagte, aber er wich nicht davor zurück. „Es wurde sehr wenig über diese Art von Verbindung nachgeforscht oder mit ihr experimentiert. Sie ist in der Tat sehr schwer herzustellen.”

“Es gibt viel herauszufinden”, stimmte ihm Dumbledore leise zu. “Aber ich fürchte wir haben gerade nicht die Zeit, uns damit zu befassen. Zuerst geht es um Adrian Pucey.“

„Ich habe schon eine ganze Weile über ihn nachgedacht“, gab Snape zu, wobei seine Augen einen Moment lang nervös in die von Dumbledore sahen. „Es ist ein Problem, daß Voldemort in Lucius' Herrenhaus ist. Ich fürchte, daß er mein Vorhaben durch die Verbindung fühlen kann. Daher meine verzweifelte Forschung“, fügte er mit einer Handbewegung auf die schwebenden Bücher hinzu.

“Vielleicht sollten wir jemand anders schicken, um ihn zu retten. Die Autoren schreien nach Blut. Adrian war beliebt“, überlegte Dumbledore.

Severus zuckte zusammen als wäre er geschlagen worden, und starrte den Direktor eiskalt an. „Nein. Es ist meine Schuld, daß er gefangen wurde, und ich bin dafür verantwortlich, ihn sicher zurückzubringen.“ “Wie lange wird ihn Lucius in Malfoy Manor behalten ?" “Solange er durchhält”, antwortete Snape düster. “Lucius hat seine Spielsachen immer gerne kaputt gemacht, bevor er sie weggeworfen hat. Er wird Adrian zu essen geben, ihn am Leben halten… ich würde ihm eine Woche geben.”

Dumbledore sah den Meister der Zaubertränke Ernst über seine halbmondförmigen Brillengläser an. „Dann müssen wir uns beeilen.“



***




Es war schwer gewesen, diejenigen, die gesehen hatten wie tief Severus Snape gesunken war davon zu überzeugen, daß man ihm noch immer trauen konnte. Alle Lehrer in Hogwarts, die von der steigenden Spannung gewusst hatten, hatten Dumbledores Entscheidung, ihn als Tränkeassistenten zu behalten respektiert, aber mehr als einer knurrte leise und sah den früheren Todesser schief an. Remus Lupin konnte ihm kaum in die Augen sehen; Sirius Black zeigte ihm die Zähne, knurrte leise und verließ das Zimmer, wenn er Severus bei der Lehrerkonferenz am nächsten Morgen sah. Severus konnte mit ihrem Hass leben. Schließlich hatte er jahrelang damit gelebt. Es war die Distanziertheit die in seinen Adern floß, von der Severus sich gerschworen hatte, sie zu unterdrücken.

Zum Glück hatte er noch etwas Zeit um sich über das volle Ausmaß seiner Verbindung zu Voldemort klar zu werden, aber er blieb nicht um seiner selbst willen lange wach um die Textbücher zu lesen. Er wollte eine Antwort auf den Namen, der immer wieder in seinem Gehirn auftauchte, auf seine Slytherins, die in die Dunkelheit von Malfoy Manor gezogen worden waren.

Adrian Pucey… ja, auf einmal machte er alles für Adrian. Seine Slytherins waren wieder ganz vorne in seinen Gedanken, so wie sie es vor seinem Tod gewesen waren. An diesem Nachmittag hatten sie ihren Hauslehrer angestarrt als er die Tür zu ihrem Schlafsaal aufgerissen hatte. Severus hatte erklärt, daß er mit jedem von ihnen eine Stunde lang alleine sprechen wollte - über ihren Unterricht, über ihre Sorgen und über ihre zukünftigen Berufe. Pansy Parkinson war vor Überraschung über seinen schnellen Auftritt auf die Füße gesprungen, und Dracos Quecksilberaugen hatten sich bei Severus’ Ankündigung verengt. Sie waren Slytherins, und so war ihnen durchaus klar, daß etwas Großes geschehen war. Leute wie Severus Snape veränderten sich nicht ohne Grund über Nacht. Allgemein aber waren seine Schüler, die plötzliche Veränderung in seinem Verhalten betreffend, recht taktvoll, da sie nur froh waren, ihren alten Hauslehrer wieder zu haben.

Die zeitweilige Versöhnung mit den Slytherins wurde von seiner plötzlichen aktiven Teilnahme am Tränkeunterricht unterstrichen, Obwohl er noch immer darauf beschränkt war, Knataloni Muddlestops Assistent zu sein, hatte Snape angefangen, im Klassenzimmer herum zu gehen, und wies mit unvorhergesehenem Eifer mit seiner berühmten leise drohenden Stimme auf Fehler hin.

„Was ist denn mit dem los?“, hatte sich Ron Weasley bei Harry Potter und Hermine Granger beschwert. „Auf einmal kümmert er sich wieder um unsere Ausbildung.“

Neville Longbottom hatte Ron leise zugestimmt. “Es ist furchtbar.”

“Ich denke es ist toll”, widersprach Harry leise.

„Er hat nicht mehr so begeistert über etwas ausgesehen seit... nun. Seit vorher“, bemerkte Hermine.“

“Ich habe gehört, daß er heute früh sogar zum Frühstück in der Großen Halle war”, sagte Lavender Brown eifrig, wobei sie sich nach vorne beugte, als würde sie ein großes Geheimnis weitergeben.

„10 Strafpunkte für Gryffindor für Reden während des Unterrichts”, fauchte Professor Snape ungeduldig, und freute sich insgeheim darüber, wie die Schüler bestimmt 10 Zentimeter weit von ihren Sitzen aufsprangen, weil er so plötzlich aufgetaucht war.

Es war nur einen Tag nach seinem Durchbruch bei Dumbledore. Und schon erinnerten sich die Schüler (abgesehen von seinen Slyhterins, die ihn jetzt verehrten) wieder daran, ihn zu hassen. Er hatte schnell zu Abend gegessen bevor er in der Bibliothek zwei große Bücher aus dem Regal geholt hatte und sie in sein Arbeitszimmer mitgenommen hatte, so daß er weiter nachschlagen konnte.

Sich durch uralte, trockene Texte zu wühlen war die Art von komplizierten Denksportaufgaben die er einmal geliebt hatte. Severus hatte früher Stunden damit verbracht, nur von staubigen Wälzern und flackerndem Kerzenlicht umgeben dazusitzen, jede umgeblätterte Seite zu genießen und leise gelächelt, wann immer er der Lösung plötzlich ein Stück näher war.

Severus ließ ein Buch schweben und zauberte Feder und Papier herbei um anzufangen.

Er freute sich sogar darauf, den Abend damit zu verbringen, über seinen Büchern zu sitzen, also musste natürlich gerade jetzt jemand leise an seine Tür klopfen.

“Ja?”, rief Severus. Er widerstand der Versuchung, denjenigen zu verhexen der den Nerv hatte, seine Ruhe zu stören.

Draco Malfoy schob sich durch die Tür, und sah ihn mit einer entschieden uncharakteristischen Mischung aus Neugier, Schuldgefühl und schlecht verborgener Nervosität an.

"Hallo, Draco", sagte Severus leise, wobei er seine Feder weglegte und mit den Fingern auf den Tisch klopfte. Er hielt sein Gesicht reglos als Dracos helle Augen sich schnell im Zimmer umsahen und dann wieder auf ihn fielen.

“Ist es in Ordnung wenn ich mich setze?”, fragte Draco, wobei er einen kleinen mit Leder bezogenen Hocker neben dem Tisch des Professors ansah.

Snape hob die Augenbrauen, nickte aber. Draco... bat höflich um etwas? Was hatte der Junge nur angestellt?

Draco setzte sich gerade auf den Hocker und faltete die Hände im Schoß. „Es schien Ihnen heute im Unterricht viel besser zu gehen”, sagte er gerade heraus. Draco war kein Meister mit Wortspielen wie seine Mutter, oder vielleicht hatte er mit seinem kühlen, guten Aussehen nie die Notwendigkeit gesehen, sie zu spielen. „Was ist passiert?“ Severus grinste kurz und herablassend. „Nichts besonderes das ich mit einem meiner Schüler teilen kann.“

Draco nickte leicht, sagte aber nichts mehr. Er verstand die Wichtigkeit persönlicher Privatsphäre so gut wie jeder Slytherin. “Wie läuft es dieses Jahr im Unterricht, Draco?", fragte Severus, der die entnervende Stille brechen und herausfinden wollte, was genau der unvorhersehbare Erbe von Malfoy vorhatte.

Draco wedelte achtlos mit der Hand und sagte beiläufig. “Oh, ganz gut. Ich bin der Zweitbeste im Verwandlungsunterricht. McGonagall kann es kaum ertragen. Vor einem Monat oder so hatte ich etwas Probleme mit Zaubertränken, wie Sie wissen.“

„Deine Noten sind ein paar Punkte gesunken“, nahm Severus zur Kenntnis. „Du hättest in einigen deiner Prüfungen besser sein können.“

„Ich habe nicht genug gelernt“, sagt Draco leise, und auf einmal trat ein niedergeschlagener Blick auf sein scharfes Gesicht. „Ich hatte andere Sachen im Kopf.“ Fast unbewusst fuhr Dracos rechter Arm über das weiche, scheinbar unbeschädigte Fleisch seines linken.

Bei dieser unauffälligen Bewegung fror Seveurs’ Herz in seiner Brust. Draco schien die plötzliche Steifheit des älteren Mannes nicht zu bemerkten, während er verärgert auf den Papierstapel starrte, der auf dem Tisch seines Professors lag. Draco biß sich auf die Lippe und sagte wütend: „Meine Noten sind nicht SO sehr abgerutscht. Nach den verbalen Schlägen, die ich von meiner Mutter und meinem Vater bekommen habe, hätte man denken können, daß ich meine Professoren mit Fizzing Whizbees in die Luft gejagt habe." “Sie waren hart zu dir?,“ fragte Severus leise, wobei er seine Augen auf den Papierstapel in einer Ecke seines Tisches gerichtet hielt. Er konnte nicht... er würde das bleiche, resignierte Kind vor ihm nicht ansehen. Er hatte Versagen immer als körperloses Wesen angesehen, das die Unaufmerkamen mit seinem lauernden Griff packte, und doch saßen die viel körperlicheren Ergebnisse seines Versagens direkt vor ihm.

Draco zappelte immer noch leicht mit seinen Händen herum, ein sicheres Zeichen dafür, daß die plötzlich abgekühlte Stimmung im Raum nicht unbemerkt geblieben war. „Ich hatte sie mit meinen schlechten Noten verärgert, vor allem meine Mutter.” Er sah auf, und in den nebligen Tiefen der grauen Augen fand er Severus’ Blick und begegnete ihm. “Meine Eltern“, sagte Draco langsam und nachdrücklich, „sind oft streng. Es gefällt ihnen nicht, wenn ihnen nicht gehorcht wird. Sie können sehr... überzeugend sein, was Schularbeiten und meine Karriere nach der Schule betrifft.“ Nun, das war es. Draco war jetzt ziemlich direkt, oder zumindest so direkt wie ein wachechter Slytherin sein konnte. Severus konnte jedes bisschen Entschlossenheit fühlen, und die zitternde Hoffnung, die ihm Dumbledore gegeben hatte, löste sich in einem Sturm überwältigender Nutzlosigkeit auf.

„Natürlich“, fuhr Draco im selben seltsamen Tonfall fort, “sind meine Eltern oft kurzsichtige Lemminge mit wenig Sinn für Politik oder dafür, wie wichtig es ist, persönliche Ehre und den Familiennamen zu erhalten.“

Severus’ Herz schien an diesem Abend das zweite Mal stehenzubleiben, obwohl seine äußerliche stoische Düsternis seinen Schrecken nicht verriet. Draco fing an, seine Fingernägel nach unsichtbaren Schmutzspuren zu untersuchen. „Nicht daß Dumbledore viel besser wäre. Idealisten machen mich krank. Aber wie es aussieht würde ich lieber selbst entscheiden für wen ich arbeite, als in den Dienst eines Lords gezwungen zu werden, an dem ich kein Interesse habe, wenn mein Vater einen Sinn für den Stolz der Malfoys hätte, würde er verstehen, daß die Malfoys niemandem etwas schulden. Es ist eine Schande wie er die ganze Zeit über dem Dunklen Lord hinterherläuft. Malfoys sollen keine Diener sein, egal wie groß das Wesen ist dem wir dienen.“ Er schnaubte. „Eigentlich, sollte ich meine Wortwahl überdenken. Malfoys sollten NIEMANDEM dienen.“ “Deine Eltern vermuten nicht, daß du dir solche Gedanken machst?“ fragte Severus vorsichtig. Draco wäre wirklich ein kurzlebiger Spion, wenn Narcissa oder Lucius seine wahren Loyalitäten kannten.

Draco schüttelte den Kopf. “Meine Mutter vermutet es vielleicht, aber sie hat nichts gesagt. Ich gebe mein Bestes um als aktives Mitglied in ihrer Sache zu erscheinen, ohne ihnen wirklich zu helfen. Ich habe das Dunkle Mal erhalten, aber ich wurde noch nicht gerufen, um Voldemort auf einer Mission zu dienen.“

„Wie lange geht das schon so?“

Draco hörte auf zu grinsen, und seine grauen Augen wurden nachdenklich und nebelig. Er erkannte die Frage des Professors als das was sie war: eine Bitte darum, herauszufinden wie ein so flegelhafter, egoistischer Junge zu einem risikobereiten, arroganten, selbstsüchtigen aber irgendwie edlen Mann gereift war. „Als Sie getötet wurden“, begann er, „war ich hin und her gerissen, denke ich. Ich wusste, daß mein Vater bei dem Mord geholfen hatte. Er war traurig darüber.“ Auf Snapes Blick hin verbesserte sich Draco: “Oh, er hat Sie gehasst, weil Sie ihn verraten haben. Aber Sie Beide waren einmal Freunde, und er wollte nicht wirklich, daß Sie tot sind. Aber er hat Sie doch getötet, weil Voldemort es wollte.“ Dracos Stimme fing an, sich mit Abscheu zu füllen. „Er beging eine Tat, die er nicht wollte, nicht um Macht zu erlangen oder höher angesehen zu werden. Er tat es, weil es ihm befohlen wurde.“ Draco verzog unangenehm das Gesicht. „Befehle. Ein Hauself nimmt Befehle entgegen. Schlaue Muggel nehmen Befehle entgegen. Aber keine Malfoys." Draco stand langsam von seinem Stuhl auf, und streckte sich mit katzenhafter Eleganz. „Es ist schön, Sie wieder hier zu haben, Professor," sagte er beiläufig, und wollte das verdunkelte Zimmer verlassen. Gerade bevor seine schlanke Gestalt um die Ecke verschwand, hielt er mit einem berechnenden Blick auf dem Gesicht an. „Wenn Sie sich fragen wie Sie Malfoy Manor infiltrieren können um ihren idiotischen Auroren zu retten, schlage ich vor, Sie reden mit Potter. Seine hässliche Narbe kann ziemlich gut sein, wenn man die Gedanken des Dunklen Lords lesen will.“



***




Als er darüber nachdachte, konnte Severus Snape leicht erkennen, daß sich Draco nicht wirklich sehr verändert hatte. Er war noch immer der selbstsüchtige Junge, der er immer gewesen war, und war dem Orden sicher nicht beigetreten, weil er das Gefühl hatte, einem höheren Sinn für das Gute gehorchen zu müssen, er war nur ein Junge, der den hohlen Idealen folgte, die ihm sein Vater gegeben hatte - und in wahrer Slytherinart fand er heraus, daß sie ihm nicht so passten, wie er gedacht hatte.

Severus zweifelte nicht, daß Dracos kleiner Besuch in seinen Räumen mehr Gewicht hatte als reine Höflichkeit, aber er hatte wenig Zeit dazu, sich über Draocs gefährliche Stellung Gedanken zu machen. Der ziemlich direkte Vorschlag des Jungen, mit Harry Potter zu reden, war das Wichtigste, an das er denken musste.

Obwohl Snape es hasste, mit dem ruchlosen Gryffindor zu reden, wusste er, daß Dracos Vermutungen wahrscheinlich ziemlich richtig waren. Harry und Voldemort teilten eine Verbindung, die durch den mißglückten Todesfluch geschaffen worden war. Es war flüsternd im Lehrerzimmer besprochen worden. Harry konnte oft fühlen was Voldemort vorhatte, und wenn man den Gerüchten glaubte, konnte er in seinem Kopf die Bilder des scheußlichen Vorhabens sehen, das Voldemort gerade eben durchführte.

Severus Snape schenkte Gerüchten nur sehr selten Glauben, vor allem denen, die sich auf einen egoistischen, gefeierten Flegel bezogen. Aber mit laut knirschenden Zähnen erkannte er an, daß Potter nützlich sein konnte, wenn auch nur die Hälfte der Gerüchte in Hogwarts stimmten...

Und so fand sich Severus mit schnell dunkler werdender Stimmung und drohendem Gesichtsausdruck vor Harrys Tür in den Schlafsälen der Gryffindores wieder. Harry und Ron hatten ihren Wohnraum weit von der zentralen Lage des Gemeinschaftsraumes entfernt gewählt; es schien als würden sie ihre Privatsphäre ebenso zu schätzen wissen wie ihre Freundin, die Schulsprecherin Hermine Granger. Nach den gedämpften Klängen der Musik, die aus dem Zimmer kam, verstand er ziemlich gut WARUM sie beschlossen hatten, so weit von den anderen Schülern aus Gryffindor entfernt zu wohnen.

Mit einem Seufzer verzog Snape das Gesicht, hob eine Hand und klopfte an die schwere Holztür.



***




”Ich wusste gar nicht daß Muggelmusik so klingt!” Harry Potter grinste seinen rothaarigen Freund an und klopfte mit dem Fuß im Takt zu der laut pochenden Musik. “Gefällt es dir?”

“Sehr!”, schrie Ron Weasley mit ungläubig geweiteten Augen. „Was ist es schnell wieder?“

„Es heißt 'Rebel, Rebel', und ist von einem Typen namens …", Harry sah auf das Plattencover und fuhr fort, "…David Bowie." "Das ist fast so gut wie die Seltsamen Schwestern!", sagte Ron begeistert. „Was hat er noch gemacht?“

Harry zuckte mit den Schultern. „Ich weiß nicht. Remus und Sirius dachten ich mag es vielleicht und haben mir eines gekauft. Sie haben gesagt, daß mein Dad ein paar Alben von Bowie hatte.“

„Nun, wer er auch ist, er ist toll“, sagte Ron mit entschiedener Stimme. “Ich wette Herm würde diese Art Musik hassen.”

Harry nickte müde. „Das wette ich auch. Sie --!“ Harry unterbrach sich, und legte konzentriert den Kopf schräg. „Hast du gerade was gehört?“

Ron winkte ab und nickte mit dem Kopf im Takt zur Musik und versuchte mitzusingen, obwohl er den Text nicht kannte.

„Ich denke jemand hat an die Türe geklopft“, sagte sich Harry, und mit einer schnellen Bewegung holte er die Platte vom Plattenspieler und stellte beides unter sein Bett. Er sah sich schnell im Zimmer um und ging zur Tür, um sie vorsichtig zu öffnen.

Es war gut, daß er bei den Dursleys gelernt hatte sich zu kontrollieren, da er all seine Willenskraft brauchte, um beim Anblick eines wütenden Severus Snape im Türrahmen nicht zu stöhnen.

Harry holte tief Luft, zwang sich zu einem kleinen Lächeln und sagte in etwas von dem er hoffte, daß es ein angenehmer Tonfall war: „Guten Abend, Professor Snape. Wie geht es Ihnen heute?“

Snape warf ihm einen Blick zu und zwang sich in das Zimmer. „Ich weiß, daß ich hier drin Musik gehört habe, Potter. Wo ist der Plattenspieler?“

“Ich - ich weiß nicht wovon Sie reden, Sir”, stammelte Harry, wobei er Ron einen verzweifelten Blick zuwarf.

„Ehrlich, Sir, wir wollten gerade mit den Hausaufgaben anfangen”, stimmte Ron zu, wobei er schnell den Kopf schüttelte.

„10 Strafpunkte für Gryffindor, wegen Lügens”, sagte Snape gelangweilt. „Muggelmusikgeräte aller Art sind auf dem Gelände von Hogwarts streng verboten, ich habe hier Musik gehört und ich habe vor, herauszufinden woher sie gekommen ist.“

Ron verzog verwirrt die Nase. „Wie haben Sie die Musik gehört? Ich dachte wir hätten einen Stillzauber auf die Tür gelegt!“

Bei seinen Worten wurde Snapes Gesichtsausdruck glatt und zufrieden.

Harry legte sich eine Hand an die Stirn und stöhnte leise „Och Ron!“

"Sorry," quiekte der Rothaarige, wobei er knallrot anlief. “Ich meine, er hat sowieso gewusst, daß wir einen haben.”

Snape verschränkte die Arme und sah die beiden Jungen zufrieden an. „Rück ihn raus, Potter." Mit absichtlich gequält zögernden Bewegungen ging Harry zu einem der Betten hinüber und zog einen Plattenspieler heraus.

Snapes Mund zuckte triumphierend als er den Spieler entgegen nahm. „Abgesehen davon, daß ich hereingeschmuggelte Sachen aus den Schlafzimmern einsammle, muß ich mit Ihnen sprechen, Potter.” Nun, das war es. Der Tag konnte nicht mehr schlimmer werden.

„Mit mir sprechen?“, wiederholte Harry, um völlig sicherzustellen, daß er sich nicht verhört hatte. “Ja, Sie dummer Junge“, antwortete Snape mit genervtem Tonfall.“ Ich hoffe, Sie denken nicht, daß ich mich freiwillig auf Patrouille durch die Höhle des Löwen der fehlgeleiteten Dummheit begebe?“

Es herrschte kurz Stille, während der sich Ron auf die Lippe biß, um nicht unhöflich zu antworten, und Harry seinen Erzfeind betrachtete. Nach Snapes irgendwie unterbrochenem Gesichtsausdruck schien es, als wollte er seinen vorherigen giftigen Kommentaren noch etwas hinzufügen. Harry hatte Recht; Snape entschied sich endlich und sagte ruhig: “Schließlich bestrafe ich Sie nicht SO gerne.”

Harrys Gehirn wurde sehr schnell klar, daß es ein seltsamer und vielleicht ungewöhnlicher Vorfall war, wenn Snape eine Bemerkung machte, die man so auslegen konnte, als würde er eine Witz über sich selbst machen; Harry war daher so verwirrt und erschrocken, daß er beschloß, daß er alles was Snape von ihm wollte AUF DER STELLE tun würde, so daß Snape wieder ein boshafter, bitterer Bastard werden und Harry ihn wieder hassen konnte.

„In Ordnung, wo wollen Sie reden, Sir?“



***




So wie Ron Weasley versucht hatte, seinem Freund nachzulaufen war klar, daß er sich Sorgen machte, weil Harry mit dem Hauslehrer von Slytherin ging. Auf irgendeiner Ebene fand Severus Rons Treue lobenswert. Auf den meisten anderen Ebenen fand er sie nervig. Wenn Harry nervös war, weil er einem seiner alten Feinde in die dunklen unbekannten Kerker folgen musste, zeigte er es zumindest nicht. Harrys grüne Augen waren entfernt und irgendwie friedlich, als würde der Junge einen Inselurlaub überdenken, den er machen wollte.

Harry verlor seine ruhige Fassade schnell nachdem sie die Kerker erreichten und Severus ihm erklärte, worüber er genau reden wollte.

„Meine Verbindung mit Voldemort?“, fragte Harry, wobei er mit den Händen plötzlich, unkontrolliert und krampfhaft die Seiten von Severus' Gästestuhl packte. „Was ist damit?“

„Ich will nur wissen wie stark sie ist“, antwortete Severus, wobei er einen Kessel aus dem Regal nahm und auf ein magisches Feuer stellte. Sofort fing das Wasser an zu kochen, und Severus schenkte Harry eine Tasse Tee ein. Harry nahm den Tee mit deutlich ungläubigem Blick auf dem Gesicht entgegen, während seine Brille sich vom Dampf aus der heißen Flüssigkeit beschlug.

Severus’ plötzlicher Ausbruch an gutem Willen war nicht ganz unberechnet. Wenn er etwas Nützliches aus Harry herausbringen wollte, musste er den Jungen beruhigen, oder zumindest Harrys Konzentration davon ablenken, daß er ihn aktiv verabscheute.

Was ihn betraf, so schmolz Harrys anfängliche Nervosität mit der Wärme des Tees davon. Er sah sich im Zimmer um, als wollte er herausfinden, was genau Snape von ihm wollte. Als Harrys Augen schließlich zu denen des Professors zurückkehrten, machte es Severus Sorgen, Schatten von Müdigkeit und eine leichte Trauer in den verschiedenen Grüntönen zu sehen.

„Schmiedet Voldemort wieder Pläne?“, fragte Harry mit seltsam lebloser Stimme. „Meine Narbe hat mich vor ein paar Tagen geweckt, aber es war so leicht, daß ich dachte es hätte auch ein Alptraum sein können.“. Severus nickte leicht, nahm einen Schluck von seinem Tee und genoss kurz die beruhigende Wärme. „Voldemort hat einen Auroren gefangen und hält ihn als Geisel. Es ist wichtig, dass wir ihn rechtzeitig finden. Die Schwierigkeit ist, daß wir wissen müssen, wo genau Voldemort ist bevor, wir Adrian retten können. Der Orden kann nicht mit einer noch so großen Armee hinein stürmen und erwarte, erfolgreich zu sein, wenn Voldemort uns vielleicht erwartet.“

Harry machte ein leises, zustimmendes Geräusch, aber sein Gesicht war besorgt „Ich verstehe was Sie sagen, aber ich kann nicht wirklich kontrollieren was ich sehe. Es geschieht einfach ganz plötzlich.“ Jetzt deutete er auf seine Schläfe. „Und manchmal kann ich nicht viel sehen. Es gab Zeiten zu denen ich ganze Gespräche gehört habe, und dann... war es alles ganz verschwommen.“

„Hmm“, antwortete Severus unbestimmt.

Harry nahm entschlossen einen Schluck Tee bevor er fortfuhr: “Ich könnte es versuchen, schätze ich. Ich habe nie wirklich versucht, die Verbindung anzuzapfen, vielleicht kann ich irgendwie in Voldemorts Kopf kommen...“

„... ich denke die Idee stellen Sie besser wieder ins Regal zurück, Mr. Potter," unterbrach ihn Severus. Er hatte Information gewollt, nicht daß sich Harry in den Geist eines der gefährlichsten Zauberer aller Zeiten einschaltete. „Voldemort könnte Ihre Einmischung sehr wohl fühlen, und so sehr ich Sie verabscheue hätte ich es lieber, daß Sie nicht nach St. Mungo's geschickt werden, bevor Sie Ihren Abschluß machen.“

Es war zu spät, denn Harrys Gesicht war weich geworden, fast als würde es von innen schmelzen. Der Junge sagte mit unbestimmter Stimme: „Keine Angst; ich werde versuchen, nicht auf dem Kerkerboden zu sterben, Sir. Lassen Sie mich nur versuchen... zu...“

Mit einem plötzliche Keuchen wurde Harry steif, seine Augen gingen weit auf und sein Mund klappte herunter. Obwohl er wild vor sich hinstarrte, bedeckte ein glasiges Glänzen das Weiß in seinen Augen. Severus wurde an Sibyl Trelawneys astrologische Schauspiele erinnert, obwohl es klar war, daß Harrys Trance nicht gespielt war.

„Potter, kommen Sie da raus!“, knurrte er. Er fühlte sich hilflos gegen die dumpfe Starre des Jungen. „Sie haben keine Ahnnung womit Sie da spielen!“

Mit deutlich hörbarem ploppendem Geräusch zuckte Harry noch einmal, und ein wacher Ausdruck flutete wieder über sein Gesicht.

Severus sank vor Erleichterung fast in sich zusammen, aber er überdeckte seine Gefühle mit abgehackten, harten Worten.

„Was glauben Sie eigentlich was Sie da machen, Sie dummer Lümmel? Das ist VOLDEMORTS Kopf, den Sie erforschen! Mit so wenig Erfahrung und Grundwissen über das menschliche Bewußtsein wie Sie haben, hätte ich gedacht, daß Sie etwas vorsichtiger sein würden, bevor Sie in die Gedanken anderer springen! Oh, aber Vorsicht - nein, das geht doch nicht! Sie sind schließlich ein Gryffindor!“

Harry sah mit kühl erheitertem Gesichtsausdruck zu ihm auf, und ein entschieden zufriedenes Glänzen trat in seine Augen.

Sein Ausbruch war beendet, und Severus stellte schließlich die unvermeidliche Frage: „Nun, was genau haben Sie erreicht, indem Sie Ihr entschieden wertloses Leben riskiert haben?“

“Wissen”, antwortete Harry sofort. „Voldemorts ist nicht in der Nähe von England. Ich konnte Berge riechen, Rauch, Nebel...“ Er verzog gedankenverloren das Gesicht. “Was hat er gemacht?“, erkundigte sich Severus, und Hoffnung flackerte leise in seiner Brust auf.

Harry legte konzentrierte den Kopf schräg, und ein strahlendes Grinsen erhellte plötzlich sein Gesicht. “Ich glaub, er hat Wiener Schnitzel gegessen. Er mag es nicht.“

Severus versuchte nicht über das geistige Bild des Dunklen Lords nachzudenken, der in einem teuren Café saß und sich beim Kellner über das Essen beschwerte.

Es gelang ihm nicht, und, Merlin helfe ihm, er lachte sogar unaufhaltsam los.

Harry sprang auf, als er das laute Geräusch hörte, aber er überdeckte seine Überraschung schnell mit eigenem nervösen Gelächter. Severus kontrollierte sein Gelächter schnell, aber ein verräterisches Grinsen spielte mit seinen Mundwinkeln. „Nun dann, nun da wir wissen wo Voldemort im Augenblick ist und was er vor hat, kann der Orden handeln. Ich weiß nicht wie lange sich der Dunkle Lord mit Wiener Schnitzel beschäftigt, aber wir haben vielleicht ein kleines Zeitfenster, in dem wir handeln können.“

„Es hat gar nicht wirklich weh getan“, überlegte Harrys leise, wobei er sich aufgeregt die Narbe rieb.

Severus starrte ihn entfernt drohend an. „Sie sollen nicht wieder in Voldemorts Kopf herumspielen, Sie unvorsichtiger Junge. Sie hätten es heute schon nicht machen sollen! Wenn ich Sie je wieder dabei erwische, wie Sie etwas so Dummes machen, können Sie sicher sei,n daß Sie mehr verlieren als Hauspunkte. Nachdem das gesagt ist“, er winkte mit der Hand, „können Sie in Ihren Raum zurückkehrten, Potter.“

Harry stand gehorsam von seinem Stuhl auf und ging seltsam zögernd zur Tür, die aus den Kerkern hinaus führte.

"Potter?" Der Gryffindor hielt inne und drehte sich zu seinem Professor um.

Snapes Gesicht sah seltsam belustigt aus. „Sie bekommen den Plattenspieler nicht zurück. Das scheußliche Ding ist eine Gefahr für den Frieden in dieser Einrichtung.“

Harry unterdrückte ein Stöhnen, aber es überraschte ihn nicht.

„Aber“, fuhr Severus fort, „wenn man die Schulordnung genau ansieht wird man sehen, daß magische Arten, einen Schallplatte abzuspilen nicht erwähnt, und damit auch nicht VERBOTEN sind. Das kleine Schlupfloch kann einem oft etwas nützen.“ Harry sah ihn mit offenem Mund an, aber Snape war noch nicht fertig. „Wenn Sie schon 'Diamond Dogs' in Ihrer Plattensammlung haben, können Sie sich auch noch Bowie's 'Space Oddity' besorgen. Hermine findet auf diesem Album vielleicht ein Lied, das ihr besser gefällt.”



***




Als Dumbledore von Severus’ und Harry's neusten Entdeckungen unterrichtet wurde verschwendete er keine Zeit damit, eine kleine Gruppe aus Zauberern und Hexen zusammenzustellen, die Snape auf der Rettungsmission begleiten sollten. Mit gemischten Gefühlen betrachtete Severus die kleine Gruppe, die um ihn herum stand.

Wenn sie ihm nicht gerade mörderische Blicke zuwarf, streichelte die Aurorin Alicia Spinnet die großen schwarzen Ohren von Sirius Black's Animagusform, die Snape ebenfalls mörderische Blicke zuwarf. Harry Potter stand in der Mitte der Versammlung und sah etwas verwirrt darüber aus, wie viel er für die nächtlichen Aktivitäten getan hatte. Hermine Granger und Ron Weasley waren kampfbereit an seiner Seite, da sie sich einfach geweigert hatten, ihren Freund alleine in dieses Abenteuer ziehen zu lassen. Draco Malfoy stand unruhig daneben und hielt seinen Zauberstab in einer ungeschickten, verteidigenden Position. Sein Gesicht war nicht lesbar für jemanden der ihn nicht gut kannte. Severus konnte erkennen, daß sich der Junge mit den hellen Haaren nicht darauf freute, das Herrenhaus seiner Eltern zu stürmen. Severus fühlte Mitleid mit dem Jungen, aber er konnte verstehen, warum Dumbledore ihn für die Rettungsmission gewählt hatte. Es wäre eine gute Prüfung seiner Loyalität, wenn sie sehen konnten wie genau Draco reagieren würde, wenn er gegen seine eigene Familie kämpfen musste.

„Sind wir soweit?“, rief Alicia als sie vortrat und mit einem Handschuh winkte, um alle Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Sie hätte sich die Mühe dieser Bewegung nicht machen müssen; alle Nerven waren angespannt, und alle waren darauf vorbereitet, für ihre Aufgabe in den Verbotenen Wald zu gehen. „In Ordnung“, murmelte Alicia. „Gehen wir.“

Der Verbotene Wald sah düster und drohend aus, wie es das Recht eines Waldes mit so auffälligem Namen war. Kühler Nebel sammelte sich um die Füße der Reisenden, und die Vögel waren unnatürlich still, um denen, die unerlaubt vorbei kamen, genug Stille zu geben, so daß sie sich die Schrecken, die sie erwarteten besser vorstellen konnte.

Schließlich verblassten die Apparationbarrieren von Hogwarts, und Alicia gab der Gruppe ein Zeichen um anzuhalten. Auf ihr Nicken hin verschwand Ron Weasley mit wirbelndem Umhang, gefolgt von Hermine und Harry. Mit leerem Lächeln und niedergeschlagenen Augen apparierte Draco den drei Gryffindors hinterher. Sirius' Hundegestalt schimmerte kurz und wurde zu seiner menschlichen Form, gerade lange genug, um dem Animagus zu erlauben, zu apparieren.

Nachdem die Anderen weg waren, machte Alicia drohend einen Schritt auf Snape zu. “Wenn das hier ein Trick ist, Snape, wird es keine Überreste geben, die man von Ihnen finden kann. Verstanden?”

Der Meister der Zaubertränke nickte stimm und begegnete ihrem Blick aus den Augenwinkeln.

„Gut. Sie dürfen apparieren“, brummte Alicia “Und ich werde folgen.”

Severus holte tief Luft und verschwand in den grauen Nebel des Waldes.



***




Sie waren gerade vor den Toren von Malfoy Manor angekommen, denn es war unmöglich, im Herrenhaus selbst zu apparieren. Lucius hatte sich offensichtlich eine Scheibe von den Sicherheitsvorkehrungen von Hogwarts abgeschnitten und viele scheußliche Zauber und Antiapparationszauber auf das Gelände des riesigen Hauses gelegt.

Diese Flüche und Zauber zu brechen war natürlich Draco Malfoys Gebiet.

Draco biß sich konzentriert auf die Lippe und zog die glühende Spitze seines Zauberstabes über die Ränder eines wütendende Wasserspeiers, der auf dem Steintor saß. Nach einigen Augenblicken angespannter Stille stöhnte der Wasserspeier hörbar auf, und etwas in der Spannung der Luft um sie herum gab nach. Die goldenen Ränder einer magischen Tür glühten leicht in der Seite des Hauses.

„Es ist jetzt sicher, hineinzugehen“, flüsterte Draco mit erstaunlich jung klingender Stimme, während er die Tür öffnete und leicht zusammenzuckte, als die schlecht geölten Angeln quietschten. Mit verschieden nervösen Gesichtsausdrücken kroch die winzige Armee durch das Tor und die verborgene Tür, die Draco erschaffen hatte in das Herrenhaus hinein.

Innen war es dunkel und still, und das einzige Licht kam aus leise leuchtenden Kerzen, die an den hellen Wänden des Herrenhauses entlang schwebten. Instinktiv fingen Snapes Füße an, ihn in die Richtung des Kerkers im untersten Stockwerk des Hauses zu ziehen. Er konnte das Geräusch der sechs Paar leiser Füße hinter ihm kaum hören, als er die Steinstufen hinunter stieg. Mit einem geflüsterten Spruch öffnete Draco wieder das komplizierte Schloß, das die Tür zu den Kerkern schmückte.

Die Luft war feucht und roch schlecht, als wäre etwas lange Zeit dort ungestört verrottet. Severus hoffte ganz ehrlich, daß der Geruch nicht Adrian Pucey war. Hermine machte auf einmal ein leises, unterdrücktes Geräusch, und im schwachen Licht konnte Severus sehen wie sie zu einer dunklen Gestalt lief, die an der Mauer zusammengekauert war. Die Gruppe folgte ihr, und ein betäubter Auror sah sie mit langsam aufkommender Überraschung an.

"Adrian!", zischte Alicia, die sofort anfing, an den komplizierten Ketten um die Füße des Gefangenen zu arbeiten. “Bist du in Ordnung?”

Adrian betrachtete sie kurz mit verwirrtem Gesichtsausdruck. “Nun, in aller Ehrlichkeit, ich habe mich etwas gelangweilt. Nächstes Mal, wenn ich als Geisel gekommen werde, könnte ich vielleicht eine Art eingebaute Unterhaltung mitnehmen, zum Beispiel ein Schachbrett oder was zum Schuhe putzen?“ Mit einem Freudenschrei umarmte Alicia ihren Freund fest, und der Auror grinste gereut und winkte ungeschickt mit der Hand, obwohl ihn die Ketten noch immer an der Wand festhielten.

„Wie geht’s Ihnen, Professor Snape?", fragte Adrian, dessen braune Augen mit nicht zurückgehaltener Freude leuchteten. „Man stelle sich vor, daß SIE hier im Rettungskommando sind!“

„Es würde Ihnen gut tun wenn Sie still halten würden, während andere versuchen Sie aus diesen Ketten zu holen“, antwortete Snape. „Und ja, ich bin hier um zu helfen.“

„Dann helfen Sie“, unterbrach ihn Alicia unhöflich. „Ich kann ihm diese Dinge nicht alleine abnehmen.“

„Das liegt daran, daß Gryffindors inkompetent sind," murmelte Snape Adrian leise zu, dann machte er sich daran, die magisch geschlossenen Ketten zu entwirren.

„Was war das?“ Alicias Stimme war so erschreckend leise geworden, daß wahrscheinlich sogar Hagrids dreiköpfiger Hund bei ihrem Klang vor Angst weggelaufen wäre.

„Er hat nur bemerkt wie wenig Probleme wir beim Einbrechen hatten”, untebrach Draco sie ruhig, wobei er seinem Professor etwas ersparte, das wohl eine tödlich Begegnung gewesen wäre.

Hermine nickte steif. Vielleicht war sie nicht daran gewöhnt, jemandem zuzustimmen, der den Nachnamen Malfoy trug.

“Tatsächlich”, fuhr Draco mit wachsendem Vertrauen fort, “sind wir fast draußen. Ich denke nicht, daß noch etwas schief laufen kann.“

Harry stöhnte laut, und Ron schlug sich an die Stirn. „Malfoy!", kreischte der Rothaarige. „Jetzt hast du’s geschafft!“

„Ich kann nicht glauben, daß du das gesagt hast!“, rief Hermine nervös.

„Was habe ich gesagt?“, fragte Draco mit leicht panischem Blick auf dem Gesicht.

„Du hast uns verdammt, das hast du getan!“, stöhnte Harry. „Sag NIE, daß nichts mehr schief laufen kann! Das ist der ultimative böse Fluch!“

“Ich hab das nicht gewusst…”, murmelte Draco mit leiser Stimme. „Woher sollte ich so was Dummes wissen?“ “Schau, Malfoy, wenn du mit unserer Gruppe herumhängen willst, mußt du dich an die Regeln halten”, erklärte ihm Ron mit entschiedenem Tonfall. „Und eine der Regeln besagt, daß du uns nicht verfluchen sollst!“

Adrians Hände und Beine waren jetzt frei, und der Auror konnte sich auf Alicia stützen. Mit einem langen Atemzug versuchte Adrian einen Schritt nach vorne zu machen.

„Tut dir was weh?“, fragte Alicia mit vor Sorge großen blauen Augen.

„Meine Muskeln sind ein bisschen angeschlagen“, antwortete Adrian. „Denkst du, daß die Krankenkasse das zahlt?“

“Das ist ne Muggelsache”, erklärte Harry Ron und Draco, die beide verwirrt über Adrians unbekannten Wortschatz die Stirn runzelten.

„Raus hier Leute“, erklärte Alicia, und mit Adrian im Schlepptau stolperte die bunt gemischte Gruppe die Treppen hinauf und in den Hauptteil des Hauses. Mit leisen Schritten und gedämpften Stimmen erreichten sie die Geheimtür, die Draco aufgesperrt hatte.

Aber sie konnten die Tür nicht durch die beiden Gestalten sehen, die davor stand.

„Hallo Draco“, sagte Narcissa süß. “Wenn wir gewusst hätten, dass du Freunde mitbringst, hätten wir ein paar Gästebetten aufgestellt.

Lucius sah so wütend aus, daß er sich nicht mit halbherzigem Sarkasmus behelfen musste. Der glitzernde Zauberstab, der direkt auf Severus Snape's Herz deutete, fasste seine allgemeinen Gefühle über die unangenehme Situation ganz gut zusammen.


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Kapitel 8

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