Von Mördern und Verrätern

 

 

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Kapitel 67



Unterschiedliche Ansichten

Sirius lehnte sich missmutig gegen die Kerkerwand und polterte frustriert gegen die dicke Holztür, die in Snapes Wohnräume führte. "Snape?"

Er bekam keine Antwort und fluchte unterdrückt auf. Inzwischen waren zwei Monate seit dem grossen Kampf vergangen und die Zauberergesellschaft hatte wieder einigermaßen in die Normalität zurück gefunden. Nachdem Voldemort besiegt worden war und der Tagesprophet die Beteiligten in immer grösseren Parolen hochgelobt hatte, stand die Öffentlichkeit allen, die beim letzten Kampf dabei gewesen waren, sehr wohlwollend gegenüber und sie alle wurden zuvorkommend behandelt, egal wohin sie gingen. Auch wenn die öffentlichen Helden Harry und Dumbledore waren.

Sirius' Patensohn hatte einige Probleme mit seiner erneuten und noch weiter verbreiteten Berühmtheit, wie der Animagus von ihm erfahren hatte. Harry konnte kaum mehr irgendwohin gehen, ohne dass er angesprochen wurde, und sobald er einen Fuß außerhalb des Schulgeländes setzte, schien ihm sofort der eine oder andere Reporter auf den Fersen zu sitzen. Und in der Schule war es Colin Creevy, der ihn mit seiner Kamera ewig bedrängte (was, nach Rons Erzählung, eine Kollision von Harrys Faust mit Colins Nase beinhaltete, als ihn dieser nach Tagen der Verfolgung mit der Kamera sogar auf die Toilette gefolgt war) oder einige andere Schüler, die plötzlich gut Freund mit dem Bekämpfer des dunklen Lords sein wollten. Und die wenigen Groupies, die sich unter der weiblichen Schülerschaft entwickelt hatten, empfand Harry tatsächlich als nichts anderes, als einfach nur peinlich.

Dadurch unterschied er sich deutlich von Sirius, selbst in jungen Jahren, und sogar von seinem Vater. Bei aller äußerlichen Ähnlichkeit hätte James, und auch Sirius selbst, es sicherlich genossen, so im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit zu stehen.

Sirius seufzte. Diese Zeiten der Unbekümmertheit waren unwiderruflich vorbei. Er selbst, obwohl nun auch auf der ‚Heldenseite' des öffentlichen Lebens, hatte es nicht leicht. Er wohnte noch immer im Schloss, bis das Ministerium entgültig alle Untersuchungen abgeschlossen hatte, und wenn er ehrlich war, wusste er auch nicht recht, wo er sonst hin sollte. Der Tagesprophet hatte zwar in einem Artikel auf der ersten Seite über seine ‚unglückliche falsche Beschuldigung, die jedoch damals die einzige logische Möglichkeit schien' lang und breit berichtet (und wenn es irgendwelche verschlammte Untersuchungen gab, dann schob man die alleinige Schuld dem verstorbene Crouch zu, der sich ja weder wehren konnte, noch zu entschuldigen brauchte), aber obwohl er offiziell frei und seine Unschuld bewiesen war, wurde auch er noch weitgehend von den Leuten gemieden und die Schüler machten einen so großen Bogen wie möglich um ihn, wenn sie ihm in einem der Korridore begegneten. Wobei er nicht so sicher war, ob es an seiner Rolle im Kampf gegen Voldemort (von welcher im Tagespropheten natürlich auch gebührend berichtet wurde) oder eher an der eingeimpften Angst, die vor ihm als Verbrecher gesät worden war, lag.

Bei Snape war es etwas anders.

Er seufzte noch einmal.

Snape.

Oft sah er den Zaubertränkemeister nicht. Noch immer unterrichtete der alte O'Malley und solange Snapes Hände nicht wieder beweglicher und die laufenden Untersuchungen alle abgeschlossen waren, würde er den Unterricht auch sicher nicht wieder übernehmen. Was die Schüler anging standen die einem eventuell neuen Unterricht bei Snape relativ gleichgültig gegenüber. Snape war nie ein beliebter Lehrer gewesen, doch darin stand ihm der alte O'Malley in nichts nach. Über Snapes Rolle im Endkampf und in seiner Zeit bei Voldemort wurde nur vage berichtet. Dumbledore und die, die es wussten, wollten es ihm überlassen, was er erzählen wollte, und es war bloß bekannt geworden, dass er vor Voldemorts erstem Fall ein Spion gewesen und das ‚Schauspiel' um den öffentlichen ‚Avada Kedavra' dazu da gewesen war, ihn wieder bei der gegnerischen Seite einzuschleusen. Das hatte ihm auch am Anfang Bewunderung vieler Schüler eingebracht, die der Mann aber ohne weiteres wieder in Wut ihm gegenüber zu verwandeln vermochte, wann immer es jemand wagte, ihn bei einem seiner seltenen Auftritte in der Grossen Halle oder den noch selteneren in den Korridoren Hogwarts zu nahe zu kommen.

Draco Malfoy zumindest war nicht wieder aufgetaucht. Er war nach der Beerdigung seines Vaters nicht mehr nach Hogwarts zurückgekehrt und einige der Frauen, deren Männer eingesperrt waren, hatten sich mit seiner Mutter zusammen getan und ihre Kinder nach Durmstrang versetzen lassen. Sirius dankte dafür jeder Gottheit, die zuhören mochte. In Snapes Erinnerungen hatte er mitbekommen, was mit Lucius abgelaufen war und auch wie Snape sich ihm sogar nach der Folter und seiner Befreiung nicht widersetzen konnte. Draco war wie das jüngere Ebenbild seines Vaters und es wäre nicht auszudenken gewesen, was passiert wäre, wenn sich die beiden begegnet wären.

Die Situation war bei weitem auch so schon schlimm genug mit Snapes psychischem Tiefflug. Sirius lächelte bitter. Er war schon etwas gewöhnungsbedürftig, der ‚neue' Snape. Seine Haare, obwohl noch immer kurz, schienen noch ungepflegter als zuvor und wenn sie nicht so fettig gewesen wären, wären sie ihm wahrscheinlich wild zerzaust vom Kopf abgestanden, da er sich nicht die Mühe zu machen schien, sie mehr als oberflächlich zu kämmen.

Und dann sein Aufzug. Mit seiner fahlen Haut und den schwarzen Augen, Haaren und Umhängen hatte er schon immer irgendwie bedrohlich ausgesehen, doch nun waren selbst seine Hände in schwarze Handschuhe gehüllt und ließen ihn aussehen wie den Grim Reaper höchstpersönlich.

Zumindest war der Bart nicht wieder erschienen. Doch Sirius vermutete, dass das nur darum so war, weil ein Zauber nicht jeden Tag erneuert werden musste, der einen männlichen Zauberer rasiert blieben ließ. Sonst hätte er darauf gewettet, dass sich Snape nicht die Mühe gemacht hätte.

Schon deshalb wollte Sirius unbedingt mit Snape sprechen. Dumbledore hatte ihm erzählt, dass sich der Zaubertränkemeister geradeaus weigerte, an den Festlichkeiten, die am Nachmittag zu Ehren der Mitbeteiligten des Endkampfes hier in Hogwarts gehalten wurden, teilzunehmen. Dieser dumme Idiot vertat die Chance seines Lebens. Es kursierten sehr verlässliche Gerüchte, dass die, die in vorderster Front gekämpft hatten, den Orden des Merlins erhalten würden. Dass der blöde Slytherin gerade jetzt kniff, war unbegreiflich. Sirius hatte immer gedacht, dass dies die grösste Ehre für das übergrosse Ego des Mannes sein würde. Vor allem, nach dem, was ihm von Malfoy angetan worden war. Die Auszeichnung würde ihm vielleicht endlich aus seiner Depression helfen. Natürlich, nach aussen war Snape wieder dasselbe Ekel wie zuvor und soweit hatte es, nach Sirius' Wissen, keinen weiteren Selbstmordversuch gegeben, aber Sirius beobachtete ihn sehr genau und bemerkte den hoffnungslosen Ausdruck, der manchmal, wenn der Mann sich unbeobachtet fühlte, in seine Augen trat. Ein weiteres Anzeichen war, dass Snape seine Haare noch immer kurz trug, obwohl er sie mit Magie problemlos hätten nachwachsen lassen können. Es schien ihn einfach nicht genug zu kümmern. Sirius machte sich nichts vor. Warum Snape noch immer lebte und keinen weiteren Versuch unternommen hatte, konnte Sirius nicht wirklich verstehen. Vielleicht lag es an einer, ihm unbegreiflichen, Loyalität Dumbledore gegenüber. Aber selbst wenn das der Grund wäre und zudem einer der stark genug war, dann war Albus Dumbledore doch 150 Jahre alt und Snape gerade vierzig. Auch wenn Zauberer lang lebten, so taten sie das nicht ewig. Was würde aus Snape werden, wenn Albus nicht mehr da war? Was würde ihn dann noch hier festhalten? Und was, wenn es, noch schlimmer, pure Resignation war? Wenn Snape sich einfach nicht mehr genug kümmerte und die Energie hatte sich zu töten, dann würde sein Leben kaum noch mehr sein als blosse Existenz und schlimmer als der Tod.

Sirius hatte sein Wort gehalten und Albus nichts von dem Suizidversuch oder Severus' Erlebnissen berichtet, und er dachte, dass dies mit ein Grund war, weshalb der Slytherin versuchte weiterzuleben. Sirius war sogar soweit gegangen, dass er ihm die Adresse eines Seelenheilers aus St. Mungo's, mit einem guten Ruf in der Behandlung von Trauma-Opfern, gegeben hatte, doch nachdem ihm Snape danach die Tür ins Gesicht geschlagen hatte, bezweifelte Sirius, dass er sehr begeistert von der Idee gewesen war.

Er widmete sich wieder der Tür und klopfte noch mal heftig dagegen. "Snape, wenn du nicht endlich diese verdammte Tür aufmachst, dann verschaffe ich mir gewaltsam Eintritt!"

Er wartete eine weitere Minute, bevor er Schritte hinter der Tür vernahm, diese heftig aufgerissen wurde und er sich von Angesicht zu Angesicht mit einem stinksauer aussehenden Snape wiederfand. "Hau endlich ab, Black."

Und damit schwang die Tür auch schon wieder zu, doch Sirius war schnell genug, um seinen Fuss in den Weg zu stellen und sie am Zuschnappen zu hindern. Snapes momentane Überraschung ausnutzend, verwandelte sich Sirius blitzschnell in einen Hund, drückte die Tür mit der Schnauze auf und drängte sich einfach durch die Öffnung, an dem Tränkemeister vorbei in die Räume dahinter, wo er wieder seine menschliche Form annahm und so tat, als sei nichts passiert.

"BLACK!" schrie Snape nun fast hysterisch vor Wut.

Sirius jedoch ignorierte ihn, bemerkte aber mit einem Stirnrunzeln Fawkes, der seelenruhig auf einem Pult in der Ecke sass und sich das Gefieder putzte. Dass Albus' Phoenix hier war, war ungewöhnlich, aber Sirius entschied sich, es im Moment zu ignorieren, schlenderte gemütlich zu dem grossen Sichtsteinkamin und ließ sich auf eines von Snapes smaragdgrünen Sofas davor plumpsen.

"Verschwinde sofort aus meinen Räumen, du verdammter Mistkerl", wütete Snape von der Tür her.

Sirius drehte sich um und sah Snape ungerührt über die Lehne an. "Bist du mal wieder charmant. Ich wollte dich nur abholen für die Ehrungen."

"Ich gehe nicht zu dieser lächerlichen Ehrung, und selbst wenn ich würde, dann würde ich nicht dich brauchen, um mich abzuholen, also zieh Leine, und nimm diesen verteufelten Vogel gleich mit."

"Fawkes? Wieso ist er überhaupt hier?" fragte Sirius.

Snape kräuselte die Lippen. "Woher soll ich das wissen? Seit nunmehr drei Tagen sitzt er hier und lässt sich nicht verjagen. Noch nicht einmal der Direktor kriegt ihn raus."

Sirius warf einen fragenden Blick auf den Vogel, der nach wie vor mit seinem Gefieder beschäftigt war und ihn nicht beachtete. Er hatte immer angenommen, dass der Phönix wie eine Klette an Dumbledore hing, und dass der alte Direktor scheinbar auch von der neuen Wahlheimat seines Vogels überrascht worden war, war mehr als merkwürdig. Aber vielleicht spürte Fawkes auch, dass mit Snape etwas nicht stimmte und hielt hier unten Wache über ihn. Phönixe waren immerhin keine normalen Tiere und fühlten vielleicht mehr als Menschen. Wer konnte das schon wissen? Dennoch konnte er sich ein dankbares Lächeln nicht verkneifen. Scheinbar hatte Snape mehr als einen Beschützer.

Er ignorierte den Feuervogel wieder und wandte sich Snape zu. "Die Feier fängt um halb zwei an. Ich halte dir einen Platz frei."

"Wenn es dir Spass macht, neben einem leeren Platz zu sitzen, bitte schön. Ich werde nicht kommen."

"Natürlich kommst du", entschied Sirius.

"Black...", sagte Snape warnend.

In dem Moment klopfte es erneut an Snapes Tür.

"Ist das hier eine verdammte Durchgangsstation?" blaffte Snape die Tür lautstark an.

"Severus Snape. Öffne sofort diese Tür", erklang McGonagalls Stimme und Sirius stellte nicht ohne Erheiterung fest, dass sie sich wie eine scheltenden Mutter anhörte.

Snape knurrte etwas Unverständliches, ging zur Tür und riss sie auf. Er stellte sich aber gleich in die Öffnung und verwehrte ihr so die Chance, es Sirius gleich zu tun und herein zu kommen. Das hiess aber nicht, dass der Animagus sie nicht gut sehen konnte, oder sie ihn. Sie hob erstaunt eine Augenbraue. Sirius wusste allerdings nicht, ob das deswegen war, weil er in Snapes Quartier war, oder weil sie beide das bis jetzt ohne Blutvergiessen überlebt hatten.

"Was willst du?" fragte Snape schroff und lenkte ihre Aufmerksamkeit damit wieder auf sich selbst. Sie hielt einen gelblichen Umschlag unter seine Nase.

"Da ist schon wieder eine Eule bei mir angekommen, die für dich bestimmt war. Ich habe es satt, jeden Tag ein- oder zweimal mit der Post hinter dir herzulaufen..."

"Dann lass es halt sein."

"...und Albus geht das sicher genauso. Wenn du die Eulen schon wegscheuchst, dann bitte zurück zum Absender. Was sind diese Briefe denn überhaupt? Als einer von St. Mungo's kam, dachte ich noch, dass es mit deinen Verletzungen zu tun hat, aber dann Beauxbatons, all diese in- und ausländischen Geschäfte und Labore und nun", sie deutete auf den Brief, "sogar die Forschungsabteilung des Ministeriums. Wird wohl kaum Fanpost sein."

Snape ließ ein knurrendes Geräusch hören und riss ihr den Umschlag aus den Händen. "Und wäre das so unwahrscheinlich? Dass zumindest einige Leute anerkennen würden, was ich riskiert habe?"

Sofort erblasste sie und öffnete den Mund, um sich gegen den offensichtlichen Seitenhieb zu verteidigen, doch Snape ließ sie nicht zu Wort kommen und sagte knapp: "Das meiste sind Stellenangebote."

"Stellenangebote?"

"Ja", zischte Snape. "Obwohl mir Dumbledore meine alte Stellung wieder angeboten hat, bin ich zurzeit arbeitslos und ein ausgebildeter Zaubertränkemeister ist begehrt. Vor allem einer, der von sich behaupten kann, im Endkampf gegen den dunklen Lord dabei gewesen zu sein, weshalb somit etwas von dem Ruhm auf den zukünftigen Arbeitgeber abfärben kann."

"Stellenangebote?" echote McGonagall noch einmal fassungslos. Ihr Blick huschte kurz zu Snapes behandschuhten Händen, aber dann starrte sie mit etwas wie ungläubigem Schock in Snapes Gesicht. Sie sah so aus, als ob man ihr soeben mitgeteilt hätte, dass Albus Dumbledore sich zum nächsten Dunklen Lord erklärt hätte. "Du hast doch nicht vor, eine andere Arbeit anzunehmen? Ich meine, du gehörst hierher..."

Sirius war irgendwie erstaunt zu sehen, dass sie der Gedanke so zu verstören schien. Sie schien Snape trotz ihrer immerwährenden Rivalität und der fast schon gleichgültigen Art, wie sie ihn behandelte, nicht in Hogwarts verlieren zu wollen. Und zumindest hatte sie genug Geistesgegenwärtigkeit besessen Snape nicht auf seine Behinderung anzusprechen. Natürlich würden die verstümmelten Hände, obwohl sie in den letzten Wochen wieder einen Grossteil der alten Beweglichkeit und vor allem Kraft zurückgewonnen hatten, nie mehr in der Lage sein, über Stunden heikle Zutaten zu bearbeiten, da die Finger wohl kaum noch die nötige Beweglichkeit und Kraft mehr haben würden, doch dieses Defizit konnte man mit Geduld und Magie ausgleichen. Dennoch wäre es Snapes Überlebenswillen alles andere als förderlich, es ihm unter die Nase zu reiben, selbst, wenn er sich dessen selber sicherlich auch voll bewusst war.

"Ich denke noch immer darüber nach", beantwortete Snape ihre Frage. "Wenn ich meine Entscheidung getroffen habe, wirst du eine der ersten sein, die es erfährt. Aber nun entschuldige mich."

Und damit knallte er die Tür vor ihr ins Schloss.

Den Umschlag in der verkrampften Hand zerknüllend, drehte er sich zu Sirius herum. "Das gilt auch für dich. Hau ab."

Sirius seufzte und setzte sich etwas gerader hin, während er Snape genau in die Augen sah. "Es heisst, dass alle, die besonders zum Sieg beigetragen haben, den Merlinsorden erhalten werden. Das betrifft wohl den ganzen Orden, zu dem du auch gehörst. Sag mir nicht, dass du dir das entgehen lassen willst. Als du mich damals in Harrys drittem Jahr in die Pfanne hättest hauen können, schienst du noch sehr erpicht auf diesen Orden."

Snape lachte freudlos auf. "Bist du wirklich so ein Hohlkopf, oder tust du nur so? Ich werde den Orden nicht erhalten, nun wo meine Vergangenheit öffentlich bekannt ist."

Sirius wollte vehement widersprechen, doch Snape unterbrach ihn mit verbittertem Tonfall und wütend blitzenden Augen: "Und auch dein guter Freund Lupin wird leer ausgehen, darauf kannst du Gift nehmen. Man wird den Orden nicht einem Werwolf oder einem ehemaligen Todesser verleihen."

"Das ist kompletter Unsinn. Das wäre absolut unfair, diskriminierend und Fudge würde die ganze Versammlung wütend machen! In den Augen der Zauberergesellschaft bist du ein genau so grosser Held wie ich oder die anderen. Und auch Remus."

Snape lächelte gefährlich. "Du bist schon unglaublich naiv, nicht? Die Welt ist nicht fair, das solltest du als erster wissen. Ein ehemaliger Todesser, der gegen seinen früheren Herrn kämpft, ist populär, genau wie ein Werwolf, der sich trotz Diskriminierung auf die Seite des Ministeriums schlägt. In der Öffentlichkeit sind wir vielleicht Helden, aber nie wie du oder die anderen. Wir sind bestenfalls eine Attraktion, ein sensationelles Pferd, das gelernt hat über die Grenze seiner Art zu handeln. Das macht uns noch nicht zu Gleichberechtigten." Er hob zum Nachdruck den Brief, den er noch immer zusammengeknüllt in der Hand hielt. "Weder Lupin noch ich werden in der nächsten Zeit irgendwo nicht gern gesehene Gäste sein. Man wird uns bestaunen und überfreundlich sein, doch wenn es darauf ankommt, dann wird man immer einen Sicherheitsabstand zu uns halten. Ein Fehler von uns, und wir sind in den Augen der Öffentlichkeit wieder auf den Werwolf und den Todesser reduziert. Das Ministerium ist nur ein Spiegel unserer Gesellschaft. Dort gibt es solche Leute wie Fudge, genau wie auch solche wie Arthur, aber die grosse Mehrheit ist auf Fudges Seite. Es ist Zeit für dich erwachsen zu werden und die Menschen als das zu sehen, was sie sind. Du bist ein Hohlkopf, Black. Aber was soll man von einem idealistischen Gryffindor, der das Erwachsenwerden in Askaban verschlafen hat, anderes erwarten?"

Sirius ließ das nicht auf sich sitzen. Wütend sprang er auf und ging auf Snape zu, bis ihre Gesichter nur noch Zentimeter voneinander entfernt waren. "Du bist so verbittert und eigenbrötlerisch, dass du derjenige bist, der nicht die Wahrheit sieht. Die ganze Welt ist nicht so schwarz und übel, wie du sie immer malst. Okay, ich verstehe, dass dir nach all dem Erlebten nicht gerade zum Jubeln zumute ist, aber du solltest endlich aufhören es dein ganzes Leben beeinflussen zu lassen. Die Erinnerung wird dich wahrscheinlich nie verlassen, das anzunehmen wäre utopisch. Die Kunst ist es, dass du nicht zulässt, dass sie dich beherrscht.
Versuch endlich es zu verarbeiten, anstatt es einfach als Gesetz des Lebens anzusehen, dass es nie besser werden wird!"

Snape antwortete nicht. Viel mehr sah er Sirius mit zusammengezogenen Augenbrauen an, seinen Mund fest zusammengepresst und seine ganze Haltung angespannt. Seit dem Vorschlag mit dem Seelenheiler hatte Sirius das Thema über Snapes Folter gewissenhaft vermieden und so getan, als sei alles in Ordnung. Aber das war es nicht und es würde auch nicht so einfach in Ordnung kommen. Der Merlinsorden könnte dabei vielleicht helfen.

Nach einer weiteren angespannten Minute, in der Snape und Sirius sich einfach anstarrten, bewegte sich der Zaubertränkemeister schlussendlich, ging zur Tür und öffnete sie. "Hau sofort ab, Black."

Sirius gehorchte diesmal, aber bevor er ganz durch die Tür getreten war, drehte er sich noch einmal nach dem Slytherin um. "Ich erwarte dich um halb zwei draussen, sonst hole ich dich gewaltsam." Er sah abgestossen an dem anderen Zauberer auf und ab. "Und wasch dir vorher die Haare."

Sirius hatte gerade noch Zeit, einen Satz nach draussen zu machen, als Snape die Tür zuknallte.

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T.B.C.

 

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