Sünden der Väter

 

Zurück

 

Zurück zur
Startseite


Kapitel 1

Ein weiteres Jahr in Hogwarts



Hermine Granger saß allein im Abteil des Hogwarts Expresses, das nur für ,Schulsprecher und Schulsprecherin´ gedacht war, und las den Tagespropheten um sich die Zeit zu vertreiben, während sie darauf wartete, dass der Zug losfuhr und sie sich zu ihren Freunden setzen konnte. Hermine fühlte sich ein wenig einsam, denn Schulsprecherin zu sein, bedeutete für sie nicht nur ein eigenes Zugabteil, sondern auch, dass sich die Zeit, die sie ansonsten zusammen mit ihren Freunden verbracht hatte, verringern würde und noch mehr schulische Pflichten auf sie zukommen würden. Außerdem versuchte sie verzweifelt die Frage zu verdrängen, wer dieses Jahr mit ihr zusammen Schulsprecher sein würde. Es gab dafür zwar reichlich Auswahl, denn an Jungs fehlte es ihrem Jahrgang nun wirklich nicht, aber sie hatte so ein Gefühl, das sie erahnen ließ, wer der ,Auserwählte´ sein würde. Jedoch hoffte sie inständig, dass sie sich irrte.
Nicht ihn, bitte! Jeden, nur nicht ihn.

Immer und immer wieder wiederholte sie diese Bitte im Stillen, ähnlich wie eine Gebetsformel, die in Erfüllung gehen sollte. Der Gedanke an ,ihn´ störte ihre Konzentration erheblich, so dass sie bereits zum fünften Mal ein und denselben Satz las. Genervt warf sie den Tagespropheten in die Ecke und schaute aus dem Fenster, von dem aus sie eine gute Aussicht auf die Plattform 9 ¾ hatte.
Er kommt ganz schön spät, dachte sie als sie auf die Uhr schaute, die bereits eine Minute vor elf anzeigte.
"Bis dann, Draco", hörte Hermine einen blonden Mann sagen. Ein kalter Schauder lief ihr über den Rücken.
Ist das etwa Malfoys Vater? Wer hat den denn aus Azkaban gelassen? Hermine war ein wenig überrascht zu sehen, dass Draco von seinen Eltern, und dann auch noch gerade von seinem Vater, verabschiedet wurde.
"Hmm…", kam nur als Antwort und Draco stieg ein.

***



Das darf doch nicht wahr sein. Deinetwegen bin ich auch noch zu spät, du unfähiger Versager! Das kriegst du zurück.
Draco war wütend, doch ließ er sich dies gewiss nicht anmerken als er an den jeweiligen Abteilen vorbeiging, hin und wieder ein paar abfällige Blicke aussendete, und auf dem Weg zu seinem eigenen Abteil war. Er war schließlich ein Malfoy, und Malfoys zeigen keine Gefühle. Allein daran zu denken, dass der ein Jahr lang… Na toll, jetzt ist mein Tag gelaufen. Von wegen entspannte Hinfahrt mit Potter und Weasley ärgern, obwohl… Letzteres lässt sich ja immer noch bewerkstelligen. Draco grinste hämisch bei dem Gedanken an den bevorstehenden Spaß. Ein kurzer Moment der Freude, der aber nicht lange anhalten sollte, denn dann stand er vor der Tür seines Abteils.
Wenigstens muss ich dieses Jahr diese zwei Schwachköpfe, Grabbe und Goyle, nicht ertragen, dachte Draco noch als er die Tür öffnete, wurde aber aus seinen Gedanken gerissen als er sah, wer da in ,seinem´ Abteil saß: Hermine Granger!

***



Hermine hatte ihn schon gehört, bevor er die Tür geöffnet hatte. Nun sah sie ihn mit einem Blick aus Überraschung und Ich-hab's-gewußt an und brachte nur ein knappes
"Hallo Malfoy" hervor. Sie hatte sich geschworen, dass sie mit dem Schulsprecher auskommen würde, auch wenn es Malfoy sein solle.
Draco antwortete natürlich nicht, verstaute gemütlich sein Gepäck und setzte sich, als ob nichts gewesen wäre.
Dieser arrogante-

"Bist du nicht ein bisschen spät? Wie sähe das denn aus, wenn der Schulsprecher den Zug verpassen würde? Kein gutes Vorbild, oder?", versuchte Hermine mit zusammengebissenen Zähnen eine halbwegs zivilisierte Unterhaltung zu beginnen, dennoch konnte sie den vorwurfsvollen Unterton, den sie sich in sechs Jahren antrainiert hatte, nicht vermeiden.
"Was geht dich das an, Schlammblut?", gab ihr Draco zurück. Er wollte sich definitiv nicht unterhalten, nicht jetzt, nicht hier und sicher nicht mit einer Gryffindor-Besserwisserin.
"Hör zu, Malfoy, wir beide sind jetzt Schulsprecher. Wir sollten zumindest versuchen, besser miteinander auszukommen, schließlich liegt noch ein ganzes Jahr vor uns und es wäre besser den unteren Jahrgangsstufen ein-"
"Hast du nichts zu tun, Granger? Der Zug ist losgefahren, falls dir das entgangen sein sollte. Geh und nerv Potter und sein Wiesel oder sonst jemanden, der deine überflüssigen Kommentare hören will", unterbrach er sie. "Und bleib dort", fügte er noch hinzu. Er schaute aus dem Fenster und demonstrierte ihr damit, dass die Unterhaltung für ihn zu Ende war.
Hermine sprang auf und stand kurz davor Draco zu erwürgen, entschied sich aber eines besseren, verabschiedete sich mit einem schlichten "Dann nicht" und verließ hoch erhobenen Hauptes das Abteil. Sie hatte ganz sicher nicht vor, sich die ganze Fahrt von diesem eingebildeten Idioten beleidigen zu lassen.

Draco starrte auf die Tür, ein wenig überrascht von Hermines plötzlicher Reaktion.
Ein ganzes Jahr mit der als Schulsprecherin? Schlimmer kann es ja wohl nicht kommen, doch hatte er gewiss besseres zu tun, als sich darüber Gedanken zu machen. Also nahm er sich den Tagespropheten, der neben ihm auf einem der Sitze lag und begann zu lesen.
"Das darf doch nicht wahr sein!", stöhnte er, als er die erste Zeile gelesen hatte. Dann warf er die Zeitung beiseite und beschäftigte sich wieder mit der draußen vorbeirauschenden Landschaft.

***



"Wisst ihr schon das Neuste? Gilderoy Lockhart ist aus St. Mungos ausgebrochen!" Hermine versuchte das Thema zu wechseln, nachdem sie sich gerade bei ihren Freunden über Malfoy ausgelassen und ihnen die Neuigkeit über die vermutliche Freilassung von Lucius Malfoy überbracht hatte.
"Ist nicht wahr", brachte Ron hervor, während alle anderen, unter anderem auch Harry und Ginny, die mittlerweile miteinander ausgingen, und Neville, fassungslos Hermine anstarrten.
"Was denn? Kann es sein, dass unser Wiesel nicht bescheid weiß, obwohl sein Vater im Ministerium arbeitet?" Draco Malfoy betrat das Abteil auf seiner jährlichen ,Begrüßungstour´, gefolgt von seinen beiden Leibwächtern Crabbe und Goyle.
"Was willst du hier, Malfoy?", entgegnete ihm Harry giftig. "Geh und nerv andere Leute."
"Spielst du jetzt Bodyguard für deinen kleinen, rothaarigen Freund, Potter?" Draco spuckte den Namen seines Erzfeindes regelrecht aus, denn obwohl Voldemort nicht zuletzt auch durch Potter besiegt worden war, hatte er nicht geplant, den Jungen-der-lebt als potentiellen Freund anzusehen. Im Gegenteil, er würde ihm sein Leben zur Hölle machen und auf ewig sein Rivale bleiben. Denn gerade jetzt, da Voldemort tot war, erhielt dieser Gryffindor als ,Held´ noch mehr Aufmerksamkeit als zuvor! Es war zum Kotzen.

***



Hermine beobachtete den Streit in aller Ruhe.
Die werden es nie lernen, seufzte sie und versuchte nicht einmal, die beiden Streithähne, oder sollte man sagen, die drei Streithähne, wenn man den kurz vorm explodieren stehenden Vulkan Ron mitzählte, auseinander zu bringen. Ihre Aufmerksamkeit widmete sie ihnen erst wieder, als sie Harry sagen hörte:
"Meine Eltern waren nicht zu feige sich gegen Voldemort zu stellen, was man von einem Todesser-Vater, oder sollte ich lieber sagen einer Todesser-Familie, wohl nicht behaupten kann. Wie geht es übrigens deinem Vater? Gefällt es ihm in Azkaban?"
Malfoys Miene verfinsterte sich und seine Augen wurden noch kälter als sonst. Selbst sein sonst so überhebliches Grinsen verschwand.
"Wenigstens habe ich noch Eltern im Gegensatz zu dir."

Hermine empfand es als notwendig, einzuschreiten, bevor es noch zu einem Duell kommen würde, denn beide Parteien bewegten sich gerade ziemlich unter der Gürtellinie und das verhieß nichts Gutes.
"Das reicht, Harry! Malfoy, als Schulsprecher solltest du ein bisschen mehr Verantwortung zeigen und dieses äußerst kindische Benehmen ablegen! Es wäre besser, wenn du jetzt gingest, Malfoy, bevor noch jemand etwas Schlimmeres sagt und alles eskaliert." Hermine schaute tief in Dracos Augen, denn sie hatte schon längst die Angst vor seinen durchbohrenden Blicken verloren.
Er ist doch sonst nicht so angesprungen, wenn man seine Familie erwähnt hat. Zumindest nicht so.
Draco brach den Augenkontakt und machte Anzeichen zu gehen, aber natürlich nicht ohne einen letzten Kommentar: "Pass besser auf, Granger, es kann sehr unangenehm enden, wenn man sich zu sehr in anderer Leute Angelegenheiten einmischt." Dann verließ er das Abteil.

***



Draußen beorderte Draco Crabbe und Goyle, ihm etwas zu trinken zu holen. Er brauchte definitiv Zeit zum Nachdenken. Er merkte nicht einmal, dass er sich keinen Zentimeter von der Stelle gerührt hatte, als Crabbe und Goyle wieder zurückkamen, welche sichtlich verwundert darüber waren, dass Draco immer noch dort stand. Aus seinem Gedankengang gerissen hörte er nur noch wie drinnen jemand fragte:
"Sag mal Ron, weißt du wer der neue Muggelkundelehrer wird?" Draco zuckte leicht zusammen.
"Woher? Mein Vater hat nichts gesagt und ihr wisst ja, dass Dumbledore Überraschungen liebt…"
Das kann ja heiter werden, dachte Draco. Irgendwie hatte sein Besuch bei dem berühmten Trio nicht das bewirkt, was er sich erhofft hatte. Sie hatten es tatsächlich geschafft, ihm den Spaß zu verderben und das nur durch eine Frage…

***



Der Zaubertränkemeister von Hogwarts saß am großen Tisch zwischen zwei leeren Stühlen. Ihm schwante so einiges bei dem Gedanken an die neuen Lehrer. Um ehrlich zu sein, war ihm dieser Werwolf noch lieber als der andere, und das sollte schon was heißen. Seinen finsteren Blick hatte er über den Sommer nicht verloren, vielmehr hatte dieser sich noch intensiviert mit dem Wissen, dass Dumbledore ihn wieder einmal bei der Wahl des Verteidigung gegen die Dunklen Künste Lehrers übergangen hatte. Und genau diesen Blick bekam jeder seiner Kollegen zu spüren, besonders diejenigen, die ihn auf sein Aussehen ansprachen. Was sollte das überhaupt? Schließlich ging sie das gar nichts an. Und jetzt saß er am großen Tisch und wartete auf die neuen, nervigen Schüler, aus denen bestimmt wenigstens ein Neville Longbottom hervorgehen würde, auf diesen verhassten Werwolf, der bei allem Übel auch noch neben ihm sitzen würde, und, was vielleicht noch viel schlimmer war, auf den neuen Muggelkundelehrer, von dem er einiges mehr wusste als die übrigen Lehrer, mit Ausnahme von Dumbledore natürlich.

Das macht dieser alte Kauz absichtlich, der will mich ärgern, dachte Snape, als sich Lupin neben ihn auf den freien Platz setzte.
"Guten Abend, Severus", begrüßte dieser ihn freundlich.
"Lupin" Ein kurzes Nicken und damit waren die Freundlichkeiten bereits ausgetauscht und Severus ging erneut seinen Gedanken nach. Er konnte diesen Werwolf immer noch nicht ausstehen und daran würde sich so schnell auch nichts ändern. Wenigstens hatten sie es seit dem Tod Blacks auf eine zivilisiertere Ebene gebracht, die erlaubte, dass sie miteinander kommunizierten, ohne sich gegenseitig umzubringen. Sein Blick richtete sich nun auf die Haustische, an denen sich die Schüler bereits eingefunden hatten und nun ebenfalls auf die Neulinge warteten. Und irgendwie wurde Snape auch dieses Gefühl nicht los, dass man ihn beobachtete. Und tatsächlich, mehrere Schüler schauten ihn mit ungläubigen Blicken an, darunter natürlich auch Potter und Weasley. Er konterte mit einem ein-Wort-und-ich-töte-dich Blick, der an jeden Schüler gerichtet war, sogar an ,seine´ Slytherins, die nicht weniger überrascht guckten. Die Einteilungszeremonie begann und der neue Lehrer war noch nicht da.

Hoffentlich ist der an seinem Muggel-Kram erstickt, dachte Snape und war mit diesem Gedanken nicht ganz allein, denn es gab noch jemanden, der sich etwas ähnliches wünschte.

***



Draco hatte zwar während der ganzen Fahrt damit geprahlt, dass er Schulsprecher werden würde und hatte damit sich und andere geschickt von seinen Problemen abgelenkt, aber mittlerweile überkam ihn ein ungutes Gefühl in der Magengegend bei dem Gedanken an den neuen Muggelkundelehrer, von dem er, im Gegensatz zu allen anderen, wusste, wer dieser war, bzw. was er war. Die Tatsache, dass sie Lupin als Verteidigung gegen die Dunklen Künste Lehrer wiedergeholt hatten, störte ihn eigentlich weniger, auch wenn sich die anderen Slytherins angeregt darüber unterhielten. Draco war in Gedanken nur mit diesem neuen Lehrer beschäftigt und hörte deshalb der Unterhaltung, die um ihn herum geführt wurde, nur halb zu, bis zu dem Zeitpunkt, als er "Hast du Snape gesehen?" verstand. Was war denn so besonderes an Snape? Er schaute Richtung großer Tisch und starrte schockiert auf seinen Hauslehrer.

Jetzt geht die Welt unter. Lange Haare im Zopf? Fehlt nur noch, dass er sich ein Modebewußtsein zulegt, und er schüttelte den Kopf. Von dem selbstsicheren Draco Malfoy war momentan nicht viel übrig, doch er versuchte, sich das natürlich nicht anmerken zu lassen und hoffte inständig, dass niemand etwas merkte. Hoffnung, eigentlich ein Wort von dem er wusste, dass es in dem Wortschatz der Malfoys nicht existieren sollte, doch bis vor kurzem dachte er auch, dass er schon bald Halbwaise sein würde. In Gedanken versunken fiel ihm nicht auf, dass die Einteilungszeremonie beendet war und Dumbledore bereits zum Essen einlud.

***



"Nun hab ich noch drei Ankündigungen zu machen." Wie immer, wenn der Schulleiter von Hogwarts sprach, strahlte er eine unvergleichliche Präsenz aus, die eine angenehme Stille in der Großen Halle herbeiführte.
"Zum einen möchte ich Professor Lupin wieder als Lehrer für Verteidigung gegen die Dunklen Künste willkommenheißen." Lupin stand auf, nickte kurz und setzte sich wieder, ganz nach Snape-Manier.
"Desweiteren können wir dieses Jahr einen neuen Muggelkundelehrer", Draco zuckte sichtbar zusammen, "bei uns begrüßen, der, so wie es aussieht, leider-" Die Türen zur Großen Halle öffneten sich und ein großgewachsener Mann in Muggelkleidung durchschritt die Große Halle mit schnellen Schritten Richtung großer Tisch, "erst jetzt angekommen ist", beendete Dumbledore mit einem leichten Schmunzeln seinen Satz.

Ein Murmeln ging durch die Reihen der einzelnen Haustische. Sofort wurden Vermutungen über diesen doch seltsam erscheinenden neuen Lehrer angestellt, wie:
"Was trägt der denn für seltsame Kleidung?", oder "Der kommt mir irgendwie bekannt vor." Draco war bereits längst innerlich gestorben, und als er auch noch von den Mädchen hörte "Oh Merlin, das nenne ich mal einen gutaussehenden Professor", spielte er mit dem Gedanken, von einer hohen Klippe zu springen, dessen Ergebnis dann seine körperliche Verfassung der seelischen angleichen würde. Noch hatte er nicht gewagt, hochzugucken, doch jetzt überwand er sich, um sich diesen ,Alptraum´, wie er es gerne bezeichnete, anzusehen. Da stand er nun, der neue Professor. Er trug einen schwarzen Nadelstreifenanzug - ja, Draco kannte sich auch in Muggelkleidung aus - mit Turnschuhen. Anstatt eines weißen Hemdes und Krawatte, trug er sein Jackett locker über einem weißen T-Shirt, das anscheinend passend zu seinen silberblonden Haaren ausgesucht worden war, und zu allem Überfluss, wie Draco empfand, hatte er seine Sonnenbrille noch nicht abgenommen.
Ist es hier drin nicht dunkel genug?

Beim Abnehmen der Sonnenbrille, die er in seine Jacketttasche steckte, sagte der neue Lehrer nur:
"Tut mir leid, ich hab mich verfahren." Er nickte seinen Kollegen zu, und drehte sich dann zu den Schülern um. Ein Raunen ging durch die Halle, als den meisten von ihnen aufging, wem denn dieser ,Neue´ so ähnelte.
"Darf ich vorstellen, unser neuer Professor für Muggelkunde, Professor Malfoy." Nach diesen Worten von Dumbledore herrschte, anders als sonst, Totenstille in der Großen Halle. Man hätte selbst eine Stecknadel fallen hören können. Die Schüler schauten nur mit weit aufgerissenen und ungläubigen Augen auf Dumbledore, dann auf Malfoy, dann wieder auf Dumbledore und dann auf den Slytherin-Tisch, an dem sich ein sehr unwohl fühlender blonder Slytherin-Junge gerade wünschte, dass die Welt unterginge.

Dumbledore schien die Verwirrung, die der Name Malfoy ausgelöst hatte, zu ignorieren und fuhr fort:
"Und als letztes möchte ich die Schulsprecher für dieses Jahr zu mir bitten. Die diesjährige Schulsprecherin ist Hermine Granger." Geistesabwesend applaudierten einige Schüler, als Hermine sich zum großen Tisch begab, denn der Schock über den neuen Lehrer saß immer noch tief. "Und diesjähriger Schulsprecher ist Draco Malfoy."
Die fragenden Blicke der anderen Slytherins bohrten sich in seinen Rücken, als Draco sein höhnisches Grinsen aufsetzte und elegant und siegessicher nach vorne zum großen Tisch stolzierte. Wenn er all die Jahre eines von seinem Vater gelernt hatte, war es die Fähigkeit, selbst in den schmachvollsten Situationen ein gekonntes Pokerface aufzusetzen. Jedoch stellte sich dies als schwieriger heraus als er erwartet hatte, denn Professor Malfoy grüßte ihn offenherzig, als sie Dumbledore durch den Nebenausgang folgten und die Große Halle verließen.

"Herzlichen Glückwunsch, Draco, wir werden jetzt bestimmt öfter miteinander zu tun haben."
Und wovon träumst du nachts?
"Danke, Professor", presste Draco hervor. Er wollte auf jeden Fall Distanz wahren, sonst kam noch jemand auf dumme Gedanken.

***



Kaum in seinen Räumlichkeiten angekommen, warf Severus einen Blick in den Spiegel, den er seit Jahren gemieden hatte. Was fragten ihn auch alle nach seinem Aussehen. Er hatte nur einen kurzen Moment der Ruhe, da er als Hauslehrer noch die jährliche Predigt an seine Slytherins halten musste. Er fragte sich selbst immer wieder, wieso er noch unterrichtete. Das Dunkle Mal war verschwunden, er hatte all die Jahre als Spion mehr als genug bezahlt für seine Fehler und war sogar als einer der Helden im Kampf gegen Voldemort betitelt worden. Für ihn war es vollkommen unverständlich wieso er sich ein weiteres Jahr mit diesen unfähigen Schülern abgab. Er machte ein Feuer im Kamin, durch den er gleich in den Slytherin-Gemeinschaftsraum gehen würde, um die nervigen neuen Schüler einzuschüchtern. Und um dem Ganzen noch eine Krone aufzusetzen, war sein Lieblingsprofessor Gilderoy Lockhart aus St. Mungos geflohen, der neue Muggelkundelehrer der für tot gehaltene Bruder seines langfristigen Freundes, der, nebenbei bemerkt, aus Azkaban entlassen worden war, ein Squib und… ein Schauder lief ihm über den Rücken: Schwul. Er schritt durch den Kamin und dachte noch Schlimmer kann es ja nicht kommen.



Prolog

Kapitel 2

 

Review

 

Zurück