Tage des Glücks - Kapitel 5

 

 

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Kapitel 5



„Severus, komm wach auf, es gibt Frühstück. Dein Vater ist eben nach Hause gekommen. Ach, du bist ja bereits wach...“

Seine Mutter stand in der Tür und sah besorgt aus, als sie ihn so stehen sah. Er sah mitgenommen und erschöpft aus. Severus stand vor dem Fenster und blickte hinaus in den Garten. Es versprach ein wunderschöner Tag zu werden. Die Vögel, aufgeweckt durch das orange-rötliche Licht, zogen ihre Bahnen durch die riesigen Waldgebiete Bilsborrows. Traurig stellte Severus fest, dass er diesen Moment wahrhaftig genossen hätte, würde Annabelle hier neben ihm stehen, oder läge schlafend in seinem Bett.

Mrs. Snape kam langsam auf ihren Sohn zu. Sie legte ihre Hand auf seine Schulter. Ihre Stimme und ihre Gesten wirkten schon immer sehr beruhigend auf ihn.

„Ich weiß, dass du dir wieder Gedanken machst, aber hör auf damit, es tut dir nicht gut. Na komm, Severus. Lass uns nach unten gehen.“ Sanft schob sie ihn vom Fenster weg und führte ihn hinunter in die Küche.

Am Küchentisch saß bereits sein Vater, sein Gesicht verborgen hinter dem Tagespropheten. Neben ihm stand eine Tasse dampfenden Kaffees. Mr. Snape besaß ergrautes Haar, das einst einmal schwarz gewesen war. Er hatte die selben tiefschwarzen Augen und das markante Gesicht seines Sohnes. Da er jemanden hinunter kommen hörte, sah er auf. Sein Mund verzog sich zu einem diebischen Lächeln, als er Severus sah. „Morgen Sohn, schön dich auch noch mal zu sehen. Dachte, du kommst überhaupt nicht mehr nach Hause.“

Mrs. Snape hatte zwischenzeitlich Celina zum Frühstück gerufen.

Severus setzte sich zu seinem Vater, welcher sofort damit begann, von seiner Arbeit zu erzählen.

Wenige Momente später konnte man leise Schritte vernehmen, welche die Treppenstufen hinunter gingen. Mit einem müden Lächeln auf den Lippen gesellte sich Celina zu den anderen am Tisch. Sie sah wirklich erschöpft, aber zugleich auch überglücklich aus. Ihr war, als sei ihr eine immense Last von der Seele genommen worden. „Guten Morgen! Ich hoffe, ihr habt alle mehr geschlafen als ich, aber dennoch bin ich soeben mit meiner Arbeit fertig geworden!“

Severus betrachtete Celina eingehend. Sie war in einer nachtblauen Robe gekleidet und ihr langes, rotbraunes Haar war zu einen Dutt gebunden, indem sich mit der Zeit wenige Strähnchen lösten. Verzweifelt versuchte er, ihre Augenfarbe zu bestimmen. Es ging nicht. Aber dennoch registrierte sein Unterbewusstsein, dass sie freundliche und offene Augen hatte.

Celina nahm neben Severus platz und genoss die Wärme des frühen Morgens und den Duft von frisch gebackenen Brötchen. Die Küchenuhr zeigte, dass es bereits halb elf war. Nun, an Schlaf konnte sie an einem Tag kaum denken. Sie würde nicht mehr einschlafen können. Des weiteren fiel ihr auf, dass sie auch noch sehr wenig von der Umgebung gesehen hatte, da ihr Eifer der Neugierde zuvor gekommen war. Jetzt, da sie nun alles erledigt hatte, wollte sie sich ein wenig um ihre Neugierde kümmern. Sie wollte einen langen Spaziergang machen, neue Dinge entdecken und ihre Seele baumeln lassen. Doch sie war nun mal kein Mensch, der gerne alles alleine tat. Schon bevor sie eingeschult wurde, war sie bereits eine sehr gesellige Person. Sie liebte es, von Menschen umgeben zu sein oder mit anderen Späße zu machen. Jedoch wer würde mit ihr auf Erkundungsreise gehen? Sie kannte doch niemanden aus dem Ort, abgesehen von den Bewohnern dieses Hauses. Sie sah zu Severus herüber. Sie fragte sich, was für ein Mensch er wohl sei und dachte bei sich, dass sie ihn ja fragen konnte.

„Nun, ich wollte mir heute mal Bilsborrow ansehen. Hätten Sie nicht vielleicht Lust, mich zu begleiten, Severus? Dann hätte ich zugleich auch die Gelegenheit, Sie kennen zulernen. Was meinen Sie?“

Severus hatte wirklich keine Lust, eine Art Fremdenführer zu spielen. Außerdem pflegte er eigentlich, nicht mehr von sich Preis zugeben, als nötig. Er war gerne undurchschaubar und so sollte dies auch bleiben. Außerdem hegte er kein besonderes Interesse, einer zukünftigen Aurorin, die für ihn zum Todfeind werden könnte, anzufreunden. Er konnte sich nur zu gut an das Gespräch von gestern erinnern, als seine Mutter ihm stolz verkündete, dass sie eine Stelle als Auror in der Hand hätte, wenn sie die Universität im nächsten Semester verlässt. Gerade wollte Severus seine übliche Maske aufsetzen und ihr eine unfreundliche und sarkastische Bemerkung entgegen bringen. Doch seine Mutter erkannte dies früh genug und nahm Severus sprichwörtlich den Wind aus den Segeln.

„Aber natürlich wird Severus dich begleiten. Ich bin mir sicher, dass ihm einen Spaziergang auch gut tun würde.“

Da war es schon wieder! Seine Mutter mischte sich schon wieder in sein Leben ein. Er konnte es wirklich nicht fassen, wie sie ihn doch jedes Mal dazu brachte, die Dinge auch zu tun, die sie wollte.

Nun blieb dem armen Severus nichts anderes übrig, als aufzugeben. Er machte gute Miene zu bösem Spiel und beschloss, bei Zeiten mit seiner Mutter zu sprechen. Er war schließlich kein kleines Kind mehr und hatte durchaus seine eigene Meinung.

„Nun Severus, ich glaube, wir müssten unten noch Muggelkleidung von Ronan haben. Die Sachen müssen dir einfach passen!“

Severus fragte sich wirklich, ob der Tag noch schlimmer werden konnte. Schließlich befand er sich im Urlaub. Jetzt musste er auch noch auf seine Robe verzichten und stattdessen irgendwelche Muggelsachen tragen. Eh sich Severus versah, war Mrs. Snape bereits in den Keller verschwunden, auf der Suche nach passender Kleidung.

Zu Severus Enttäuschung kam sie mit einer schwarzen Jeans und mit einem schwarzen Hemd zurück. Triumphierend sah sie Severus an. „Hier, das wird dir bestimmt gut stehen. Na komm, geh´ hoch und zieh dich besser um.“

Mit einem leicht säuerlichen Blick erhob er sich, nahm er die Kleidung und machte sich auf ins Gästezimmer. Sein Gesicht konnte wahre Bände sprechen und spiegelte seine Missgunst wieder.

Wenige Minuten später betrachtete er sich im Spiegel. Wie sollte er es bezeichnen, aber er sah aus wie ein Muggel! Für ihn war es ein durchaus anormales Bild.

Severus kam die Treppen herunter und sah, dass Celina noch nicht fertig war. Leicht entnervt dachte er zu sich, dass dies typisch für eine Frau war. Ungeduldig wartete er auf sie.

Nach einer, für Severus sehr langen, halben Stunde konnte man Schritte von oben vernehmen. Celina war nun endlich fertig geworden. Celina war, wie Severus, ganz in schwarz gekleidet. Sie trug ihre langen Haare offen und war dezent geschminkt.

„Können wir?“

Severus versuchte einen genervten und gelangweilten Gesichtsausdruck zum Besten zu geben, aber irgendwie misslang ihm dies. Er konnte es drehen und wenden so lange er wollte, er kam immer zu dem selben Ergebnis. Er freute sich darauf, wieder einmal einen gemütlichen Tag zu verbringen und etwas zu unternehmen. Severus stellte sich die Frage, wie lange es wohl her sei, einen wirklich schönen Tag verbracht zu haben.

Severus und Celina gingen zur frühen Mittagsstunde hinaus, um die Kleinstadt zu erkunden. Die Luft um die beiden herum war geschwängert vom Duft der Rosen und des Flieders. Man konnte alte Backsteinhäuser erkennen, deren Wände von Efeu geschmückt waren. Überall sah man prachtvolle Gärten und blühende Gewächse.

Sie gingen eine winzige gepflasterte Straße entlang und gelangten an den Kanal Bilsborrow`s. Die Umgebung war traumhaft schön und atemberaubend. Auf der anderen Seite konnte man auf Felder und Wiesen blicken, auf denen Schafe und Kühe grasten.

Die Zeit schwand dahin und der Tag erschien zu kurz für die beiden. Ihnen war, als sei die Zeit Sand, der ihnen leise durch die Hand rieselte.

Es war bereits früher Nachmittag, als sie in einer kleinen Gaststätte Rast machten. Der „Old Nells“ war ein kleines Wirtshaus mit einem rustikalen Holzdach und erbaut aus braunem Fachwerk.

„Wollen wir uns setzen? Dies erscheint mir ein gemütlicher Platz zu sein. Oder was meinen Sie, Severus?“

Severus nickte nur. Celina erzählte während diesen Tages viel von ihr. Sie teilte ihm ihr Leben unter den Muggeln mit und aus welchem Grund sie Auror werden wollte. Mit bedrücktem Herzen erzählte sie ihm ihre Geschichte. Sie war gerade acht Jahre alt, als ihre Eltern bei einem Todesserüberfall ums Leben gekommen waren und wie sie von Bekannten ihres Vaters aufgenommen wurde.

Celina konnte es nicht erklären oder gar in Worte fassen, aber sie hatte das Gefühl, ihrem Gegenüber alles erzählen zu können. Severus hingegen mochte Celina irgendwie. Er hielt sie für durchaus sympathisch und hörte ihr gerne zu. Jedoch hätte er dies natürlich nicht ihr gegenüber oder geschweige denn jemand anderem zugegeben. Das beinhaltete auch seine eigene Person.

„Wie lange lebten Sie hier? Es ist ein wunderschöner Ort!“

Severus Gedankenk reisten zurück zu ihr.

„Nun, ich bin hier geboren. Mit elf Jahren kam ich nach Hogwarts und später ging ich dann auf die Universität, um Zaubertränke zu studieren.“

„Erzählen Sie mir bitte von Hogwarts. Ich würde es gerne kennen lernen.“

Celina erinnerte sich zurück an die Zeit als sie in Nordengland eine Zauberschule besuchte. Sie würde diese Zeit niemals missen wollen, jedoch hatte sie solch beeindruckende Geschichten über Hogwarts gehört, so dass sie manchmal bei sich dachte, besser nach Hogwarts gekommen zu sein.

Sie lauschte der tiefen Stimme Severus und schloss die Augen. So wie er erzählte, konnte sie sich das Schloss genau vorstellen. Beinahe konnte sie sich die verzauberte Decke in der Großen Halle vorstellen, welche eine Schönheit für sich selbst sein musste. Sie stellte sich den Lehrertisch vor, auf einer kleinen Anhöhe, auf die Schüler blickend. Sie sah die Szenerie vor sich und sie sah Severus dort sitzen, missmutigen Blickes. Vor ihrem inneren Auge konnte sie Severus in den Kerkern sehen. Wie er in einem dunklen Raum mit nur einem kleinen Sichtfenster Zaubertränke braute. Sie konnte sich vorstellen, wie seine langen, schmalen Hände vorsichtig, beinahe liebevoll die Zutaten vorbereiten.

Celina beobachtete Severus genau. Er sah sie abschätzend mit seinen dunklen Augen an und erzählte kurze Anekdoten aus dem Leben von Hogwarts. Nun, Severus zählte zwar nicht zu den großen Geschichtenerzählern, aber es war ihm gleich, solange er nichts über sich selbst erzählen musste.

Sie hatte bereits bemerkt, dass er möglichst nichts oder nur sehr wenig von sich preisgab. Ein wenig enttäuscht stellte sie fest, dass, wenn man mehr über den geheimnisvollen Zaubertränkemeister herausfinden wollte, man sein bedingungsloses Vertrauen besitzen musste. Severus gehörte leider nicht zu den Menschen, die ihr Vertrauen jedem schenkten, denen sie begegneten. Es sollte sich als schwierig erweisen, aber Celina liebte die Herausforderung.

Der Tag neigte sich seinem Ende zu und die Nacht brach herein. Der Mond stand bereits an seinem höchsten Punkt, als man zwei in schwarz gekleidete Menschen durch die Straßen gehen sah.


Kapitel 4

 

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