Geheimnisse

 

 

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Kapitel 54: Endliche Ruhe?


Das Gesicht eines Menschen erkennst du bei Licht,
seinen Charakter im Dunkeln.

Sprichwort



Mad Eye Moody fluchte innerlich. Gerade war er vom Ministerium zurück gekommen nach zwei Tagen durcharbeiten und schon klopfte jemand an seine Tür. Mit einem Ächzen stand er von dem weichen Sessel auf und humpelte auf die Tür zu. Schickte das Ministerium ihm auch noch die Arbeit nach? Bei allen Feuerdämonen, er wollte RUHE! Wenn möglich auch ein paar Stunden Schlaf, verdammt er war nicht mehr der Jüngste. Seine Tür war mit mehreren magischen und nicht magischen Schlössern gesichert, sein magisches Auge hatte ihm bereits verraten wer vor der Tür stand. Das zweite und dritte Lebewesen konnte er nicht so genau ausmachen, vielmehr war es zu verrückt, dass es einfach unmöglich war sie hier mitten in der Stadt anzutreffen. Er traute niemandem, erst recht nicht nachdem man ihn einmal gefangen und für mehrere Monate in seinem magischen Koffer eingesperrt hatte. Mit gezücktem Zauberstab öffnete er die Tür und ihm klappte die Kinnlade herunter. Sein magisches Auge hatte ihn nicht belogen.
"Hallo Mad Eye", sagte sein Gegenüber.
"Ich grüße Sie, Alastor Moody", sagte eine zweite, tiefe und wohlklingende Stimme über ihm.
Alastor starrte sein Gegenüber weiterhin an, unfähig etwas zu sagen.
"Ähm Mad Eye, können wir reinkommen?" fragte der Zauberer nun mit einem etwas besorgten Unterton, dabei warf er hektische Blicke die Straße auf und ab.
Wortlos und mit immer noch offenem Mund trat der alte Auror auf die Seite und ließ die Gäste ein. Der Zentaur sah sich interessiert in der großen Eingangshalle um. "Ein schönes Haus."
Bevor Alastor antworten konnte huschte etwas Weißes wie Schnee an ihm vorbei. Zu verblüfft um etwas sagen zu können schloß er erst einmal wieder sorgfältig die Tür.
Als er sich wieder sicher fühlte fand er seine Stimme wieder. "Bei allen Dämonen des Feuers und des Wassers, BLACK! Was machen Sie hier!?"
Sirius Black sah aus wie ein Landstreicher und noch immer konnte Alastor den Geruch von Rauch an ihm ausmachen. Moody fokussierte Black sowohl mit seinem magischen als auch mit seinem normalen Augen, der Junge sah müde, erschöpft und leicht abgemagert aus. Sein magischen Auge wanderte zu dem Bündel das Firenze trug, und er verstand.
"Bei Merlin, Sie haben ihn gefunden!" hauchte Mad Eye und trat auf den Zentauren zu.
"Deswegen bin ich hier. Ich wußte sonst keinen Ort wo wir ihn verstecken könnten - und mich", murmelte Black im Hintergrund, doch Moody hatte nur Augen für Snape.
Der Zentaure beugte sich etwas herunter um dem Auroren einen Blick auf den Verletzten zu geben.
"Oh, das sieht böse aus", grummelte Alastor und fühlte sicherhaltsfalber den Puls.
"Wo habt ihr ihn gefunden?" Während er dies sagte bedeutete er seinen Gästen ihm zu folgen.
"Bei einem Auroren", antwortete Black nach kurzem Zögern.
Alastor öffnete eine Tür, die in eine große Waschküche führte, verbittert schloß er kurz die Augen. "Lassen Sie mich raten...."
"Peter Moray!" sagten er und Sirius Black gleichzeitig.
"Legen Sie ihn da hin", befahl Moody und zeigte auf einen einfachen Flickenteppich. "Ich hätte es mir denken können, nachdem die Auroren keine Spur von Gefangenen in den Häusern der anderen Todesser fanden, konnte es nur ein Auror sein oder jemand, der etwas gegen Todesser hat. Moray konnte die Schmach nicht ertragen, dass ihm Snape einmal entwischt war."
Firenze legte den Todesser vorsichtig ab und Sirius begann ihn aus den Decken heraus zu schälen.
Moody sah erst einmal zu und grummelte gedankenverloren weiter: " Peter war damals so zornig gewesen."
Black entfernten die letzten Laken und gab den Blick auf Snape endgültig frei.
"Und wie es den Anschein hat, hatte es Peter auch nicht vergessen." Moody krempelte die Ärmel hoch, es war Zeit zu handeln.
Während er sprach sah Moray Sirius an. "Sie haben ihn schon einmal gewaschen, das ist gut. Aber da drohen dennoch einige Entzündungen Da drüben ist eine Schüssel, holen Sie warmes Wasser, die dazugehörigen Tränke stehen gleich in dem Schrank daneben."
Ohne Worte machte sich Black auf das zu tun was der alte Auror sagte.
Firenze legte sich hin und begann die Verbände abzuschälen. Mad Eye untersuchte bereits einige Wunden. Sein magisches Auge verriet ihm mehr als man im ersten Moment sehen konnte. Sogar gebrochene Knochen konnte er so ausfindig machen.
"Der hat ihn ganz schön zugerichtet", flüsterte Alastor und fragte etwas lauter: "War er schon einmal wach?"
Black kam mit einer Schüssel wohlriechendem Wasser zurück und antwortete: "Einmal, kurz. Hat aber nichts gesagt."
"Hm. Ich hätte mir denken müssen, dass so etwas unter den Auroren nur Moray zustande bringt." Während er nach dem Leinentuch in der Wasserschüssel griff schüttelte er betrübt den Kopf, da gab es viel zu heilen und er hatte nicht die Ausbildung dazu.
Alastor stellte sich etwas ungeschickt an, doch mit Sirius' Hilfe gelang es ihnen, den Verletzten von den alten Salben zu säubern ohne groß weitere Verletzungen zu verursachen. Schweißgebadet vor Anstrengung und Konzentration sahen sie auf ihr Werk.
Der Zentaur war derweil wieder aufgestanden und wachte ruhig über die Prozedur.
"Moody, was können Sie noch sehen? Ich habe überdehnte und ausgerenkte Gelenke gesehen", fragte Sirius besorgt.
"Da ist ein gebrochener Arm, hier ist der Bruch." Moray zeigte auf den Bruch am Unterarm. "Mehrere Gelenke scheinen entzündet zu sein und überdehnt und, ja, uhhh."
"Was uhh?" Sirius runzelte die Stirn.
"Die Schulter ist draußen. Die müssen wir sofort wieder einrenken." Besorgt beugte sich der Auror vor und das graue schüttere Haar fiel im dabei ins Gesicht.
"Die ist noch nicht lange draußen. In Ordnung, das kann ich", murmelte Moody und richtete Snape mit Sirius' Hilfe auf.
"Ich wußte nicht wie", murmelte Sirius zu Entschuldigung.
"Macht nichts. Macht nichts", beruhige Moody. "Ich habe mir meine Schulter so oft ausgerenkt, dass ich weiß wie es geht."
Es war seltsam mit anzusehen wie der alte Mann fast liebevoll über die Schulter strich und nach dem richtigen Ansatzwinkel suchte. Erst fand eine Hand den richtigen Halt und dann die zweite, ein schneller Ruck mit den Händen und ein hässliches Knacken war zu hören. Sirius zuckte zusammen. Snape stöhnte das erste Mal auf und sofort sah Alastor dem Todesser ins Angesicht. Doch dieser wachte nicht auf, blieb weiterhin in den sicheren Gefilden der Ohnmacht.
"Besser so", kommentiere Moody dies und sein magisches Auge durchforstete weiter den Körper des Todessers.
"Schon mal an eine Heilerlaufbahn gedacht?" fragte Sirius schließlich als der alte Auror auf zwei angeknackte Rippen wies.
"Nein, dazu war ich zu alt als ich das hier bekam." Moody wies auf das Auge. "Außerdem kostet es viel Kraft, eine sehr hohe Konzentration und eine mächtige Portion Magie wenn ich es auf diese Weise benutze."
Wie zur Bestätigung begannen die knochigen Hände schon zu zittern. Endlich hatten sie alle möglichen Verletzungen, oberflächliche wie auch tiefere, entdeckt. Zitternd und bleich lehnte sich der alte Auror unbewußt gegen eines der Vorderbeine von Firenze. Schlagartig, so schien es, war Sirius voll Kraft, alle Müdigkeit schien wie weggewischt, eine Müdigkeit, die Mad Eye jetzt verspürte.

Er wußte woran er war, Sirius Black gratulierte sich innerlich zu seinem Einfall, den Auroren aufzusuchen um hier Schutz und Obdach zu finden. Er hatte einige Verletzungen gefunden, aber nie richtig alle gebrochenen Knochen oder ausgerenkten Gelenke. In seinem Hinterkopf fragte er sich wie es Hagrid geschafft hatte? Doch jetzt hatte die bereits angesprochene Anstrengung ihren Preis gefordert. Mad Eye lehnte erschöpft und totenbleich an Firenzes Beinen. Der Zentaur sah von oben sehr besorgt auf den alten Mann, sagte jedoch nichts und ließ ihn sich ausruhen. Black sprang auf und suchte in dem Schrank nach Medizin und Verbandsmaterial.
"Moray galt bei uns schon immer als brutal. Habe schon einige Schlachtfelder von ihm gesehen und auch seine Gefangenen. Bei Merlin, wie konnten wir so bei unserem Einstellungstest versagen?" murmelte Mad Eye und schüttelte benommen den Kopf.
Sirius kam mit einem Arm voll Material zurück und meinte tröstend: "Vielleicht ist er mit der Weile so geworden? In Askaban waren auch nicht alle Wärter von Anfang an brutale rücksichtslose Menschen. Erst die Umgebung hat sie dazu gemacht."
Alastor sah zu Black auf. "Ich habe mich gehen lassen, Entschuldigung. Sie waren in Askaban und kennen sich da wohl mehr aus."
Mit einem leichten Lächeln auf dem Gesicht zuckte Sirius nur mit den Schultern. Das war doch nicht die Schuld von Mad Eye, dass er sich in dieser Richtung nicht so gut auskannte.
"Glauben Sie mir, auf diesen Erfahrungsschatz hätte ich gerne verzichtet", grummelte Sirius und begann damit, die Salbentiegel, Verbandstücher und Mullbinden zu sortieren.
Ein kurzer Blick hatte genügt um Sirius zu zeigen, dass Mad Eye nicht mehr fähig war ihm zu helfen. Magie war von dem Erschöpften kaum zu erwarten und Sirius wagte nicht mit einem fremden Zauberstab Heilmagie durchzuführen. Heilmagie war etwas so spezielles und mächtiges, dass Sirius mit einem fremden Zauberstab nur noch mehr Probleme verursacht hätte. So wie es auch aussah, waren die gebrochenen Knochen kein so großes Problem. Firenze konnte sich nicht rühren, ohne die Stütze für den alten Mann aufzugeben. So blieb es an Sirius, unter der Anleitung von Moody die gebrochenen Knochen zu schienen und die oberflächlichen Wunden so gut es ging zu versorgen.
"Der Blutverlust scheint nicht so hoch zu sein. Zum Glück", grummelte der Auror mit geschlossenen Augen.
"Ich denke wir werden Probleme bekommen mit den Verbotenen Flüchen und den oberflächlichen Wunden", mutmaßte Sirius, der gerade die letzten Streifen Mullbinden um ein gequetschtes Handgelenk band.
"Hm." Der Auror nickte.
"Moody, wo bekomme ich Kleidung her?" fragte Sirius schnell, denn er ahnte, der alte Mann schlief gleich vor Erschöpfung ein.
"Da in der Kammer", flüsterte der Auror und wies mit zittrigen Fingern auf eine Tür.
Sirius stand auf und während er sich umdrehte beugte sich Firenze herab und hob den relativ kleinen Auror vorsichtig an.
"Ich bringe ihn ins Bett", sagte Firenze leise und mit leisem Hufgeklapper verschwand er aus dem Raum.
Sirius durchwühlte die Kammer und fand schließlich einige Nachthemden, die zwar alle etwas zu kurz für Snape waren, aber im Moment hatte er andere Sorgen. Als Sirius zurückkam stand das Einhorn in der Wäschekammer und schnupperte an Snape. Tröstend fuhr der Zauberer durch die weiche Mähne des Tieres und begann Snape vorsichtig das Nachhemd überzuziehen, was mit den ganzen Verbänden nicht ganz einfach war. Ganz allein brauchte es seine Zeit und er war gerade fertig als Firenze wieder den Raum betrat.
"Mr Moody schläft tief und fest. Ich habe mehrere Gäste- und Schlafzimmer im ersten Stock gefunden", sagte der Zentaur ruhig. "Soll ich ihn auch in ein Schlafzimmer tragen?"
"Ja, das wäre nicht schlecht. Er braucht endlich Ruhe", sagte Sirius und trat einen Schritt zurück um dem Zentauren mehr Freiraum zu lassen.
Sie fanden einen geeigneten Raum am Ende eines Flures im ersten Stock. Es war ein geräumiges sauberes Schlafzimmer mit einem großen Doppelbett. Überhaupt schien es so als ob Moody nur das Erdgeschoß und den ersten Stock bewohnte, denn sobald es in den zweiten Stock ging wurden die Stufen staubig und die Türen dort sahen alt und verschließen aus. Das Einhorn war ihnen so leise wie möglich gefolgt und lag nun still auf dem großen Teppich vor dem Doppelbett.
"Ein Glück, dass es hier große Treppen gibt", murmelte Firenze als er Snape vorsichtig ins Bett gelegt hatte.
"Ja ein Glück", bestätigte Black und legte leichte Leinentücher über den geschundenen Körper des Todessers.
"Was machen wir jetzt?" fragte Firenze.
Sirius seufzte und zog einen Stuhl näher an das Bett heran. "Warten Firenze. Warten."


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