Muggel

 

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Kapitel 7

 


Sie brauchten eine Weile zum Schloss zurück. Die beiden Schüler sprachen kaum noch ein Wort mit ihm. Severus spürte wie unangenehm ihnen diese Situation war und zweifelte kaum daran, dass sie ihn am liebsten auf dem kalten Boden gelassen hätten.

Ihm selbst war es nicht direkt unangenehm, es war eher eine Form von reinem Selbsthass sich soweit erniedrigt zu haben. Wieso hatte er sich auch so weit vom Schloss entfernt? Er hätte vorausschauend sein müssen. Er hätte wissen müssen, dass er es nicht mehr alleine zurückschaffte.

"Kerker!" flüsterte er erschöpft. Dort kam er endlich an das Schmerzmittel heran, dass er seit... wie lange hatte er eigentlich auf dem Boden gelegen?... vermisste.

"Mr. Potter, holen Sie bitte den Direktor."

Harry sah Snape misstrauisch an. Aber der Zaubertränkemeister war schon mit der Hilfe von Ron weitergelaufen. Severus kannte sich und seinen Körper und wenn es um seinen lädierten Stolz, in der Schule nicht zusammenzubrechen, ging, konnte er verdammt hartnäckig sein.

Dann hörte Snape die Schritte des Jungen davonrennen. Unnötig. Er war kein schwerverletzter Invalide mit offenem Beinbruch... Was dachte der Gryffindor eigentlich, was Dumbledore für ihn tun konnte? Mehr als mitleidig schauen hatte der Direktor auch nicht für ihn übrig. Der alte Mann würde, auch wenn er langsam lief, rechtzeitig ankommen.

Vor seiner Tür zu den Privaträumen erstarrte er. Sie war nicht verriegelt. Wie um alles in der Welt hatte er das vergessen können? Im ersten Moment überlegte er, ob sich jemand daran zu schaffen gemacht hatte. Doch ihm kam in den Sinn, dass es tatsächlich möglich war, dass er vor Wut auf Flitwick einfach davon gestürmt war. Resignierend über seine eigene Unvorsicht, ließ er sich von dem Jungen in seine Räumen helfen, der von Snapes Überraschung nichts mitbekommen hatte. Eigentlich war es vorausschauend gewesen, seine Tür unverschlossen zu lassen. Er hätte sich noch lange mit dem Öffnen beschäftigen müssen und noch länger diesen Schmerz in seinem Arm gefühlt.

Ronald Weasley half dem Professor, in seinem Sessel vor dem Kamin Platz zu nehmen.
Der Junge schaute sich unsicher und nervös in seiner Wohnung um. Die Brutstätte der Hölle. Das musste dieser Raum für ihn sein. Die Privatzimmer des Hauslehrers von Slytherin. Es war beinahe zum Lachen. Wenn es nicht so weh tun würde.

"Gehen Sie zu dem Regal dort vorne. Neben dem Buch mit dem roten Einband steht eine kleine Kiste."

Ron tat wie ihm geheißen. Bedacht möglichst keinen lauten Ton in den ungewohnten Gemächern zu machen, ging er durch den Raum auf das große schwarze Regal zu. Mitten in den Unmengen Büchern fand er die kleine Kiste.

"Diese hier?" fragte er vorsichtig mit zitternder Stimme nach.

Severus genoss es, dass der jüngste Sohn der Weasleys auch angesichts dessen, dass Snape nicht wirklich bedrohlich wirken konnte, Angst vor ihm hatte. Mögen würden die Schüler ihn ohnehin niemals, aber respektieren und fürchten, das konnten sie. Und das war auch gut so.

"Ja, darin befindet sich ein goldener Schlüssel. Holen Sie ihn heraus und klopfen Sie mit Ihrem Zauberstab neben dem Regal auf den dunkleren Stein. Dahinter befindet sich ein Schloss. Öffnen Sie diese Tür."

Er bewahrte eine Menge seiner persönlichen Tränke darin auf. Tränke, die ihm das Leben retten, erleichtern oder nehmen konnten. Bisher wusste nur Dumbledore von dem Vorrat. Nun, er würde sich einen neuen Platz suchen.

Weasley schluckte nervös. Das machte der Junge dauernd. Wenn er wüsste, wie sehr Severus dieses unsichere Schlucken auf die Nerven ging.

"Nun machen Sie schon, Weasley."

Ron beeilte sich den Anordnungen seines Lehrers Folge zu leisten.

"Bringen Sie mir die grüne Flasche mit dem Oraseltrank."

Ron kam mit der Flasche zu ihm.

Eilig öffnete sie Severus mit der schmerzfreien Hand und trank einige Schlucke daraus.

"Das ist ein Schmerzmittel!" bemerkte Weasley mit großen Augen.

"Gut erkannt. Wenn Sie im Unterricht ebenso aufmerksam wären, würde keine Gefahr bestehen, dass Sie am Ende des Jahres durchfallen."

Wieder dieses Schlucken.

"Ich falle echt durch?" fragte er zitternd.

"Wenn Sie so weitermachen. Sie müssen doch selbst sehen, dass Ihre Tränke nur selten ausreichend sind."

"Schon, aber Sie sind zu schwer."

Severus seufzte. Ihm war noch immer eiskalt. Sein Arm schmerzte weiter, auch wenn das Mittel gerade begann zu wirken, und der Junge hatte nichts Besseres im Kopf, als ihm von den ach so schweren Tränken vorzujammern.

"Nur wenn Sie sich nicht bemühen! Selbst Longbottom ist im Durchschnitt besser als Sie."
Nun, das war ein wenig übertrieben, aber das konnte ja nicht schaden.

Ron wollte sich wohl gerade rechtfertigen, als dankbarerweise Dumbledore durch die Tür schritt. Auf ein Schüler-Lehrer-Gespräch mit einem Gryffindor wäre er bestimmt noch scharf gewesen. Mit Slytherins, ja gut, als ihr Hauslehrer gehörte das zu seinen Aufgaben, aber die waren auch leichter zu ertragen. Bis auf die magersüchtigen, vollgeschminkten Mädchen inmitten ihrer Pubertät, die ihm jede Woche von einem versuchten Selbstmord erzählten.

Ob McGonagall auch damit zu kämpfen hatte? Oder Flitwick? Ein bitterer Gedanke kam ihm hoch, als er an den kleinen Mann dachte. Er hatte ihn bei seiner empfindlichsten Ader getroffen. Auch wenn er keinen Wert darauf legte, bei seinen Kollegen beliebt zu sein, schmerzte der Gedanke doch, dass sie ihn so verachteten. Und er konnte es ihnen nicht mal verübeln. Er hasste sich selbst auch für das was er getan hatte, und noch immer tun musste.
Dumbledore war indes näher getreten.

"Severus, was ist geschehen?" fragte er sogleich besorgt seinen Tränkemeister. Dieser rieb den schmerzenden Arm, um die Taubheit aus ihm zu verbannen. "Ich konnte nicht apparieren, nachdem er gerufen hatte. Sie erinnern sich, was vor einem Jahr geschah, als ich dem Ruf des Lords nicht Folge leistete?"

Dumbledore nickte.

"Nun, genau das ist geschehen, nur ohne Schmerzmittel."

Dumbledore nahm seinen Zauberstab zur Hand und beugte sich zu Severus herunter. "Gib mir deinen Arm. Ich versuche den Ruf zu lösen."

"Oh, Voldemort hat aufgehört. Aber die nächste Nachricht wird nicht lange auf sich warten lassen."


Hinter Dumbledore zuckte Ron bei der Erwähnung des Namens des Unnennbaren zusammen. Severus hatte den Schüler ganz vergessen, auch Harry Potter, der noch immer am Eingang stand. "Mr. Weasley, Mr. Potter verschwinden Sie aus meinen Räumen und wir werden den Vorfall vergessen." Ron nickte sofort. Er verstand, dass Snape ihnen keine Dankbarkeit zukommen ließ. Dafür zog er ihnen keine Punkte ab oder verteilte Strafarbeiten, obwohl Severus kurz davor war. Aber in Dumbledores Anwesenheit war es ohnehin unmöglich Potter eine Bestrafung zu geben.

"Wieso glauben Sie, konnten Sie nicht apparieren?" meldete sich Harry zu Wort, ohne auf die Bitte, sich zu entfernen, einzugehen. Snape warf ihm einen seiner eisigen Blicke zu. "Ich sagte bereits, dass Sie das nichts angeht."

"Mich geht es was an, wenn es um Voldemort geht, Professor! Schließlich bin ich sein Feindbild Nr. 1."

"Nun wie Sie selbst sagten. Sie lassen sich Ihr Leben nicht von Voldemort vermiesen, dann interessiert Sie dieses Gespräch auch nicht! Sie sind nicht der einzige, der auf Voldemorts, wie sagten sie gleich?, "Abschussliste" steht, nehmen Sie sich nur nicht so viel heraus."
Wieder zuckte Ron bei Erwähnung des Namens zusammen.

"Merlin, Weasley, es ist nur ein Name!"

"Ja, ich weiß... Prof... aaahhh!"

Mit lautem Klirren ging das Tintenfass, das auf seinem Sekretär gestanden hatte zu Boden. Severus zählte innerlich bis zehn. 'Nur nicht Rumbrüllen. Das ist jetzt viel zu anstrengend. Bleib ruhig.'

Doch das half nicht wirklich. "WEASLEY. Passen Sie doch auf!" herrschte er ihn an.

"Entschuldigung Professor. Das wollte ich wirklich nicht. Ich war nur so..."

Der Slytherin stöhnte auf. Grummeln nahm er seinen eigenen Zauberstab und wollte die Sauerei, die die Tinte auf dem Boden verursacht hatte, entfernen.

"Deletares Caloritus!"

Doch nichts geschah.

Severus sah erst seinen Zauberstab und dann den Boden an. "Deletare Caloritus!" sprach er ein wenig energischer. Kein Zischen, keine Funken kamen aus dem Zauberstab. Wieder blieb die Tinte auf Boden.

"Was...?" flüsterte er entgeistert.

"Deletares Caloritus!!" Diesmal brüllte er die Worte fast hinaus. Angestrengt blickte er auf seinen Zauberstab. Was sollte das? Wieso funktionierte so ein kinderleichter Zauber nicht?
Er sah ein wenig hilflos zu Dumbledore.

"Ist Ihr Zauberstab kaputt?" fragte Ron nach und zog fast wieder den Zorn des Tränkemeisters auf sich.

"Lassen Sie mich mal."

Severus war so fassungslos, dass Harry ihm einfach seinen Zauberstab aus der Hand nehmen konnte und selbst den Zauber sprach. "Deletare Caloritus!" Die Tinte auf dem Boden verschwand. Harry selbst ließ den Zauberstab direkt nach dem Spruch fallen. Severus hörte das Klacken des Holzes auf dem Boden wie aus weiter Ferne. Harry rieb seine Hand, als hätte er sich verbrannt und verzog schmerzverzerrt das Gesicht. Natürlich. Man konnte nicht einfach den Zauberstab eines anderen verwenden, da jeder Zauberer auf einen anderen angewiesen war. Man konnte zwar damit zaubern, aber es war nicht klar, ob man ihn beherrschte, oder der Zauberstab die fremde Person abwehrte. Seiner war ziemlich stark und bündelte die Magie zu einem feinen Strang, den nur ausgebildete Magier zu nutzen wussten, geschweige denn die Stärke und Funktion des Spruches zu kontrollieren. Dass Harry den Zauberstab so gut verwenden konnte, sprach für die außerordentliche Begabung des Jungen.

Warum dachte er nun über die Stärke seines Zauberstabes nach? Er hatte ganz andere Sorgen. In seiner Hand war nichts geschehen. Nicht ein einziges magischen Fünkchen kam aus der Spitze der Rabenfeder in seinem Inneren.

Nahezu verzweifelt nahm er den Stab wieder in die Hand und schwang ihn, so wie er es vor vielen Jahren im Geschäft von Ollivander getan hatte.

Keine Funken, kein goldener Schein, nichts.

"Warum... geht es nicht?"

Nun begann sich auch Dumbledore aus seiner überraschten Starre zu regen.
"Setz dich erst einmal."

-to be continued-


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