Sonne, Mond und Blitz

 

 

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Kapitel 3: Honigwaben

 


Im Laufe des nächsten Tages hatte sich Hogwarts mit Schülern gefüllt. Von allen Seiten tönte ein lautes Hallo, eifrige Gesten beschrieben Größe und Umfang von Geschenken, munteres Geplauder erfüllte die Räume. Es war ein ständiges Kommen und Gehen, Kichern, Lachen. Solaris stand und betrachtete die Neuankömmlinge. Wortfetzen drangen an ihr Ohr. Sie nahm die Lebendigkeit mit vollen Zügen auf, breitete ihre Arme aus die Handflächen nach oben und sog die Stimmung in sich auf. Sie fühlte sich glücklich, auch wenn sie kein Wort von dem verstand, was da gesprochen wurde. Snape war gerade auf dem Weg um im Haus der Slytherin nach den Rechten zu sehen als er ihrer gewahr wurde. Er stand für einige Sekunden wie unbeweglich in der Halle und ließ sich von ihrer Geste gefangen nehmen. Ihr Haar leuchtete in der Sonne, es fiel in ungebändigten Strahlen über ihren Körper, ihr Gesicht wirkte freudig entspannt, ihre Haltung war nahezu magisch andächtig. So mochte es wohl aussehen, wenn eine Priesterin die Götter der Natur beschwor oder in tiefer Trance mit den Geistern der Nacht Kontakt aufnahm. 

Direkt vor seinem Fuß explodierte ein Filibuster Feuerwerk und holte ihn auf die Beine zurück. "Wer war das" donnerte er durch den Raum. Ein etwas schüchterner Fünftklässler näherte sich vorsichtig: "das war nicht mit Absicht, Professor, er ist aus dem Koffer..." "Longbottom, 20 Punkte Abzug für Gryffindor, machen Sie nur weiter so!" knurrte Snape, rauschte aus der Halle so schnell, dass sein Umhang zu fliegen schien und ließ Neville verdattert stehen. 

Solaris war durch die Szene aufgeschreckt ein paar Schritte zurückgewichen. Doch jetzt hatte sie Harry in der Menge ausgemacht und lief auf ihn zu. Harry Potter erzählte gerade Ron und Hermione was sich an anderen Tag zugetragen hatte als sich Solaris mit einem Zischgewitter auf ihn stürzte; sie mußte ihre Eindrücke einfach loswerden. Ron und Hermione starrten sie entgeistert an. "Ihr gefällt es hier.." fasste Harry lakonisch zusammen. "Solaris ge-fällt es hier" echote die Frau daraufhin. "Hi" sagte Ron und reichte ihr die Hand. "Hi?" "Ron" "Hi Ron" "das ist Hermione" Ron deutete zu seiner Rechten. "Hi Hermione". Ron blickte auf die Uhr "kommt es ist Zeit zum Essen". Sie zogen weiter in den Speisesaal mit Solaris im Schlepptau. 

Das Gespräch verstummte augenblicklich als die vier den Raum betraten. Die Story von der Neuen "Schülerin" hatte sich schon überall verbreitet. Professor McGonagall winkte sie zum Lehrertisch nach vorne. Harry, Ron und Hermione begleiteten Solaris, die mit großen Augen um sich schaute fast etwas abwesend als würde sie selbst unter den vielfachen Eindrücken verschwinden. Auf dem Tisch lag der sprechende Hut direkt vor Professor Dumbledore, der sich nun erhob. " Liebe Schülerinnen und Schüler, ich habe die Freud eine neue Schülerin auf Hogwarts begrüßen zu können, sie hat etwas – em –spät (hier grinste er) zu uns gefunden, wir wollen sie aber doch herzlich willkommen heißen. Der sprechende Hut wird uns nun kundtun, zu welchem Haus sie gehören wird." Er drückte Solaris sanft den Hut auf den Kopf. "Hm, das ist schwer für Slytherin hätte sie das Genie aber sie ist zu arglos, für Ravenclaw die Weisheit doch keinen Zugriff darauf, Hufflepuff passt nocheher, hmm - Gryffindor, Mut hat sie und wird ihn auch brauchen." Der Gryffindortisch brach in Applaus aus. Solaris Gesicht war gerötet vor Freude als Hermione sie an den Platz neben ihr führte und sie zischelte wild mit Harry. Dann erhob sie sich vor den anderen und sagte "Hi, Solaris gefällt es hier" setzte sich hin, schaute ihren Teller intensiv an und begann augenblicklich den darauf erscheinenden Haferbrei zu schaufeln. Hermione wandte sich ihr zu und zeigte ihr, wie man einen Löffel benutzen konnte, während die anderen sich nur mühsam zurückhalten konnten nicht gleich vor Lachen loszuprusten... 

Solaris Blick wanderte zu einem Jungen, der zu Tode traurig wirkte, das blonde Haar streng zurückgekämmt ein schmales prägnantes Gesicht der Körper ganz in sich eingesunken. Das Emblem an seinem Umhang zeigte die Slytherin- Schlange. Er schien gar nicht gegessen zu haben. Aus einem Impuls heraus stand sie auf und ging auf ihn zu. Sie zeigte auf sein Emblem, griff in ihre Tasche, zog Basil ihre Schlange hervor und sprach ihn auf Parseltongue an. Der Junge rückte erschreckt zurück und machte eine abwehrende Geste mit seinen Händen: "Lass mich in Ruh'!" Doch sie nahm seinen leeren Teller, schien ihn mit ihrem Blick zu durchbohren und stellte ihn mit frischen Honigwaben gefüllt zurück. Sie schaute den Jungen flehend an und machte ein Zeichen für Essen. 

Snape hatte die ganze Zeit die Augen nicht von Solaris lassen können. Das war eine Wilde, keine Manieren keine Kultur und nun stand sie einfach auf und quatschte den kleinen Malfoy an. Der würde ihr schon eine ordentliche Abfuhr erteilen. Snape goss sich ein großes Glas voll Rotwein und verfolgte die Szene weiter. Es schien als säße Malfoy wie paralysiert gegenüber von Solaris – ein Duell der Augen, dann geschah das unerwartete: Draco murmelte ein leises "Danke" und begann unter den wachsamen Augen Solaris' zu essen. Ihr Gesicht wirkte entspannt. "Hi, ich heiße Solaris". "Draco, Draco Malfoy, hallo" Dracos Mine wirkte heller und er schien einige Zentimeter gewachsen zu sein. Die Tischnachbarn, die nahezu den Atem angehalten hatten begannen nun ein entspanntes Gespräch als Solaris an ihren Platz zurückkehrte die Schlange wieder in ihrer Tasche. Snape schüttelte den Kopf, leerte sein Glas in einem Zug aus und wandte sich Professor Flitwicks Urlaubsberichten zu. 

Solaris wandte sich Harry zu "Draco?"..." " sein Vater ist vor kurzem gestorben, er wurde wohl umgebracht" erklärte ihr Harry mit gemischten Gefühlen. Einerseits war er froh, dass es dieses Ekel nicht mehr gab andererseits konnte er sich gut in Malfoy versetzen. "Wie das mit den Tellern funktioniert hast du ja schnell kapiert" fügte er ablenkend hinzu als sie begann einen Haufen Raukeblätter zu verzehren. 

Nach dem Essen nahmen Harry, Ron und Hermione Solaris mit auf eine Hausführung und brachten sie schließlich nach einiger Zeit im Gemeinschaftsraum der Griffindors zu ihrem Zimmer. Als die anderen weg waren schlich sich Solaris an das große Gangfenster in ihre Nähe und blickte in den Nachthimmel hinauf, die Finger fest an das Fenster gepresst. Sie blieb eine ganze Weile so versunken im Fackellicht stehen bis sie ein Schatten aus ihrer Versunkenheit riss. Sie drehte sich um und blickte Snape in die Augen. Sie zuckte erschreckt zurück, blieb dann stehen und lächelte "hi, Ssnääp". Der schnaubte nur heftig durch die Nase und rauschte an ihr vorbei. Wie lange er wohl schon dagestanden war - er schien so aus dem Nichts aufgetaucht. 

Snape war in seinen Kerker geeilt und hatte sich gleich an eine Reihe von Zaubertränken gemacht, die er für seinen Unterricht noch durchchecken wollte. Versonnen rührte er in einem Kessel, dessen Inhalt golden sanft vor sich hin blubberte... ihm kam das Bild vor Augen wie Solaris am Fenster stand, ihr Sonnenhaar mit tausenden von kleinen tanzenden Glanzpunkten durch das flackernde Fackellicht erhellt, den Blick träumend in die Nacht gerichtet. Und dann diese Unverschämte "Hi Snape" - sollte sie doch bei Parseltongue bleiben. "Ach hol sie der Teufel, jetzt wär' mir tatsächlich bald das Krötenelixier angebrannt!" Snape füllte ärgerlich aber mit gewohnt ruhiger Hand seine Tränke in Flaschen und verkorkte sie sorgsam. Dann nahm er eine kleine smaragdgrün gefüllte Phiole und trank sie auf einen Zug leer. Traumloser Schlaf war genau das was er jetzt dringend brauchte. 



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